Donnerstag, 2. Juli 2015

VERFLUCHT, VERDAMMT UND HALLELUJA (E poi lo chiamarono il magnifico 1972 Enzo Barboni)


Tom ist ein Greenhorn aus dem Norden, das bei drei Gaunern im Westen landet, die Freunde seines verstorbenen Vaters sind. Mit Händen und Füßen wehrt er sich, sich den rauen Begebenheiten des Westens anzupassen. Dabei war es der Wunsch des Vaters, dass seine Kumpels aus ihm einen echten Kerl machen. Erst als Tom sich für eine Frau interessiert, deren Vater nur einen harten Kerl seine Tochter ehelichen lässt, lässt sich Tom auf die Ausbildung der Gauner ein...


Verflixt und zugenäht und Amen...

Wenn es einer verstand das Konzept der Spencer/Hill-Filme, ob im Duo oder in Soloprojekten der Beiden, gekonnt zu variieren, damit die ewig gleiche Soße nicht zu langweilig wurde, dann war das Enzo Barboni, alias E.B.Clucher, der mit „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ das Konzept nicht nur kreierte, sondern mit diesem auch gleich das beste Werk des Duos ablieferte. Ob außerhalb des Wilden Westens mit „Zwei außer Rand und Band“ oder im Spätwerk „Vier Fäuste gegen Rio“ (der letzte klassische und gute Film der beiden Haudegen), Clucher hatte einen Riecher für die kleinen Unterschiede, die einen weiteren Beitrag so schmackhaft machten, obwohl das Publikum prinzipiell eigentlich immer das selbe in Grün sehen wollte.

Der Clou an „Verflucht, verdammt und Hallejua“ ist der, dass Terence Hills Rolle außerhalb der Norm angesiedelt ist. Den Revolverhelden, wie wir ihn aus „Vier Fäuste für ein Halleluja“ und „Mein Name ist Nobody“ kennen, bekommen wir erst ganz zum Schluss präsentiert. Zuvor spielt er gegen diese Rolle an, indem er ein Greenhorn aus dem Norden mimt, so dass die englischen Titel „Man of the East“ und „A Man From the East“ inhaltlich näher am Streifens dran sind, als der berühmte deutsche Titel. Zwar gibt es noch die Alternative „Ein Gentleman im Wilden Westen“, aber kennen tut ein jeder den Streifen eigentlich als „Verflucht, verdammt und Halleluja“, und der ist so sympathisch wie der Film selbst, der sich für seine Geschichte angenehm viel Zeit lässt.

Der Bogen zu Hills Rolle wird erst über die drei Gauner gespannt, denen wir zuvor bei ihrer Zusammenkunft zusehen dürfen. Und tritt Terence Hill endlich ins Geschehen ein, sehen wir einen schnieke zurecht gemachten, zivilisierten Menschen, der Fahrrad fährt, Gedichte zitiert, Ameisen unter dem Mikroskop untersucht und sich täglich wäscht. Dementsprechend anders fällt auch die zu seinen Filmen zwingend dazugehörende Prügelszene aus, in welcher Hill wesentlich mehr einsteckt als austeilt, was er mit herrlich bescheuerten Quatschgesichtern auszubügeln weiß.

Wirklich albern wird „E poi lo chiamarono il magnifico“ (Originaltitel) aber eigentlich nur selten. Im trockenen und ruhigem Stil gehalten wissen Personen und Situationen immer wieder zu belustigen, aber laute Humormomente gibt man dem Publikum nur selten zu fressen. Damit hält der Streifen ein Niveau, von welchem sich andere Werke Hills eine Scheibe abschneiden könnten. Der Stil des Streifens ist zwar staubig wie seine Kulisse, allerdings hat die Geschichte immer interessante Aspekte zu bieten, so dass man dem Streifen nie gelangweilt folgt und der Mangel an Albernheiten dem Gesamtwerk gut tut.

Auf der anderen Seite haben sich hin und wieder Witzchen eingeschlichen, die geradezu kindlicher Natur sind, dementsprechend aus dem Standard heraus brechen, sich überraschender Weise aber trotzdem ins Restgeschehen integrieren lassen. So bricht einmal die Musik einer romantischen Szene ab, da der naive Mann aus dem Westen gerade nicht versteht welch amouröses Angebot seine Angebetete ihm gerade bei einem Treffen im Grünen gemacht hat. Kaum verstanden legt er sich ins Zeug, küsst sie, und die Musik darf weiter spielen. Noch gewagter kommt ein Witz im Finale daher, bei welchem eine größere Gruppe Statisten in den unbequemsten Posen spontan still stehen bleiben muss, da ein Schwerbewaffneter gerade Stop gerufen hat. Nur einer darf kurz aus seiner Pose herausbrechen, um im Saloon nach dem Rechten zu sehen. Ist diese Aufgabe erfüllt geht er an seinen Platz auf der Straße zurück und nimmt erneut die Pose ein, die er auch zuvor einnahm.

Solche Momente lockern den Film auf eine Weise auf, die der Stoff in seiner Art nicht nötig gehabt hätte, die man als Zuschauer herzhaft lachend aber trotzdem all zu gerne dankend annimmt. Somit ist „Verflucht, verdammt und Halleluja“ durch und durch ein Tipp für all jene, die nur die wahrlich großen Werke des Prügelduos und deren Soloprojekte sehen möchten. Auch wenn der Streifen nicht so dynamisch daher kommt wie „Mein Name ist Noboy“, auch er ist unbedingt einen Blick wert - und ein bis zwei Ohren übrigens auch, denn wie in dem im selben Jahr erschienenden ersten Nicht-Western von Spencer und Hill mit dem Titel „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“, so wird auch hier der Film von einem Lied der Gebrüder De Angelis untermalt, und deren Lied schmiegt sich sanft in die Ohren und weiß das Feeling des Streifens passend zu treffen.


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