Montag, 28. Juli 2014

MY SOUL TO TAKE (2010 Wes Craven)


An dem Tag als ein Serienmörder gefasst wurde und starb wurden sieben Kinder geboren. Als diese 16 Jahre alt werden, werden sie nach und nach umgebracht...


Angsthase, Pfeffernase, morgen kommt der Ripper...

Wes Craven mixt munter seine Erfolgsrezepte aus „Shocker“, “Scream“ und „Nightmare - Mörderische Träume“ und stellt die Frage in den Raum ob der Mörder ein klassischer Psychopath, ein Schizophrener, ein Besessener, ein für tot Gehaltener oder eine Reinkarnation ist. Und dass der Zuschauer tatsächlich ins Zweifeln kommt, welche dieser Möglichkeiten in Frage kommt und welcher der Charaktere sich als der Serienkiller entpuppt, liegt einzig und allein daran dass der Plot zu „My Soul to Take“ derart konstruiert ist, dass alles möglich ist.

Denn mit der Realität hat das was Craven da selbst zusammengeschrieben hat nichts mehr zu tun. Hier verhält sich wirklich niemand wie aus unserer Welt stammend. Die Soap-Biester und die Schul-Loser sind zum Leben erwacht, Erwachsene denken in Fernseh-Klischees, die vertuschte Vergangenheit wirkt so unglaubwürdig wie die Legende die aus den Geschehnissen vor 16 Jahren entstanden ist. Alles ist viel zu sehr Kino- und TV-Niveau, nichts fühlt sich echt an, und trotz bewusster Verweise auf „Halloween“, „Scream“ und Co fehlt es an Distanz, geschweige denn an Ironie, welches zumindest Cravens auf Meta-Ebene angesiedelter Vier-Teiler in seinen Höhepunkten so großartig machte.

„My Soul to Take“ nimmt sich in seiner konstruierten Parallelwelt viel zu ernst, glaubt in der unseren zu existieren, und deswegen kann er nicht funktionieren. Er kann keine Realität vortäuschen, fühlt sich nicht einmal wie ein halb glaubwürdiger Slasher an, und so kann er mit den Fährten die er setzt nur als Konstrukt täuschen. Dies weiß immerhin halbwegs zu unterhalten, allein weil man bei all den Vermutungen die man hat eine Antwort erhalten möchte, aber das Ergebnis ist doch trotzdem recht dürftig ausgefallen, auch wenn bewusst Genre-Regeln gebrochen werden und es somit ab und an zu Überraschungen kommt.

„My Soul to Take“ ist Film, fühlt sich wie Film an und dies so intensiv, dass er einen nicht einmal für 90 Minuten glauben lässt, dass hier amerikanische Teenager um ihr Leben bangen. Es sind Figuren, gefangen in Klischees aus der Horrorwelt. „Shocker“, von dem hier am meisten geklaut wird, fühlte sich trotz seiner wesentlich fantastischeren Story wirklichkeitsnäher an als Cravens Quasi-Remake. Mag er im Original auch intensiver mit der Wahrnehmung von Visionen gespielt haben, den Mörder übernatürlich handeln lassen und von einem magischen Schmuckstück erzählt haben, so schaut sich der hier besprochene Film, der gerne in der unseren Welt spielen würde und das Übernatürliche nur als eine von vielen Möglichkeiten der Wahrheit einsetzt, doch wesentlich unglaubwürdiger, ja geradezu unsinnig.

Kommentare:

  1. Ich wollte nur mal loswerden, dass das ne super Besprechung ist! Sie gibt exakt meine Empfindungen wider. Ich hab den Film schon vor längerer Zeit gesehen, da war er ganz frisch auf DVD raus, aber ich weiß noch, wie sehr ich mich um das Geld geärgert habe. Jetzt liegt er hier irgendwo rum und verstaubt. Ich fand ihn ja regelrecht furchtbar... die Klischees, die gewollte Coolness, es war einfach nur schrecklich. Schrecklich langweilig. Zum Fürchten. ;-)

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    1. Oh danke für solch positives Feedback, so etwas freut! Dein Eindruck vom Film scheint jedoch noch etwas negativer zu sein als meiner, immerhin konnte dieses Konstrukt bei mir noch das Interesse wecken wissen zu wollen wie die Auflösung aussieht. Das dürfte Dir hingegen ziemlich egal gewesen sein, oder?

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    2. *lach* Da nimmst du richtig an. Und wenn du mich jetzt fragen würdest, wie der Film ausging, ich wüsste es ehrlich gesagt gar nicht mehr. Bei schlechten Movies hab' ich so eine automatische Löschtaste in der Großhirnrinde. :-D

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    3. Wenn es Dich beruhigt: so richtig deutlich wurde am Ende ohnehin nicht was nun wirklich der Hintergrund war. Und das ist die Verarsche an der Verarsche! *g

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