Sonntag, 10. August 2014

THE LORELEY'S GRASP - DIE BESTIE IM MÄDCHEN-PENSIONAT (Las Garras de Lorelei 1974 Amando de Ossorio)


Eine mordende Bestie geht um. In der Annahme es würde sich beim Täter um einen wilden Bär handeln engagiert man einen Jäger, der mit Hilfe eines Blinden und eines Professors auf das wahre Geheimnis der Morde stößt...


Von einem Jäger der nicht jagt...

„The Loreley‘s Grasp“ ist schon ein unglaublich charmanter Trash-Film, irgendwo pendelnd zwischen unfreiwilliger Komik durch Unvermögen und stimmiger Wirkung durch den richtigen Blick für Atmosphäre. Wer wäre für diesen Mix besser geeignet als der Regisseur der vier reitenden Leichen-Filme Amando de Ossorio, der schon in seinen berühmten Beiträgen um die Templer immer wieder bewies dass er nicht wirklich in der Lage war eine Story mit rotem Faden zu erzählen, der die Logik seiner Filme mit Füßen trat (weil er die Lücken selbst nicht bemerkte?), der aber gleichzeitig ein Gefühl für stimmungsvolle Bilder, die richtige Musikuntermalung und den richtigen Gruselfilm-Gymmicks am Rande hatte.

Wer sich für Gummikostüm-Monster die Mädels auflauern begeistern kann, kommt an „The Loreley‘s Grasp“ nicht umhin, der bereits mit seinem Beititel „Die Bestie im Mädchen-Pensionat“ für Vorfreude sorgt. Schön dass de Ossorio die Erwartungen die dieser sympathisch schundige Beititel zu schüren weiß in gleicher Weise mit seinem Film zu erfüllen weiß. Neblige Nächte, ein Ungeheuer hinter (viel zu stark durchgeschüttelten) Büschen, für Stimmung ist gesorgt. Selbst das Mädchenpensionat wird in der Nacht stimmig fotografisch eingefangen. Wenn Frauen meist aus unsinnigen Gründen das Draußen der Nacht erforschen, ist „The Loreley‘s Grasp“ auf dem Stimmungshoch seiner durch Talent geernteten Pluspunkte.

Dem gegenüber stehen manch schludrig eingefangene Bilder (die allererste Aufnahme des Films, in welcher man einen Blick auf eine Burg erhaschen darf, ist auch gleich Pate für diesen Vorwurf), billiges Schauspiel, bei dem allen voran Tony Kendall, mit dem de Ossorio bereits ein Jahr zuvor „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ gedreht hat, mit reißerischem Überagieren für die meiste unfreiwillige Komik sorgt, sowie ein löchriges Drehbuch einer völlig unsinnigen, an den Haaren herbeigezogenen Geschichte, die es nicht einmal schafft für Fakten wichtige Nebenfiguren sinnvoll in die Geschichte zu integrieren (Drehbuch: de Ossorio).

Anders darf es aber auch gar nicht sein, denn was bei diesem Cocktail aus Talent und Unvermögen herauskommt ist derart unterhaltsam und charmant, dass man dem Film seine Fehler gar nicht zum Vorwurf machen möchte, lebt er doch u.a. von seiner Naivität und seiner Mentalität nicht alles perfektionieren zu müssen. Diese Leichtigkeit mit der Filme dieser Art einst umgesetzt wurden, sollten längst wieder Vorbild für heutige Filmschaffende werden und somit mehr sein als die Nische mit der Künstler wie Helge Schneider arbeiten. Filme von heute nehmen sich gerne viel zu ernst, selbst wenn sie ironisch erzählt sind oft noch zumindest in technischer Hinsicht. „The Loreley‘s Grasp“ ist handgemachte Arbeit von Laien mit dem Gespür und dem Ansporn für eine tolle Sache und ohne dabei in den Bereich des Amateurfilms zu rutschen.

„Las garras de Lorelei“ (Originaltitel), in welchem anbei bemerkt die Legende der Lorelei nur in winzigen Elementen aufgegriffen wird, auch wenn ständig auf sie verwiesen wird, ist ein Liebhaberstück und in meinen Augen genau das was guten Trash ausmacht, ohne den Begriff all zu spöttisch zu verstehen. Bei dieser charmanten Umsetzung stört es nicht einmal, dass der Streifen zum Finale hin immer mehr die Pfade des Horrorbereichs verlässt um den Fantasybereich zu stärken. Aber wer würde darüber schon maulen, wenn man Szenen sichten darf wie jene, in welcher in einer schönen Burgkulisse leicht bekleidete junge Mädels von den Trümmern der Ruinen erschlagen werden, weil Superheld Kendall eine Bombe durch einen Wurf ins Wasser derart perfekt positioniert hat, dass die Wirkung in der Welt der Loreley so fatale Auswirkungen hat wie vom Jäger erhofft.

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