Samstag, 29. November 2014

HELLFJORD (2012 Roar Uthaug u.a.)


Der unterdurchschnittliche Polizist Salmander wird in das weit abgelegene, popelige  Küstendorf Hellfjord zwangsversetzt, wo er die letzten drei Monate vor der Gültigkeit seiner Kündigung verbringen soll. Als im Dorf ein Isländer auf rätselhafte Art ums Leben kommt, führen alle Spuren in die Fischfabrik des zwielichtigen Bosse Nova...


Raucher, Monster, tote Menschen...

„Hellfjord“ gewinnt von Anfang an Sympathie durch seine grotesken Figuren, die in skurrilen Situationen Schwarzhumoriges hervorbringen, während das ganze in einem ganz nüchternen und trockenem Stil erzählt ist, vielleicht ein wenig mit dem Kult-Film „Fargo“ vergleichbar. Inhaltlich erinnert das ganze ein wenig an „Hot Fuzz“, ein Film mit dem man sich aufgrund dessen Bekanntheitsgrades auch auf der deutschen DVD-Veröffentlichung identifiziert. Eine Zeit lang scheint dieser Vergleich nicht zu hoch gegriffen zu sein, ist das Feingefühl für treffsichere Pointen in einer belustigenden Grundatmosphäre doch wirklich nicht von schlechten Eltern, wenn den Humorschwerpunkt auch ganz anders setzend als der Vergleichsfilm, eben weil alles sehr viel trocker, grotesker und ruhiger präsentiert wird.

Ein wenig verärgert das inflationäre Einbringen von Kotz- und anderweitiger Würgkomik, allerdings wird sie meist belustigend und psychologisch sinnvoll eingebracht, z.B. zur Verstärkung wichtiger Charaktereigenschaften. Ein Pluspunkt ist die Deutschvertonung, welche den grotesken Gestalten glaubwürdige Stimmen beschert, und welche es schafft die Kultfigur des Kobba um einige Lacher zu bereichern, eben weil dessen Synchronstimme so großartig zu seiner rätselhaften Natur passt.

Drei Folgen von gerade einmal sieben geht dies in der Mini-Serie „Hellfjord“ gut, doch schon in der vierten bröckelt langsam die Treffsicherheit der Komik, wenn die senile Gastgeberin Salmanders zu viele Auftritte beschert bekommt. Kommende Folgen weisen andere Mängel auf, z.B. das Zurückschrauben der Humorquote zur Aufstockung des Erzählpotentials. Aber auch dies wäre aufgrund funktionierender Komik in angenehm trockener Umsetzung kein Problem gewesen, zumal die Groteske der Figuren weiterhin, trotz einer gewissen Gewöhnung, zu funktionieren weiß. Viel mehr ist es die Überraschungsarmut Richtung Finale, die viel am Potential von „Hellfjord“ kaputt macht.

Dass die Serie nicht 1-A funktioniert braucht bei genauem Hinsehen der Hintergrundverantwortlichen auch gar nicht wundern, ist Hauptautor der Chose doch Regisseur Tommy Wirkola, der in seinem Erfolg „Dead Snow“ auf massentaugliche Komik unter Niveau setzte und mit seinem „Hänsel und Gretel - Hexenjäger“ auch alles andere als eine einfallsreiche Geschichte ablieferte. Gemessen an diesen Ergebnissen liegt die Qualität von „Hellfjord“ weit vorne, und man darf sich gar wundern, dass der Humor derart geglückt ist. Wahrscheinlich war es einfach eine weise Entscheidung, dass Wirkola die Regie anderen überließ, z.B. Roar Uthaug, der den ersten, so großartig ausgefallenen, „Cold Prey“ inszenierte.

Es ist schade mit anzusehen, dass die rätselhafte und groteske Geschichte zum Ende hin nicht eine ebenso rätselhafte und groteske Auflösung erhält. Je mehr man sich der Ziellinie nähert, um so gewöhnlicher werden die Umstände in und um die Fischfabrik herum. Und viel zu schnell will man die zunächst ominösen Ereignisse  zu einem Abschluss führen. Das sorgt dafür, dass neue Einfälle, die überraschend und skurril wirken sollen, nicht mehr die Qualität derer zu Beginn der Serie besitzen. Da schmunzelt man mal kurz über eine Parodie auf das urplötzlich auftauchende Frauenbild von Action-Comic-Nerds, das war es dann aber auch schon.

Freilich weiß die Serie auch in ihrer zweiten Hälfte noch zu amüsieren, und man bleibt auch mit Interesse dran. Es ist nicht so, als ob das „Hellfjord“-Konzept nicht auch auf simplerem Niveau zu unterhalten wüsste. Aber man ist als Zuschauer freilich enttäuscht, dass das vorhandene Potential nicht bei gleichbleibendem Niveau ausgeschöpft wurde, immerhin reden wir hier nicht von sieben Staffeln, wo ein Qualitätsverlust unausweichlich ist, sondern von gerade einmal sieben Folgen.

„Hellfjord“ guckt sich so angenehm anders, weit entfernt vom Massengeschmack, und die Sinne von Freunden grotesker Unterhaltung derart stimulierend, dass eine gewisse Enttäuschung beim Qualitätsverlust der zweiten Hälfte unausweichlich ist. Aus einem absoluten Geheim-Tipp wird ein Werk welches sich Freunde des anderen Geschmacks ruhig einmal geben können, aber aufgrund der schwächeren zweiten Hälfte ohne dabei all zu viel zu erwarten. Schade!


Nachtrag:
Nach zwei nochmaliger Sichtungen stört mich an der nach der ersten Sichtung als schwächer bezeichneten zweiten Hälfte eigentlich nur noch der etwas zu Action-lastige Schluss der letzten Folge, der glücklicher Weise aber auch für einige gelungene Gags gut ist. Was mir besonders gut gefallen hat und mir bei der ersten Sichtung merkwürdiger Weise gar nicht richtig auffiel, ist die Verlagerung der Groteske ab Folge 4 auf den dramatischen und den romantischen Aspekt, eine wirklich gelungene Idee, welche "Hellfjord" davor bewahrt sich zu schnell auf Bewährtes einzupendeln. Warum mich dies beim ersten Gucken nicht angesprochen hat ist mir ein Rätsel, sorgt es doch dafür dass die Serie so gelungen und einzigartig bleibt wie in ihrer ersten Hälfte. Mittlerweile ist dieser 7-Teiler ein wahrer Geheim-Tipp für mich, den ich nicht mehr missen möchte und auf dessen nächste Sichtung ich mich jetzt schon wieder freue, obwohl ich ihn innerhalb so kurzer Zeit nun schon drei Mal hintereinander gesehen habe. Zugegeben: zu wissen dass die Auflösung der Geheimnisse um Hellfish und dem Ort Hellfjord eher banaler Natur sind, machen es einfacher die positiven Aspekte der späten Phase zu entdecken. Ich bleibe dabei, dass des Rätsels Auflösung ruhig skurriler hätte ausfallen können. Aber gestört hat das dank der vielen Pluspunkte bei meinen Folgesichtungen überhaupt nicht mehr.


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