Sonntag, 3. Mai 2015

DER GOLEM - WIE ER IN DIE WELT KAM (1920 Carl Boese u.a.)


Rabbi Löw formt einem Mann aus Lehm und schenkt ihm mit Hilfe eines dämonischen Zauberwortes Leben, um die Juden seiner Gemeinde zu schützen, nachdem der Kaiser Befehl gab sie müssten die Stadt verlassen. Zunächst hilft der Golem wie vorgesehen, aber nach einiger Zeit reagiert er nicht mehr wie erhofft...


Herr Lehmmann...

Die große Anzahl an Statisten und die mühevollen Bauten, die viel am positiven Ergebnis von „Der Golem - Wie er in die Welt kam“ ausmachen, machen deutlich was für eine aufwändige Großproduktion der Film der Regisseure Carl Boese und Paul Wegener zu seiner Zeit war. Letztgenannter schrieb auch am Buch mit und verkörperte den Golem, dessen spätere bösartige Wirkung hauptsächlich von Wegeners hervorragendem Mimenspiel abhängt, besitzt das Aussehen des künstlichen Menschen aufgrund normaler Größe und Prinz Eisenherz-Frisur doch ansonsten keine düstere Wirkung. Das versucht man auch gar nicht erst anzusteuern, schließlich soll der Golem lediglich fremdartig wirken. Für einige Momente ist diese bösartige Mimik jedoch sehr wichtig für die Wirkung und Aussagekraft diverser Szenen.

Ein wenig besitzt die Geschichte des hier erzählten Filmes Ähnlichkeiten mit jener der Figur des von Frankenstein zu Leben erweckten Kunstmenschen aus Leichenteilen, der ebenfalls eine missverstandene Kreatur war und Empathie gegenüber jenen Lebewesen besaß, die ihn nicht dominieren wollten. Der wahrlich dramatische Aspekt fehlt im direkten Vergleich, entsteht im Golem doch kein verletztes Gefühl aufgrund der ablehnenden Haltung der Menschen. Aber er erkennt sie, ebenso wie das gegenteilige Verhalten der Kinder, die im Finale aufgrund von Herzlichkeit das erreichen, wozu der Erwachsene in seiner Panik, dem Wunsch nach Kontrolle und der Gefühlskälte nicht in der Lage war.

Den Hauptteil der Geschichte kann man als abenteuerlichen Fantasyfilm bezeichnen, der sich vor dem Hintergrund dramatischer Ereignisse abspielt. Zwar schimmern immer wieder Genre-Elemente durch, aber erst gegen Ende, wenn eine neue Sternenkonstellation dazu führt, dass der Golem nicht mehr dem Willen seines Herren folgt, kommt der eigentliche Horror-Part zum Vorschein, der aufgrund der frühen Entstehungszeit freilich noch recht zahm ausgefallen ist. Vom Gewaltpotential darf man zwar von einer schonungslos deutlich inszenierten Szene überrascht sein, in welcher der Golem einen Menschen von einem Gebäude wirft, aber auch dies bleibt die Ausnahme in einem Film, der inhaltlich ansonsten geradezu typisch für seine Zeit ausgefallen ist.

Es ist das eingebrachte Geld, welches „Der Golem“ (Alternativtitel) von anderen Produktionen hervorhebt. Faszinierend anzuschauende künstlische Gebäude einer eigens für den Film errichteten Kleinstadt, Kostüme die mit Blick von heute wie aus einer fremden Welt scheinen, die man örtlich und zeitlich schwer eingeordnet bekommt, das kurze aber höchst wirksame Erscheinen des Dämonen Astaroth, der für den düstersten Moment des Streifens verantwortlich ist, sowie allerhand damals beeindruckender Spezialeffekte verhelfen den Film zu einer Ausstrahlung, die auch heute noch zu wirken weiß.

So braucht es nicht wundern, dass es u.a. gerade „Der Golem“ ist, der heutzutage zu den bekanntesten Stummfilmen gehört, kann er doch, wenn auch nur für ein aufgeschlossenes Publikum, ebenso wie die Filme heutiger Zeit optisch beeindrucken, etwas das vielen Zuschauern an Filmen mittlerweile wichtiger ist als die Geschichte und ihr Tiefgang, sowie die Psychologie dieser und derer Figuren. Im Gegensatz zu vielen Kinoproduktionen von heute weiß Boeses und Wegeners Film beides zu berücksichtigen. „Der Golem“ ist kein reiner Film der Spezialeffekte wegen wie „Die Reise zum Mond“. Aber er bietet sich aufgrund der aufwändigen Bilder heutzutage als Einstieg in die Welt des Stummfilmes an für Cineasten die diesen Weg bislang nicht gegangen sind.


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