Samstag, 21. Februar 2015

DAS GRAUEN KOMMT UM ZEHN (When a Stranger Calls 1979 Fred Walton)


Ein Detektiv jagt einen geistesgestörten Mörder, der aus der Nervenheilanstalt ausgebrochen ist und einst zwei Kinder tötete und eine Babysitterin mit Telefonanrufen verstörte...


Haben Sie nach den Kindern geschaut?

Man liest recht häufig von „Das Grauen kommt um 10“, gilt er doch allgemein als Klassiker des 70er Jahre-Kinos, aufgrund seiner Thematik theoretisch eine Verwandtschaft aufbauend mit „Halloween - Die Nacht des Grauens“ und „Jessy - Die Treppe in den Tod“. Aufgrund der stets lobenden Worte auf Filmseiten im Internet baut sich da freilich eine gewisse Erwartungshaltung auf. Ich wurde richtig neugierig auf den Film, wunderte mich dass ich ihn als treuen Horror-Fan noch immer nicht kannte und hatte das Bedürfnis diese Lücke möglichst schnell zu schließen - freilich an einem Abend, der wie geschaffen war für solch einen Klassiker. Fred Waltons Werk wollte ich keinesfalls nur mal halbherzig an einem Sonntag Nachmittag für zwischendurch angehen. Eine gewisse Grundstimmung musste herrschen. So dachte ich zumindest. Denn ein Filmmarathon am Wochenende hätte definitiv als Beachtung gereicht.

Atmosphärisch erzählt ist „Das Grauen kommt um Zehn“, das muss ich zugeben, aber seine Geschichte ist doch eher im Bereich des Kriminalfilms angesiedelt, als im Bereich des Horrorfilms, allein schon weil der Killer keine unheimliche Mystik ausstrahlt und weil der Film selbst zwar kurze Spannungsmomente enthält, insgesamt aber doch recht nüchtern ausgefallen ist. Sicherlich ist es gerade die trockene Art des 70er Jahre-Kinos, die ihn vor der Belanglosigkeit und dem Desinteresse des Zuschauers bewahrt, ein großer Klassiker sieht jedoch anders aus, und auch wenn ich manchen Cineasten damit vor den Kopf stoße, aber Fred Waltons 80er Jahre-Werk „Die Horror-Party“ und das Remake des hier besprochenen Films, bei uns erschienen unter dem Titel „Unbekannter Anrufer“, gefielen mir deutlich besser als "Das Grauen kommt um 10", von dem man nicht einmal weiß warum er in Deutschland diesen nicht zum Inhalt passenden Titel bekam.

Versteht mich nicht falsch, es ist eine Freude den Schauspielern bei ihrer Arbeit zuzusehen und den trockenen Szenen zu folgen, die sich noch nicht den Regeln des modernen Kinos anbiedern mussten, sondern stattdessen eine Eigenständigkeit und damit eine Glaubwürdigkeit ausstrahlen, die ich mir oftmals heutzutage zurück wünsche. Aber am Ende von „When a Stranger Calls“ fühlte ich diese Leere. Ich fragte mich ob das nun alles war, so belanglos kam mir die Geschichte vor, mal ganz davon abgesehen wie lieblos ich es empfunden habe auf welche Art und Weise der Autor des Streifens mit seinen Figuren umgeht.

Da wird das was einst vor 7 Jahren geschah nach Ende der Sichtung zum Höhepunkt des Streifens, was die Sache um so ärgerlicher macht, dass man nach diesem Einstieg die Babysitterin links liegen lässt, um sich fortan mit dem Polizisten zu beschäftigen, der, mittlerweile privat als Detektiv arbeitend, nun den Killer jagt, den wir parallel zu den Ermittlungen  bei seiner Tour durch die Großstadt kennen lernen. Und erst am Ende denkt man sich, völlig unpassend zur Psyche und somit zur Glaubwürdigkeit im Verhalten des Gestörten, dass man die Babysitterin von einst ja doch noch mal einbauen könnte, beschert dem Streifen damit schon wieder einen Bruch im Erzählrythmus, und lässt das anvisierte Finale dann nicht einmal stimmig zelebriert stattfinden. Stattdessen wird das Kapitel recht lieblos und flott abgehakt, damit der Film endlich sein Ende findet.

Kurzum: ich empfand die Herangehensweise wie die Geschichte erzählt wird als recht lieblos, so als habe man sich erst während des Drehs entschieden den Film mehr im Horrorbereich als im Kriminalbereich ansiedeln zu wollen. Das zeigt sich auch im recht späten und sehr plötzlichen krampfhaften Einbringen eines kurzen Blicks in die Psyche des Killers, der nun mit einem Mal von sich glaubt nicht existent zu sein, so als müsse man ihm schnell noch einen Hintergrund, einen Sinn, eine Mystik und eine Bedrohlichkeit bescheren. Vielleicht ist das teilweise gar nicht mal verkehrt gedacht, so hilflos und sensibel er uns zuvor serviert wurde, ohne ihn dabei bedrohlich wirken zu lassen und ohne den Einblick in seine Persönlichkeit zu nutzen, um eine Empathie beim Zuschauer hervorzubringen. Ganz im Gegenteil, hier wird knallhart Gut und Böse getrennt, eben typisch für amerikanisches Denken, und so verpufft jeglicher Ansatz großartig inszenierter einzelner Szenen in der Belanglosigkeit der Geschichte gepaart mit der Lieblosigkeit mit der man die einzelnen Elemente zusammenpuzzelt.

Ich war enttäuscht von „Das Grauen kommt um Zehn“ und empfinde das Remake „Unbekannter Anrufer“ trotz seiner etwas zu verkrampften Versuche eine Gruselstimmung aufzubauen, nun nach Kenntniss des Originals als recht mutiges Werk, hat es sich doch zur Aufgabe gemacht die Anfangssequenz der Erstverfilmung zur Hauptgeschichte zu machen, was man nur als sehr lobenswerten und konsequenten Schritt bezeichnen kann. Zudem war es sicher eine Herausforderfung dieses Szenario auf Spielfilmlänge interessant und spannend zu gestalten. Von meiner Seite aus sei also die Neuverfilmung ausnahmsweise einmal eher ans Herz gelegt, als das austauschbare Original, das man Ende der 60er Jahre noch hätte ernst nehmen können. 1979 gedreht steht ihm der Kultstatus den er besitzt meiner Meinung nach jedoch nicht zu, auch wenn er definitiv auch seine positiven Seiten besitzt.


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