Samstag, 2. Mai 2015

STALLED (2013 Christian James)


Am Tag einer betrieblichen Weihnachtsfeier bricht eine Zombieepidemie los. Hausmeister W.C. ist in einer Klokabine auf dem Frauenklo eingesperrt und von Untoten umzingelt...


Dicke Lügen in dicker Luft...

Immer wieder versuchen Filmemacher aus Großbritannien auf dem Erfolg von „Shaun of the Dead“ aufzuspringen, indem sie uns eine schwarzhumorige Zombie-Komödie vor die Nase setzen. An den Erfolg der humoristischen Großmeister der Cornetto-Trilogie kommen sie alle nicht heran. Manche scheitern noch recht tapfer, so bekam „Cockneys vs. Zombies“ z.B. gerade noch die Kurve Richtung Kurzweile, meist enttäuscht das Ergebnis jedoch eher, wie Werke wie „Doghouse“ oder eben leider auch „Stalled“ zeigen.

Der hier besprochene Streifen besitzt nicht einmal mehr die klassische britische Komik, für die das Land so berühmt ist. Aufgrund seiner Orientierung auf die Splatstick-Komik a la „Braindead“, „Murder Party“ oder „Dead Snow“ und massentauglichen Proleten-Witzchen hätte er genau so gut aus den USA kommen können. Und wie üblich für einen Film der sich fast lediglich auf blutiger Komik innerhalb verbrauchter Ideen ausruht, ist das Ergebnis recht zäh ausgefallen. Die Ausgangssituation klingt wahrlich lustig, aber nach Sichten erhielt ich den Eindruck den ich erwartet hatte: für einen Langfilm taugt die Geschichte nichts. Für einen Kurzfilm im Stile eines „Brutal Relax“ wäre die Geschichte hingegen perfekt geeignet gewesen.

Die alternative Massentauglichkeit und die dadurch entstehende lahme Umsetzung sind jedoch nicht das einzige Manko dieses Streifens. Jenseits von Horror und Komik möchte Autor und Hauptdarsteller Dan Palmer auch gerne einen Hauch dramatische Tiefe versprühen. Aber das will aufgrund der unsensiblen Herangehensweise so gar nicht funktionieren und mündet schließlich in einer pseudo-melodramatischen Suizid-Szene, wie sie unangenehmer, fragwürdiger und unreflektierter kaum hätte ausfallen können. Zudem sieht man die überraschende Wende, die zu dieser Tat führt, ebenso voraus wie den Schluß-Gag des Streifens.

Manch nette Witzchen sind freilich enthalten. Manch richtig gute sogar auch. Aber immer wieder biedert sich Regisseur James zu sehr dem Massengeschmack an, meint Drogen mit dazugehöriger Techno-Tanz-Szene unbedingt einbauen zu müssen, freilich nur um den Film auf Spielfilmlänge gestreckt zu bekommen. Und ewig nervt das pausenlose Geschwätz einer Frau vom Nachbar-Klo, das zumindest in der unpassenden Stimmenvergabe der Deutsch-Synchro völlig kontraproduktiv wirkt.

Es fehlt das wahre Einfühlen in die Situation, so wie es „The Return of the Living Dead“ und „Shaun of the Dead“ vorgemacht haben. Die haben sich auch nicht einzig auf den Humor konzentriert. Denen waren die Charaktere, die Interaktion zwischen diesen und die Glaubwürdigkeit innerhalb eines abgedrehten Szenarios wichtig. „Stalled“ ist nicht mehr als ein auf Spielfilm-Länge aufgeblasener Sketch, versehen mit so schönen Witzchen wie dem Grund warum ein heldenhafter Retter sterben muss, oder dem Zombie, der aufgrund seiner fehlenden Intelligenz eine gefühlte Ewigkeit darüber nachdenkt ob er sich für das Hühnerbeinchen in der Hand, oder dem Hausmeister auf dem Damenklo entscheiden soll. Das sind herzlich geglückte Momente in einem uncharmanten und unsensiblen Film, der gerne eine richtig große Horror-Party wäre.


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