Mittwoch, 12. November 2014

GHOSTQUAKE - DAS GRAUEN AUS DER TIEFE (Haunted High School 2012 Jeffrey Scott Lando)


Einst wurde die Schule von einem Kinder-mordenden Okkulten gegründet, nun ist er Jahre nach seinem Tod zurück in die Welt gekommen um Leid zu verbreiten. Schüler und Lehrer, die sich ausnahmsweise noch am späten Abend in der Highschool aufhalten, müssen sich den dämonischen Geistern stellen...


Hurra, die Schule bebt...

Schade, der deutsche Titel „Ghostquake“, der durchaus für eine innovative Trash-Idee brauchbar gewesen wäre, ist nur ein halbgarer Aufhänger, wahrscheinlich weil „Arachnoquake“ im selben Jahr erschienen ist und sicher auch weil Naturkatastrophen schon immer Aufhänger häufig konsumierter, reißerischer Billigproduktionen waren und Sy-Fy-Pictures mit dem Mix aus Katastrophen-Film und Horror nicht zum ersten Mal beide Genres mixt. Auf jeden Fall bebt die Erde im hier besprochenen Streifen kurz, aufgrund einer Erweckung, aber irgendwie muss das Hinübertreten in eine andere Welt ja umgesetzt werden, und da ist ein ruckelndes Haus, und mehr als die Schule bebt hier wirklich nicht, nicht gerade die neueste Idee. Es wäre vor „Ghostquake“ nur nie jemand auf die Idee gekommen, diese Nebensächlichkeit in den Titel wandern zu lassen.

Scheiß auf den „deutschen“ Titel, der originale „Haunted High School“ kommt der Sache schon wesentlich näher und das nicht nur inhaltlich. Allein der Stil dieses Titels erinnert an Videoproduktionen der 90er Jahre, und verdammt: genau wie eine solche schaut sich der Streifen auch. Das erklärt die geringe Punktevergabe auf den meisten Filmseiten, denn mit dem Retro-Getue entspannterer B-Movie-Zeiten können nur die wenigstens Filmfreunde von heute etwas anfangen - leider. Es gibt kaum Computereffekte. Der Härtegrad ist absichtlich reduziert. Der Horror naivst auf jugendlichem Niveau gehalten, nie dafür gedacht zu schocken und zu gruseln, sondern augenzwinkernd Spaß verbreiten wollend.

Filme wie „Night Of The Demons 2“, jegliche Werke Charles Bands, aber ganz besonders sein „Ghoulies 2“, sind passende Vergleiche. Sie alle versuchten gar nicht so etwas wie eine Logik aufrecht zu erhalten. Der Horror-Fan sollte unterhalten werden, eine Art Popkorn-Spaß auf Geisterbahn-Niveau mit den laufenden Bildern beschert bekommen, und dieses Niveau eines „Das Gehirn“, „Witchouse“ und „Shopping“, alles Werke die kurz vor, nach oder während der 90er Jahre entstanden sind, erreicht „Haunting High School“ erstaunlich gut. Freunden dieser alten Gattung Naivst-Unterhaltung wird etwas geboten, das man heutzutage kaum noch vorgesetzt bekommt, lediglich „Cabin Fever 2“ ging erst kürzlich wieder in diese Richtung. Allerdings ist „Haunted High“ (Alternativtitel) in seiner Produktion, passend zu den Vorbildern, kostengünstiger ausgefallen als dieser, weswegen man auch in der Deutschvertonung mit einer eher schlechten als rechten Synchro leben muss.

Den Spaß hält das nicht auf. Da reicht es wenn eine übertriebenst auf Dämon geschminkte Frau scharfe Beißerchen besitzt, die sie immer wieder zeigen darf. Der Anführer der Geister darf ein alter Sprüche klopfender Mann sein, bei dem man gar nicht erst versucht hat eine Geisterwirkung zu entfachen. Und die Personen sind aus den unterschiedlichsten Gründen im Gebäude, tragen alle ihre eigene kleine, meist sinnlose Geschichte mit sich herum. Und damit werden sie nicht erst in ihren Sterbeszenen sympathisch, selbst die Unsympathischen. Und wenn dann mal gestorben wird, dann gerne im Off. So wird ein explodierender Schädel beispielsweise als Schattenspiel gezeigt, anstatt, wie es heutzutage geradezu üblich wäre, in der Totale.

Was sollen auch harte Effekte in einem augenzwinkernden, für das Jugendpublikum gedachten Horrorfilm zu suchen haben, in dem ansonsten wie folgt gestorben wird: man wird ins Klo gezogen, als Spiegelbild ausgetauscht und damit im Trophäenschrank eingesperrt, gnadenlos verbrutzelt und vieles mehr. Gern darf auch mal wer Ermordetes wieder auferstehen, um den noch Lebenden einen Streich zu spielen. Und im Finale darf ein Geist gegen einen Geist kämpfen. Das hat auch etwas.

Lediglich keine Logik, weder eine allgemeine noch eine innereigene. Nicht einmal innerhalb der Horrorfilmwelt macht hier irgendetwas Sinn. Aber darum geht es nie und ging es bei Werken dieser Art nie. Und das werden nur die begreifen, die mit dieser absichtlichen Art Trash etwas angfangen können, jene Art Trash, die sich noch echt anfühlt, bevor Trash zur Moderichtung wurde und irgendwelche formelhaften Erwartungen eines Ideen-gelähmten Publikums einhalten musste.

Man kann nur durch Reinsehen erkennen ob man zu dem kleinen Zielpublikum des Streifens gehört oder nicht. Verstehen wird ein Außenseiter nie was man an Werken wie „Ghostquake“ findet. Erklären kann man es auch nicht. Es hat mit einer grundlegenden Lebenseinstellung zu tun, einem verspielten Blick auf die Dinge, einer Leichtigkeit in Stoffen, die einen Trivialkost vorsetzten kurz vor der Unterforderung, aber doch noch ein gewissen Restniveau behaltend. Wie gesagt: ich bin nicht in der Lage es zu erklären.

Ich habe Filme dieser Art schon immer gemocht, und ich hätte nie damit gerechnet ausgerechnet in einer Sy-Fy-Produktion auf ein solches Produkt zu stoßen. Das war wahrlich mal eine positive Überraschung. Bedenkt man dass Regisseur Jeffery Scott Lando ansonsten für solchen Müll wie „Acarophobia“ und „Horror Aliens“ verantwortlich war, und auch mit dem besseren „Todes-Date 2“ nicht gerade etwas Tolles abgeliefert hat, darf man noch überraschter sein als ohnehin schon.


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