Montag, 24. November 2014

THE ABANDONED - DIE VERLASSENEN (The Abandoned 2006 Nacho Cerdà)


Eine als Kind adoptierte Frau sucht das ihr vererbte Haus der ihr unbekannten Eltern auf, um mehr über ihre Herkunft zu erfahren. Doch vor Ort geht es nicht mit rechten Dingen zu...


Zukunfts-Ichs...

Äußerst ruhig inszeniert und ansehnlich fotografiert setzt der spanische Regisseur Nacho Cerdà in seinem Horrorfilm „The Abandoned" auf stimmungsvollen Grusel, der im Hauptstrang mit gerade einmal zwei Figuren auskommt und auf rätselhafte Ereignisse setzt, die es zu lüften gilt. Einzig das Erscheinen womöglicher Zukunfts-Doppelgänger lassen etwas erahnen, Zombie-Ichs der beiden wichtigsten Charaktere, angesiedelt zwischen Vision und Geistererscheinung. Cerdà setzt auf Spannungsmomente und Charaktervertiefung, sehr lobenswert, aber beides ist ihm meiner Meinung nach leider nicht geglückt.

Die Hauptfigur ist einem völlig egal, da man ihre Beweggründe vor Ort nicht nachvollziehen kann, und aufgrund der schlecht inszenierten Zusammenführung mit ihrem angeblichen Bruder und dem Zweifel der zwischen beiden liegt, ergeht es einem mit der kleiner angelegten, zweitwichtigsten Rolle nicht viel anders. Es ist weder ein Gefühl der Tragik spürbar, noch ein Gefühl tatsächlicher Verwirrung. Der unangefochtene Ehrgeiz über jegliche Situation triumphieren zu wollen, lässt auch Angstgefühle vermissen, die sich dementsprechend nicht auf den Zuschauer übertragen lassen.

Anstatt aus der Ruhe die Spannung zu ziehen, beginnt „The Abandoned“ zu langweilen anstatt zu interessieren, zieht sich in seinem ewigen Stillstand wie Kaugummi, da zwischendurch gemachte Entdeckungen die Geschichte nie wirklich vorwärts bringen. Kommt es tatsächlich mal zu wichtigen Erkenntnissen, werden diese den Protagonisten per Visionen offenbart, anstatt durch Spuk, entdeckte Dokumente oder was sonst noch möglich gewesen wäre. Warum sie diese Visionen erfahren, ist nicht bekannt, könnte sich aufgrund der kommenden Ereignisse jedoch vermuten lassen. Aber letztendlich ist einem der Film zu egal um nach seinem Sichten darüber zu grübeln in wie weit man vor Ort überhaupt noch lebendig war, oder ob man dort bereits in einem Zustand zwischen Leben und Tod stand, so fiktiv sich der immer wiederholende Ort gibt, an dem sie ansässig sind, und der es nicht zulässt, dass man von ihm fliehen kann.

Damit ist „The Abandoned“ eines jener Werke, das nur in seiner Theorie nach einem guten Horrorfilm klingt. Aber ohne interessante Charaktere und einer dichten Atmosphäre die dazu einlädt in ihr aufzugehen kann ein ewiges „was ist hier nur los?“-Getue gewaltig auf den Wecker gehen und ermüden. Es ist der gelungenen Optik und den gut agierenden Schauspielern zu verdanken, dass sich der Streifen noch halbwegs angenehm guckt. Ein enttäuschendes Ende lässt einen jedoch daran zweifeln, ob man wirklich jede rätselhafte Geschichte, egal wie uninteressant sie auch inszeniert ist, zu Ende gucken muss, nur um zu den aufgeklärten Personen zu gehören. Nein, was wäre der Schluss gerne unglaublich pfiffig und raffiniert, dabei erzählt selbst der nichts, was es nicht schon x Male in diesem Genre gegeben hätte.

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