Mittwoch, 23. Juli 2014

DIE UNGLAUBLICHEN - THE INCREDIBLES (The Incredibles 2004 Brad Bird)


Ein auf staatlichen Beschluss anonym lebender und seine Kräfte nicht mehr einsetzender Superheld geht seiner ehemaligen Tätigkeit heimlich nach, bis er von wem Unbekanntes einen Auftrag erhält, der ihn wieder voll und ganz fordert. Zu dumm dass das ganze die Falle eines Superschurken ist...


Kommerz-Kino-Kritik...

Dank seiner guten und flotten Animation ist "Die Unglaublichen" ein Fest für die Augen. Der Film ist so witzig, dass man tatsächlich des öfteren laut lachen muss und die Geschichte so gut, dass man bereits beim Lesen diverser Inhaltsangaben Lust bekommt ihn zu sehen. Disney und Pixar haben wahrlich etwas wunderbares gezaubert und doch ahnt man, dass es der Einfluss der Disney-Seite sein müsste, der manchen Schwachpunkt ausmacht.

Auch wenn der Film eine FSK 6 erhalten hat, so ist er doch eigentlich ein Film für das Jugend- und Erwachsenenpublikum. Warum muss trotzdem ewig in US-Trickfilmen diese Familienpropaganda und unnötige Gefühlsduseleien enthalten sein? Oh nein, da wurde die Familie vernachlässigt obwohl sie doch das wichtigste im Leben ist, und wieder wird der Zuschauer, der eigentlich mündig behandelt werden könnte, von einem Konzern erzogen, den es um den Kommerz geht und bei der Fertigstellung eines Kinofilms sicherlich nicht um die Familie.

Um den idealistischen Bereich geht es mir eigentlich aber nicht wirklich. Viel schlimmer finde ich es, dass solche zwanghaft eingebrachte Propaganda-Moral die ansonsten flott inszenierte Story ausbremst und sich anfühlt, als würde sie nicht zum Restfilm passen, einem Werk dass sich kesser Komik widmet, teilweise sogar intelligente Satire serviert. Ernste Momente und gerade Dramatik kann man innerhalb einer an sich humoristischen Geschichte auch anders integrieren, als auf derart traditionellen Pfaden, die gefühlstechnisch nicht glaubhaft daherkommen und schon immer der Schwachpunkt von Disney-Produktionen waren.

Leider schöpft „Die Unglaublichen" auch aus einem anderen Grund nicht sein volles Potential aus. Zu Anfang ist die Erzählung eine Parodie auf die Superhelden-Kultur Amerikas, sowohl auf die mediale als auch auf die politische. Im Laufe der Zeit schwenkt der Film schließlich um und wird selbst nur Teil des Superhelden-Universums, nicht frei von Selbstreflexion, aber längst nicht mehr den Satiregehalt in den Mittelpunkt stellend. So wird fast nur noch ordentlich Action geboten, was sich gerade für jenes Alter positiv schaut, welches die vielen Verweise und Anspielungen der besseren Hälfte überhaupt nicht versteht.

Glücklicher Weise ist das flott zu gucken, auch für Erwachsene bleibt es unterhaltsam, aber das Niveau der ersten 30 - 45 Minuten geht flöten und damit eine Konsequenz, die aus „Die Unglaublichen“ mehr hätte zaubern können als den nächsten flotten Pixar-Film. Sicherlich benötigt man als Drehbuchautor mehr Intelligenz und Zeit wenn man den pfiffigen Hintergrund aus der ruhigen Einleitung auch in den Bereich der Geschichte integrieren möchte, in dem die Erzählung vorwärts schreiten muss und Action zu einem dominanteren Bestandteil des Ganzen wird. Aber in Zeiten in denen Zeichentrick längst nicht mehr mit Kinderfilm verwechselt wird und Erwachsene sich offen dem Spaß am gezeichneten Kino widmen, da wird es auch höchste Zeit für mehr Intelligenz in Familienfilmen. Da möchte ich nicht erst zum komplett erwachsenen Anime greifen um ernst genommen zu werden und meinen Kopf benutzen zu dürfen. Ich möchte die Raffinesse, die sich meist in Einleitungen befindet, durchweg im Film genießen, ohne Abbruch, denn das Beenden geistreicher Hintergründe ist nicht der obligatorische Kompromiss zur Action-orientierten Popkornunterhaltung. Beides zugleich geht ebenso.

Ich weiß wie streng und einseitig sich das lesen mag, erst recht wenn man bedenkt wie gelungen „Die Unglaublichen" ist, weswegen ich an dieser Stelle noch einmal betonen möchte, dass der Streifen wahrlich über dem Durchschnitt steht und ein höchst unterhaltsames Produkt ist. Zumal meine Verbesserungsvorschläge dem vorliegenden Film nun nichts mehr bringen. Und dass dieses Superhelden-Werk trotz der von mir angekreideten Punkte so toll funktioniert, verdankt er meiner Meinung nach hauptsächlich den Charakteren, womit ich diesmal weniger die Charaktereigenschaften der Figuren meine, die aufgrund von Individualitätsmangel nur bei gewissen Figuren ihr wahres Potential ausschöpfen können, sondern die Zeichnungen an sich.

Ob es das Aussehen oder das Verhalten der Figuren ist, bis einschließlich zur kurz auftauchenden Oma ist jede Figur optisch gelungen und jeder, mit Ausnahme von Mutter und Tochter, mit einem eigenen Humorschwerpunkt versehen. Der Charakter des Schurken ist diesmal nicht ganz so typisch Disney-Bösewicht gelungen, ist aber noch immer ein wirksamer Gegenspieler, und der Roboter der ihm zur Seite steht ist allein schon optisch eine wahre Freude. Gerne würde ich mal einen Realfilm sehen, in welchem solche Roboter eingebaut werden.

"Die Unglaublichen" schafft das Kunststück als familientauglicher Zeichentrick auf 110 Minuten (!!!) zu unterhalten. Er bringt einen zum lachen und liefert flotte, augenzwinkernde Action. Da ich als Zuschauer aber nicht wie ein Kind behandelt werden möchte, muss ich engstirnig wie ich nun einmal bin wegen der oben erwähnten Kritikpunkte aber noch einmal betonen: wenn der Streifen Familienfilm und nicht rein Kinderfilm sein möchte, warum werde ich als Zuschauer dann nicht bis zum Schluss ernst genommen? Man könnte das Niveau der ersten Hälfte auch halten ohne Action und Kinder als Publikum dabei auszuschließen.

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