Sonntag, 25. März 2018

FARGO (1996 Joel Coen u.a.)


Ein Autoverkäufer engagiert zwei Kriminelle seine Ehefrau zu entführen, um an einen Teil des Vermögens ihres Vaters heranzukommen. Doch so sehr der Amateur auch glaubt alles perfekt durchgeplant zu haben, schnell kommt es zu ersten Toten und manch anderen ungeahnten Verwicklungen...


Jesses...

"Fargo" war das Werk mit welchem die Coen-Brüder berühmt werden sollten, und kaum ein Film könnte diesem Status gerechter werden als dieser liebevoll erzählte Kriminalfilm, der die Perspektive zwischen Täter und Opfer ständig wechselt, um den Rahmen grotesker Geschehnisse, ihrer Zusammenhänge und ihrer Vielfalt einen größeren Rahmen zu bescheren. Verlierertypen und Alltagsmenschen geben sich hier die Hand, bilden alle zusammen ein Sammelsurium griffiger Charaktere, egal wie klein die jeweilige Rolle auch ausgefallen sein mag, so dass jeder mit seinen Schrullen glänzt. Da kommt es mal zu hoch geschaukelten Situationen subtil in bitterbösem schwarzen Humor gekleidet und manchmal zu Banalitäten am Rande, die sich als geheimer Höhepunkt einer Szene herausstellen.

An "Fargo" stimmt einfach alles: das gemütliche Tempo trotz ereignisreicher Geschehnisse spiegelt das Alltagstreiben der wortkargen Durchschnittsbürger wieder. Die Schneelandschaft dominiert in wunderschönem Weiß, so dass die Kamera manch künstlerisch wertvolles Bild einer erbarmungslosen Region einzufangen weiß, welche in seiner Schönheit viel harmloser wirkt, als die bissige Kälte einen spüren lässt. Durch diese stampfen großartige Mimen, die wortkarge, treffsichere Dialoge aufsagen dürfen, für welche man die Regisseure und Autoren Coen umarmen möchte. Selten stand in einem Film um Blut und Verrat die Menschlichkeit derart im Raum. Hier mag man jeden, Schurken ebenso wie alltäglich gehaltene Helden, ohne dass sich dadurch das Gut/Böse-Bild verschieben würde.

"Fargo" ist ein schrulliges Werk, durch seinen dauerhaft durchgezogenen subtilen Humor weit mehr Komödie als Kriminalfilm oder Thriller, weitaus lustiger als dramatisch ausgefallen, und doch nie die Ursachen, Taten und Folgen verharmlosend, die angeblich auf wahren Begebenheiten beruhen sollen. "Fargo" guckt sich grotesk und authentisch zugleich, liefert überspitzte Situationen ebenso ab wie bodenständige Alltäglichkeiten, die irgendwo zwischen Langeweile und Glückseligkeit pendeln. Und das ist alles derart angenehm unterhaltsam eingefangen, dass mir die Geschichte fast schon egal war, so toll wie sich die Figurenzeichnung und ihr Interagieren untereinander schaut, so gern wie ich ihren kümmerlichen Dialogen beiwohne, die sicherlich auch einem Loriot Spaß gemacht hätten.

Dass das Ganze in dieser Andersartigkeit trotzdem zudem eine gute Geschichte mit interessanten Wendungen beschert bekommen hat, macht das Ergebnis um so reizvoller, so dass man "Fargo" wahrlich als Pflichtfilm für Cineasten bezeichnen muss, ein Geheim-Tipp ist er ja nun schon seit seiner Entstehungszeit nicht, so berühmt wie er zurecht beide Autoren machte. Nicht immer konnten die Coens an diesen Erfolg anschließen, maue wie sehenswerte Werke gaben sich immer wieder die Hand. An "Fargo" reicht meiner Meinung nach bislang kein weiterer Film der beiden heran, zu bemüht guckt sich mancher Nachfolger in seiner Andersartigkeit, zu sehr war man auf den grotesken Touch des Erfolges des hier besprochenen Werkes aus, zu sehr vernachlässigte man die Natürlichkeit des hier Gezeigten, ein gleichrangiger Aspekt, welcher dem grotesken Anteil überhaupt erst die nötige Grundlage bescherte. So bleibt "Fargo" auch inmitten der Vielzahl an Coen-Filmen eine einzigartige Besonderheit, die es in dieser Art so nicht noch einmal gab.


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