Mittwoch, 23. Juli 2014

DER MÖRDER-ALLIGATOR (Killer Crocodile 1989 Fabrizio De Angelis)


In Südamerika werden Umwelschützer von einem gefräßigen Riesen-Krokodil attackiert...


Der Horror von einem Alliga... Krokodil...

Gleich vorweg: „Killer Crocodile" (Originaltitel und deutscher Alternativtitel) ist salopp gesagt ein wirklich saudummer Film. Das mag schade für die Horror-Fans sein, aber es ist ein Glück für das Trashherz, denn die Dummheit dieses Films sprudelt derart über, dass es ein Fest ist darin zu ertrinken.

Zunächst einmal stellt selbst das Krokodil eine Dreistigkeit für sich da. Ich habe in meinem Leben schon eine Menge Filmmonster gesehen, und von den grotesken Geschöpfen eines "Creatures Of The Haunted Sea", "Stay Awake" und ähnlichem einmal abgesehen gehört das hier gezeigte Vieh zu den peinlichsten handgemachten Monstern der Filmgeschichte, ist das Plastikungetüm doch eine optische Unverschämtheit, gerade in Bezug auf seine Entstehungszeit gesehen und kann als Mutprobe gesehen werden dem Publikum überhaupt vorgesetzt zu werden.

Zugegeben, so etwas bieten einige Werke des schlechten Films, und das allein würde nur die wenigsten zu freudigen Trash machen. Aber  "Der Mörder-Alligator" bietet ja noch einiges mehr als das. Komplett abgründig wird Fabrizio De Angelis‘ Regiearbeit wenn wir nach der Logik der Charaktere gehen. Dass es da hapert gehört fast schon zur grundlegenden Pflicht eines billig heruntergekurbelten italienischen Schundfilm. Im Zentrum der Geschichte steht ein Haufen Ökos, Umweltschützer mit Idealen, die nie irgendwem ein Haar krümmen würden. Trotz der bisherigen Todesfälle wollen sie dass dem Krokodil (oder den Alligator, was denn eigentlich nun? Ich kenne mich da nicht so aus) nichts geschieht und verabscheuen die Pläne anderer es töten zu wollen. Dann jedoch stirbt einer der Naturschützer aufgrund einer Kroko-Attacke, und mit einem mal sehen die überlebenden Ökos rot. Das Biest muss sterben, diese unsagbare Bestie muss gestoppt werden!

Es mag ja richtig sein, dass Wut Menschen in ihrem Denken und Handeln vorübergehend verändern kann. Aber hallo? Was muß das für ein Mensch sein, der erst begreift wie schlimm es ist über einen Tierangriff einen Menschen zu verlieren, wenn er selbst von dieser Situation betroffen ist? Mit einem Mal sind alle hochgesetzten und jedem aufs Maul geschmierten Prinzipien über Bord geworfen, dass da nicht nur Wut anhand von Trauer entsteht, der Hass schürt derart über, dass der Zuschauer jede Identifikation (sofern es die vorher gab) mit den Figuren verliert.

Jedes ideologische, wissenschaftliche und auch grundweg logische Denken ist mit einem mal nicht mehr vorhanden. Dass das Vieh auch nur überleben will, dass es eine Mutation durch Giftmüll ist und deswegen wahrscheinlich auch seine Leiden haben mag, kommt den ehemals engagierten Umweltaktivisten nicht (mehr) in den Sinn. Gegen diese in ihrer Extreme groteske und plötzliche Charakterveränderung wirkt die Verwandlung von Jekyll zu Hyde wie ein Wutausbruch eines Jungen im Kindergarten, dem man den Legoturm zerstörte. Man müsste den Kopf schütteln, wenn der Film nicht vorher für ordentlich Kopfschmerzen gesorgt hätte.

Der Rest ist wie zu erwarten das Standard-Programm: Die Schurken sind alle typische Filmschurken und über kurz oder lang ohnehin Krokofutter, der Storyverlauf wird aalglatt abgespult wie er routinierter nicht sein könnte, und selbstverständlich beherrscht nicht einer der Akteure die Kunst des Schauspielens. Hin und wieder wird es für den Gore-Hound blutig, aber ganz im ernst: wenn man diesen Trash sehen will reicht es vollkommen aus die gekürzte und wesentlich günstigere FSK 16-Version zu schauen. Man verpasst nicht zu viel, und die Schnitte sind kaum bemerkbar.

Auf die blutige, aber völlig hohle und übertriebene Schlußszene, die auch in der 16er Fassung enthalten ist, waren die Verantwortlichen dieses Müllfilms scheinbar derart stolz, dass sie diese auch gleich wieder als Eingangssequenz für die Fortsetzung „Killer Krokodil 2“ benutzt haben. Spätestens diese letzte Szene zeigt wie schlecht die Italiener in solchen Filmen glaubwürdige Charaktere kreieren können. Das schaut sich so als würde Gandhi zu Rambo werden.

Also! „Der Alligator“ (Alternativtitel, der nicht mit dem gleichnamigen Alternativtitel tragenden, gelungenen „Der Horror-Alligator“ verwechselt werden sollte) ist ein netter Spaß mit kleinen Längen für Freunden von Trash und ein Haufen talent- und unterhaltungsfreier Müll für den echten Horror-Fan der über unfreiwillige Komik nicht lachen kann. Für beide Arten Zuschauer wird der Streifen zur Bewährungsprobe der Geduld.

Kommentare:

  1. Ich erinnere mich: Der war tatsächlich eher nur mittelsuper. Ich erinnere mich auch: Steinzeitkrebse aus dem Yps-Heft waren furchteinflößender als dieses Ungetier. Ich nehme mir vor: Endlich die großangelegte Fabrizio-De-Angelis-Retrospektive zu starten, um das unglaubliche Gesamtwerk dieses wunderbaren Italieners zu würdigen.

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  2. Fand den eigentlich ganz nett. Kein Meisterwerk, aber durchaus nett. Habe vor zig Jahren für nen 10er von nem Bekannten die X- Rated DVD bekommen. Unglaublich, dieses Ding ist heute schweineteuer und gesucht.

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    1. Ja, ich finde es immer wieder interessant welche "Perlen" im Laufe der Zeit Mutantenpreise kosten, während viele große Filmmomente am Wühltisch verramscht werden.

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