Samstag, 27. Juni 2015

CANNIBAL GIRLS - DER FILM MIT DER WARNGLOCKE (Cannibal Girls 1973 Ivan Reitman)


Ein Pärchen landet in einer kannibalistischen Kleinstadt, in welcher drei sich unter der Aufsicht eines ominösen Mannes befindenden junge Frauen vorzugsweise Männer töten und verspeisen, nachdem sie diese sinnlich umgarnt haben...


Glocken-Spoiler...

Ivan Reitman, der Regisseur der zunächst die Bill Murray-Filme „Babyspeck und Fleischklößchen“ und „Ich glaub‘ mich knutscht ein Elch“ drehte, bevor er so wunderbare Werke wie „Zwillinge“, die beiden „Ghostbusters“, „Dave“ und "Die Super-Ex“ inszenierte, drehte im Jahr 1973 fast im Alleingang den Independent-Streifen „Cannibal Girls“, seinen zweiten Langfilm, dem sechs Jahre Pause folgen sollten bis es mit den oben erwähnten Murray-Komödien weitergehen sollte. Eine Komödie ist auch dieses Stück Horrorfilm geworden. Nach Sichten der deutsch synchronisierten Fassung kann man jedoch davon ausgehen, dass das Original nicht ganz so albern ausgefallen ist wie der Nonsens, der auf deutsch ins Bild gesprochen wird.

Aber eines haben beide gemeinsam: die sogenannte Warnglocke, die laut Trailer und Sprecher zu Beginn des Films immer bei den grausamen Szenen des Horror-Parts ertönt, damit zartbesaitete Menschen weggucken können, bis ein Entwarn-Ton erfolgt. Damit kann man als Zuschauer den blutigen Momenten entgehen, während gleichzeitig der Humor mit dieser Aktion gefördert wird, ein wenig vergleichbar mit dem offiziellen Leichenzählen in „Was macht der Tote auf der Wäscheleine“. Leider spoilert die Alarmglocke jegliche plötzliche Attacke der Bösewichter, so dass es Überraschungen diesbezüglich nicht geben kann, was schon sehr schade ist, ist „Cannibal Girls“ doch ohnehin recht überraschungsfrei ausgefallen und guckt sich arg monoton.

Zwar wird man durch die augenzwinkernde Inszenierung, manch lustige Dialoge und den spielfreudigen Darstellern ein wenig bei Laune gehalten, vom Hocker reißt dieses eher langweilig ausgefallene Werk jedoch nicht. Und die von der Warnglocke angekündigten, schon damals arg zahm ausgefallenen Gore-Effekte, sind die Erwähnung nicht wirklich wert. Lediglich das frühe Auftauchen des häufigen John Candy-Partners und „American Pie“-Vaters Eugene Levy ist eine Besonderheit, sieht er mit Vollbart doch nicht nur ungewöhnlich aus, sondern auch älter als man ihn in einem 70er Jahre-Film vermutet hätte.

Neben ihm spielt Andrea Martin, die bereits in Reitmans Langfilm-Debut „Foxy Lady“ mitwirkte. Und die ist neben der drei sexy Kannibalinnen, der Haupttrumpf des Streifens, spielt sie ihre Rolle doch so wunderbar naiv und zickig, dass man sie im wahren Leben tatsächlich für solch eine Nervensäge halten könnte. Toll gemacht! Berühmt wurde sie nie. Sie übernahm eher unbedeutende Rollen in so nennenswerten Werken wie „Jessy - Die Treppe in den Tod“ (und dessen Remake „Black Christmas“), „Die Reise ins Ich" und „Wag the Dog“.

Freilich kann auch ihr belustigendes Spiel „Cannibal Girls“ lediglich aufwerten, aber nicht tragen. Und so darf man trotz des angenehmen 70er Jahre-Independentfilm-Feelings und trotz gut aufgelegter Darsteller und manch freizügig agierenden jungen Frauen eher enttäuscht als erfreut über den fertigen Film sein, von dem Regisseur Reitman am Ende wohl auch nicht viel zu halten schien, hat er ihn Arkoffs Filmschmiede American International Pictures doch als schlechten Film für den schnellen Dollar angedreht, womit der Streifen perfekt ins Programm der Firma passte. Gedreht wurde die Horror-Komödie jedoch relativ unabhängig. Und passend dazu durften die Darsteller ziemlich frei improvisieren. Feste Dialoge lagen nicht vor.

In seiner Theorie ist „Cannibal Girls“ ein sympathischer Streifen, der einen gewissen Respekt verdient. Praktisch gesehen ist er jedoch eher lahm ausgefallen, selbst dann wenn man ihn mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter und mit Unterstützung von Alkohol guckt. Dank der liebevollen Aufmachung der Anolis-DVD-Veröffentlichung macht er im Regal mehr her als im Player. Das ist für einen Sammler aber auch schon was wert.


Weitere Reviews zum Film: 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen