Sonntag, 20. Dezember 2015

NÄCHTE DES GRAUENS (The Plague of the Zombies 1966 John Gilling)


In einer kleinen Stadt geschehen Todesfälle, die der ortsansässige Arzt sich nicht erklären kann, da die altmodischen Bürger der Stadt ihn keine Autopsie durchführen lassen. Also ruft er seinen ehemaligen Lehrer zu Hilfe, der auch gleich mit seiner Tochter anreist um Licht ins Dunkel zu bringen. Ominöse Zusammenhänge zwischen den Verstorbenen und ein leeres Grab bringen den Gelehrten auf die unglaublich klingende Idee es mit Voodoo-Zauber zu tun zu haben...


Motorrad-Rocker auf Pferden...

Die Hammer-Schmiede ist legendär. Über viele Jahre mischte sie erfolgreich im Horror-Filmgeschäft mit, wegweisende Werke ebenso produzierend wie experimentierfreudige Misserfolge. Es ist kaum zu glauben, aber mit „Nächte des Grauens“ haben sie ihren einzigen Beitrag zur Zombie-Thematik abgeliefert, und dieser ist, zwei Jahre vor Erscheinen von Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“, freilich noch an der klassischen Voodoo-Thematik orientiert und damit nicht vergleichbar mit dem was wir heutzutage unter einem Zombiefilm verstehen.

Da kann man nur sagen zum Glück, denn was Regisseur John Gilling auf die Beine gestellt hat ist ein waschechter Grusler, der inhaltlich ein wenig mit Bavas zeitgleich erschienendem Geister-Horror „Die toten Augen des Dr. Dracula“ zu vergleichen ist und der ebenso wie dieser klassischer kaum ausfallen konnte. Hinterwäldler wehren sich gegen die moderne Wissenschaft, monströse Erscheinungen treiben ihr Unwesen, und das ganze wird eingefangen in herrlich modrigen Friedhofs- und Burgen-Locations, spielend zu einer Zeit in der man noch per Kutsche von A nach B gereist ist.

Die Geschichte selbst nimmt sich viel Zeit. Es geht darum ein mysteriöses Rätsel zu lösen, und dieses Spiel den Zuschauer im Ungewissen zu lassen funktioniert hervorragend. Gilling weckt gekonnt die Neugierde des Publikums wenn er nur Häppchenweise Hinweise auf die Auflösung liefert. Dank greifbarer und sympathischer Charaktere und einer dichten Atmosphäre, die auch (bereits damals) von ihrem nostalgischen Flair lebt, hat der Film einen schnell gefangen, selbst wenn man (allein schon aufgrund des Originaltitels) bereits weiß dass der Streifen einer Zombie-Thematik nachgeht.

Selbst dann würde man jedoch nie erwarten was alles für Zusatzideen zur Auflösung dazu gehören, Ideen die nicht immer nachvollziehbar sind, aber da wo in Horrorfilmen ein krankes Hirn der Genialität tätig ist, da gibt es auch immer Fragwürdigkeiten in der Logik derer Taten, also was soll‘s.

Etwas schwerwiegender schadet der Inszenierungsstil des Finales dem Gesamtwerk, wird doch nun durch die Auflösung die bislang stimmige Atmosphäre aufgebrochen um Taten folgen zu lassen, und da lässt die Stimmung von „The Plague of the Zombies“ (Originaltitel) schon ein wenig nach. Dass Gillings Werk auch in dieser Phase noch ein sehenswerter Film ist steht bei solch gekonnter Umsetzung außer Frage, aber das Finale wird nicht zum Höhepunkt des Films, ein Schicksal das viele atmosphärisch dicht umgesetzte Horrorwerke teilen. Der Weg zum Ziel war im Vergleich einfach aufregender erzählt.

Trotz dieses streng betrachteten Defizits gehört „Im Bann des Voodoo-Priesters“ (Alternativtitel) für mich zu den besten Hammerfilmen die ich bislang sichten durfte. Sein Platz neben „Dracula“ ist ihm in meinem Herzen gewiss. Erschienen ist der Film seinerzeit im Doppelpack mit „Blut für Dracula“, der sicherlich das Zugpferd war um das Publikum zu locken. In Wahrheit versteckte sich das bessere beider Werke hinter dem hier besprochenem Titel. Wer klassischen Grusel in nostalgischem Gewandt mag, der sollte zu diesem seltenen Mix aus Zombiefilm und Gothik-Horror greifen, der seinen Höhepunkt in einer Traumsequenz besitzt, in welcher vermoderte Tote aus den Gräbern steigen dürfen - ein Szenario welches es trotz der Flut an Zombiefilmen leider viel zu selten zu sehen gibt.


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