Donnerstag, 9. April 2015

SCREAM (1996 Wes Craven)


Ein Jahr nach dem Tod ihrer Mutter wird Teenagerin Sidney Prescott mehrfach Opfer von Attacken eines Unbekannten, der kürzlich bereits eine Mitschülerin auf bestialische Art ermordet hat...


Ich komme wieder...

Es war der Erfolg von „Scream“ der 1996 jene Horrorwelle los löste, die bis heute noch anhält. Zuvor war Horror für etwa ein Jahrzehnt im Kino für Tod erklärt worden, und ausgerechnet ein parodistisch angelegtes Stück augenzwinkernde Ironie brachte frischen Wind ins Genre. „Scream“ wurde ein eigener Klassiker, der unzählige Werke wie „Muttertag", „Blutgericht in Texas" und „Halloween - Die Nacht des Grauens" zitierte, umgesetzt von einem Regisseur, der mit „Nightmare - Mörderische Träume“, „The Last House on the Left“ und manch anderem Genre-Beitrag bereits selbst einige Klassiker abgeliefert hatte.

„Scream“ ist so sehr kopiert, rezensiert und parodiert worden, dass er sich nie mehr so flüssig guckt wie damals. Ein Großteil ist selbst zum Zitat geworden. Die hier gekonnte Art Ironie mit echtem funktionierendem Horror zu vereinen hat viele Nachahmer inspiriert, die es für irre intelektuell hielten stets die Ironiefahne weit hoch zu halten, sodass mancher Kino-Hit es gar nicht mehr wagte mutig auf puren Horror zu setzen. Diesbezüglich war „Scream“ lange Zeit Fluch und Segen zugleich für den Horrorbereich, der es irgendwann aber dann doch schaffte ein breit gefächertes Sortiment dessen was alles unter Horror fällt abzudecken.

Wie gesagt funktioniert der augenzwinkernde Umgang in „Scream“ bestens. Schwächen des Genres werden aufgedeckt, ihre Wichtigkeiten für diese Art von Geschichten gleichzeitig aber auch demonstriert. Dabei geht man meist recht subtil vor. Ohnehin verkommt Wes Cravens Überraschungs-Hit nie zur reinen Horror-Komödie. Wahre Witzchen, wie eine offensichtliche Anspielung an den Killer Freddy Krueger, sind die Ausnahmen in einer Geschichte, die es sogar schafft glaubwürdig die Tragik der Rolle der Sidney auszuarbeiten, die von Newcomerin Neve Campbell gekonnt verkörpert wird.

Kennt man „Scream“ erst einmal als vierteilige Reihe, fällt einem kaum noch auf, dass beim ersten Sichten eigentlich so ziemlich jede Figur als Mörder in Frage kommt. Sprich das Mörderraten macht in Cravens Teil 1 unglaublich viel Spaß, spielt aber auch falsch wie die Auflösung zeigt, die irgendwo zwischen Traditionen brechend und Traditionen befolgend schwankt, der man aber so oder so nie bös wäre bei solch einem vielschichtigen Finale, welches auf endlose Erklärungen verzichtet und auch gerne Mal den Spieß dessen was man erwartet umdreht.

Meiner Meinung nach ist „Scream“ zu Recht ein Klassiker geworden. Er ist unglaublich spannend in Szene gesetzt, präsentiert eine Vielzahl an interessanten Figuren und weiß ehrlich zu zitieren, anstatt lediglich anbiedernd zu zeigen wie toll man sich im Genre auskennt. Freilich geht es im Tunnelblick-Land USA lediglich um amerikanische Filme, aber das ist schon okay, da es schließlich um den Slasher-Bereich geht der in diesem Land nun einmal zu Hause ist.

Wer sich an „Scream - Schrei“ (Alternativtitel) heranwagt wird schnell überzeugt sein, zieht einen doch allein schon die recht lange und drastische Eingangssequenz in seinen Bann, in welcher Drew Barrymore einen Gastauftritt absolviert. Danach lässt der Film einen nicht mehr los, zumal er nach besagter Szene weiterhin zügig genug inszeniert ist, immer etwas zu erzählen hat, den Horror nie in der zweiten Reihe parkt und es gleichzeitig trotzdem schafft sich genug Raum zur Charakterentfaltung frei zu halten.

Leider habe ich mittlerweile bei fast jeder Szene die Parodie „Scary Movie“ im Kopf, die „Scream“ fast 1 zu 1 aufs Korn nimmt. Dass es der Film trotzdem schafft auch beim x-ten Schauen noch immer relativ spannend zu wirken, zeigt um so mehr wie viel Stärke Wes Cravens Wiederbelebung des Genres doch besitzt, auch wenn er sich von Mal zu Mal immer theoretischer guckt. Auch mein Bonus von einst ist dahin, empfand ich Neve Campbell damals doch als unglaublich süß, was ich heute nach der letzten Sichtung nicht mehr verstehe. Oder sagen wir es mal so: ihren Depri-Stil in Teil 2 fand ich rückblickend dann doch süßer. Da die gute Frau ihre Rolle der Sidney aber sehr glaubwürdig verkörpert, ist es sowieso egal ob ich sie nun niedlich finde oder nicht.

Die meisten Fortsetzungen schafften es nicht mehr das Niveau des ersten Teils auch nur ansatzweise zu erreichen. Teil 2 war eine annehmbare Kopie mit mauer Auflösung und sich zu sicher ans vorgegebene Konzept klammernd. Teil 3 war eine eher unbefriedigende Angelegenheit, die zwar neue Aspekte mit einbrachte, aber doch ziemlich mutlos daher kam. Erst Jahre später mit „Scream 4“ fand Craven zur alten Form zurück, übertrieb es vielleicht das ein oder andere Mal mit dem Spiel der Metaebenen, schaffte es aber eine intelligente Fortsetzung abzuliefern, die zwar verkopft aber trotzdem unterhaltsam war. Spaß hat man mit diesem Teil freilich nur, wenn man die zu routinierten „Scream 2“ und „Scream 3“ ebenfalls geguckt hat. Aber egal was man von den Fortsetzungen auch haltem mag, Teil 1 sollte man unbedingt gesehen haben - und dies nicht nur als Fan des Genres.


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1 Kommentar:

  1. Toller, fantastischer Film. War für mich damals eine Horroroffenbarung, da ich völlig unvorbereitet ins Kino stolperte. Was hatte mich der Film umgehauen. Auch heute noch ein Lieblingsfilm.

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