Mittwoch, 14. Januar 2015

DAS GRÜNE BLUT DER DÄMONEN (Quatermass and the Pit 1967 Roy Ward Baker)


Eine bei U-Bahn-Grabungen entdeckte Bombe entpuppt sich als Raumschiff einer sehr alten marsianischen Rasse...


Die Teufel aus dem All...

Als das Interesse an ihren Filmen aufgrund der moderneren Konkurrenz etwas zurückging suchte man in den Hammer-Studios nach neuen Aufhängern, um sich von den all zu klassischen Stoffen zu lösen. Uninspirierte Werke wie „Hände voller Blut“ waren das Ergebnis, Verzweiflungstaten die sicher früher zur Schließung der Studios führten, als wenn man auf alten Kurs vertraut hätte. Okay, das ist reine Spekulation, aber wieviel entspannter man nach neuen Wegen suchen kann zeigt das hier besprochene Hammer-Experiment vor der Krise, welches unabhängig der beiden Vorgänger „Schock“ und „Feinde aus dem Nichts“ aus den 50er Jahren zehn Jahre nach seinem letzten Film in anderer Besetzung auf die Figur des Wissenschaftlers Quatermass zurückgreift, und dem Publikum einen wilden Mix aus Horror und Science Fiction serviert.

Gruselszenen, wie man sie aus einem klassischen Hammer-Film kennt kann man hier vergeblich suchen gehen. Zwar wird immer wieder über Spukerscheinungen geredet, sie bleiben jedoch gesprochene Theorie und werden nicht zur Spannungserzeugung in Szene gesetzt. Ohnehin ist „Das grüne Blut der Dämonen“ zunächst ein sehr theoretischer Film. Die Forschung steht im Mittelpunkt, der Zuschauer wird immer wieder Zeuge neuer Entdeckungen, welche der Story immer neue Facetten und Möglichkeiten bieten. Damit wird die zunächst als vorhersehbar geglaubte Ausgangssituation zu einem höchst überraschenden Trip mit immer neuen Wendungen.

Nicht weniger überrascht darf man sein, dass dieser anfangs durchaus absichtlich naiv erzählte Film, ähnlich wie „Colossus“, mit der Zeit immer mehr vom Zuschauer fordert, da er immer härter wird und am Ende in einem wilden, Action-reichen Finale mündet, dem hochinteressante Denkansätze zum Thema Außerirdische, Evolution und den Beginn unserer Kultur vorausgegangen sind. „Quatermass and the Pit“ (Originaltitel) ist alles andere als simple Durchschnitts-Kost, auch wenn es einige Zeit dauert bis dies dem Zuschauer bewusst wird. Lediglich seine Außerirdischen stehen ihm für diese Wirkung im Weg. Die sehen schon sehr niedlich aus und sind es erst recht, sobald wir vergangene Bilder vom Mars sichten dürfen, auf welchen die Heuschrecken-artigen, gar nicht bösartig aussehenden Wesen springlebendig ihrem Armageddon entfliehen wollen.

Aber das kann der großzügige Filmfreund und Stammzuschauer klassischer Stoffe unter Nostalgie abhaken, würde es dem Streifen doch keineswegs gerecht werden, ihn an diesem Schwachpunkt zu messen. Außerdem ist es ein höchst sympathischer Schwachpunkt, so putzig wie die Viecher aussehen. Zudem kann man über die weiteren Spezialeffekte wahrlich nicht meckern. Gerade wenn gegen Ende die Post abgeht wird alles gegeben was inmitten von Studioaufnahmen möglich war. Wie für die Hammer-Studios typisch weiß auch die Kulisse wieder zu überzeugen. Aufgrund der modernen Thematik ist sie freilich völlig anderer Art als in Erfolgsfilmen wie „Dracula“ und Co.

Dass dieses Unterhaltungsfilmchen nicht nur durch seinen selbst gesetzten inhaltlichen Anspruch und den Spezialeffekten zu gefallen weiß, zeigt ein Blick auf die Figurenzeichnung. Die Interaktion zwischen den einzelnen Charakteren funktioniert wunderbar, und gerade die Besetzung von Quatermass weiß zu gefallen, wobei ich seinen militärischen Gegenspieler auch sehr überzeugend fand, wenn auch so klassisch gecastet, dass selbst das Oberhaupt der Militär-Truppe aus „28 Days Later“ Jahrzehnte später optisch noch dem selben Figuren-Typ entsprach.

„Das grüne Blut der Dämonen“ ist ein Geheim-Tipp seiner Zeit, intelligenter und einfallsreicher erzählt als es zunächst erscheinen mag, und wenn auch nicht auf Gruselszenen setztend und damit nicht unheimlich ausgefallen, so ist er meist doch spannungsgeladen erzählt, selbst dann wenn nur über Entdeckungen geredet wird oder gegen Ende die Action das Ruder übernimmt. Regisseur Roy Ward Baker, der auch für „Embryo des Bösen“, „Die sieben goldenen Vampire“ und „Dracula - Nächte des Entsetzens“ verantwortlich war, hält die Zügel gekonnt in der Hand und schuf mithilfe eines interessanten Drehbuchs einen Genre-Mix der zu überraschen und zu überzeugen weiß. Experiment geglückt!


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Kommentare:

  1. Im Grunde ja auch ein Vorgänger von Exorzist II. Beide etwas exotisch und befremdlich und beide auch irgendwie gut. :)

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    1. Oh, da kann ich ja gar nichts zu sagen. Ich habe Exorzist 2, aus einer Zeit wo ich um meinen damaligen Geschmack heute nichts mehr gebe, als ziemlich miese Fortsetzung eines mittelmäßigen Klassikers in Erinnerung. Habe Teil 1 - 3 zu Hause um irgendwann mal eine Neusichtung zu wagen.

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