Mittwoch, 21. Januar 2015

EVIL (To Kako 2005 Yorgos Noussias)


Als in Athen eine Zombie-Epidemie los geht, findet sich eine Gruppe Überlebender zusammen, die versucht in der verseuchten Zombiewelt zurecht zu kommen...


Die Höhle der lebenden Toten...

Inmitten einer Zombiefilm-Welle, bei der man es beim besten Willen nicht schafft jeden Beitrag zu gucken, tut es zur Abwechslung innerhalb des immergleichen Bereiches auch mal gut einen Streifen aus einem Land zu sichten, von dem nichts oder so gut wie nichts zu diesem Thema umgesetzt wird. Aus Griechenland lächelte mich eine Horror-Komödie namens „Evil“ an, die sogar bereits eine Fortsetzung beschert bekommen hat, und ich habe mich ihr ganz offen und unvoreingenommen einmal genähert, insgeheim in der Hoffnung, dass die Griechen der Thematik vielleicht ein paar andere Ideen abgewinnen können.

Nun, mit Blick auf „Evil“ können sie das scheinbar nicht. Der erzählt nicht was es nicht schon tausend Mal gegeben hätte und tut sich schwer dabei den Zuschauer an die Hand zu nehmen, wenn es um den Überblick der Gesamtsituation geht. Was in der Höhle, mit der alles los geht, los war erfahren wir nie. Gerade eben ist man in seinem Versteck nach der Flucht vor den ersten Zombies erwacht, urplötzlich ist die Menschheit bereits fast ausgestorben. Nach der ersten Notwehr kommt keiner auf die Idee die Polizei zu rufen, denn so ziemlich jeder akzeptiert ganz schnell, dass das was man sonst nur aus dem Kino kennt Realität geworden ist - das tun sogar jene, die noch keinen Zombiekontakt hatten. Auch wie die anfangs noch gesplittete Menschengruppe plötzlich zusammen kommt, ist so ruckartig erzählt, dass ich am grübeln war ob ich geistig kurz abgedriftet bin oder nicht.

Den Überblick über die große Sache zu halten gelingt Regisseur Noussias also schon mal nicht, obwohl x Konkurrenzprodukte es schon besser vorgemacht haben. Aber ich glaube mit diesem Makel hat der gute Mann kein Problem, denn ein Blick auf sein Zelebrieren der Bluttaten zeigt um was es ihm viel eher geht. Sein Independentfilm präsentiert uns immer wieder schlecht umgesetzte Gore-Effekte, tatsächlich auf Amateurfilm-Niveau, dafür aber auch manch abartige Idee, die sich sehen lassen kann. Dass die Tricks durchschaubar sind, störte mich persönlich keineswegs, im Gegenteil, es unterstützt das spezielle Flair von „Evil“, dem man ansieht dass er gar kein professioneller Film sein will.

„Evil“ guckt sich nicht glattpoliert und gewinnt über seine abgefuckte Art seine Sympathie, die zwar nicht zum Anarcho-Fest eines „Return of the Living Dead“ oder „Das ist das Ende“ (um auch mal einen Nicht-Zombiefilm zu nennen) wird, aber es damit schafft auf schlichter Ebene den Zuschauer der zugänglich für diese Art Film ist halbwegs zufrieden zu stellen. Immer wieder ruckelt es im Ablauf. Immer wieder fragt man sich ob man das jetzt mag was man sieht oder nicht. Am Ende hatte ich jedoch das Gefühl: doch, ich mag es.

Das liegt sicherlich am wundervollen Schluss-Gag und dem Bild welches „Evil“ dazu abliefert, es liegt aber auch an der Figurenzeichnung, die für einen Film der hauptsächlich auf Brachialhumor setzt nicht nur Platz für Personen wie den Sprüche klopfenden, notgeilen Taxifahrer ist, sondern auch auf Charaktere gesetzt wird, die für stillere, sensible Momente gut sind. Allein das Gespräch zwischen einem ehemaligen Familienvater und einer 14jährigen inmitten der Trostlosigkeit weiß „Evil“ plötzlich eine gewisse Tiefe zu bescheren, die man ihm nicht zugetraut hat. Diese Tiefe hält nur für den Moment und ist im nächsten Chaos wieder vergessen, aber sie ist vorhanden, und das ist für ein Werk wie dieses schon sehr ungewöhnlich zu nennen.

„Evil“ ist leider nicht der „Dogtooth“ unter den Zombiefilmen geworden, meinem persönlichen Lieblingsfilm aus Griechenland. Aber das sollte er auch nie werden. Dass er jedoch nur ein oller viel zu nah am Amateurfilm angelehnter Independent-Streifen ist, hatte ich so nicht erwartet. Und so hat es eine Zeit gebraucht bis ich seine positiven Seiten annehmen konnte. Im nachhinein bin ich froh nicht frühzeitig ausgeschaltet zu haben, die Verlockung war zunächst sehr groß, einfach weil ich an dem Tag eigentlich etwas Professionelleres sichten wollte. Ich hätte dann zwar keinen nennenswerten Beitrag zum Zombie-Thema verpasst, aber immerhin einen sympathischen Filmversuch mit Ecken, Kanten und somit mit Charakter.


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