Dienstag, 10. November 2015

DER GROSSE BLONDE KANN'S NICHT LASSEN (Le bonheur de Pierre 2009 Robert Ménard)


Der französische Physik- und Philosophie-Professor Pierre erbt eine Pension in der tiefsten Einöde Kanadas und zieht dort mit seiner Tochter hin. Der Bürgermeister sieht die Franzosen nicht gern im Ort. Da er sich als rechtmäßiger Eigentümer der Pension sieht, versucht er alles um die Ausländer zu vertreiben...


Der große Graue mit der guten Laune...

Mit „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ wurde Pierre Richard einst in Deutschland berühmt, und seit dem müssen Titel seiner Werke hierzulande immer wieder auf diesen Erfolg anspielen, selbst 37 Jahre nach dem berühmten Spionagefilm. Der Blonde ist nun grau geworden, und mit den beiden echten Filmen um den großen Blonden hat „Der große Blonde kann‘s nicht lassen“ freilich überhaupt nichts mehr am Hut, deswegen passen die Alternativtitel „Willkommen in Saint-Simone-du-Nord“ und „A Happy Man“ auch wesentlich besser, ganz besonders letztgenannter, zieht der Film doch einen Hauptteil seiner Komik daraus, dass dem ollen Pierre so gar nichts erschüttern kann, komme was wolle - meist verursacht vom Bürgermeister.

Als Gegenpart wird Pierre eine gereizte und verwöhnte erwachsene Tochter an die Seite geschrieben, und die versteht recht schnell was im ollen kanadischen Kaff tatsächlich läuft, während Pierre blauäugig an das Gute in jedem Menschen glaubt und auch den Bürgermeister gut leiden kann - eine Person die eigentlich niemand mag. Das mag nun in der Theorie auch alles recht witzig klingen, und eine Slapstick-Parade wie in den klassischen Pierre Richard-Komödien habe ich auch gar nicht erst erwartet, aber „Le bonheur de Pierre“ (Originaltitel) guckt sich weder lustig aufgrund des Zusammentreffens zweier Kulturen (ein Aspekt der so gut wie gar nicht beachtet wird), noch als angenehme Nachbarschafts-Kabbelei, die selbst ein schlichter „Im Dutzend billiger 2“ erreicht hat.

Es ist zwar schön Pierre Richard gealtert nach all den Jahren seiner filmischen Pause auf dem Bildschirm wieder zu sehen, aber so wirklich gefallen will mir der viel zu ereignislose „Der große Blonde kann‘s nicht lassen“ nicht, kommt er doch extremst brav daher und wartet man doch immer auf die wahrlich gemeinen Aktionen des Bürgermeisters und die lustigen Momente die er mit seinen Angriffsversuchen anrichtet. Ein „Funny Farm“ mit Chevy Chase war da wesentlich einfallsreicher, war auch humoristisch lauter gedacht, also keineswegs so wie der absichtlich stille Film von Regisseur Ménard.

Aber letztendlich schreitet diese französisch-kanadische Co-Produktion auch für eine stille Komödie viel zu langsam voran, während die ganz nette, geradezu klassische Hintergrundmusik einem immer wieder einreden will, dass das was man gerade sieht unglaublich lustig wäre. Dabei kommt man hier in der Regel nicht einmal zum Schmunzeln. Sicherlich kann man dem etwas müden Treiben folgen, das Ergebnis ist schließlich weder peinlich noch langweilig ausgefallen. Aber nach all den Jahren hatte ich mir von Pierre Richards Rückkehr etwas mehr erhofft, gerne etwas völlig anderes als das wofür er früher stand, aber etwas mehr als das was er hiermit abgeliefert hat.


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