Samstag, 19. Dezember 2015

TAGEBUCH EINES FRAUENMÖRDERS (1969 Helmut Käutner)


Der Schriftsteller Lehmann trifft in einem Lokal zufällig seinen ehemaligen Schulfreund Rudi Böhm wieder. Als Böhm erfährt dass Lehmann sein Geld mit reißerischen Tatsachenberichten zu kriminellen Hintergründen verdient, behauptet er von sich ein Frauenmörder zu sein. Lehmanns Auftraggeber Marojan ist begeistert und setzt auch gleich einen Vertrag auf. Als jedoch die Polizei auf Böhm aufmerksam wird und sich im Zuge der Ermittlungen herausstellt, dass er ein Blender ist, bietet Böhm Marojan an sich für zukünftige Morde an Frauen bezahlen zu lassen...


Knapp an der schwarzen Witwe vorbei geschrammt...

Was sich auf dem DVD-Cover wie ein Kriminalfilm liest entpuppt sich beim Sichten als entspannt inszeniertes Lustspiel, welches weniger Interesse an der Aufdeckung der Verbrechen seiner Täter hat, als viel mehr an der Entlarvung der Sensationsgier der Boulevardpresse. „Tagebuch eines Frauenmörders“ ist augenzwinkernd gedacht, dementsprechend lustig erzählt, immer wieder mit kleinen Seitenhiebe auf andere Themenbereiche versehen und trotz der Medienkritik nie moralisch ausgefallen. Inszeniert ist das ganze fast schon wie ein Theaterstück. Nur wenige Außenaufnahmen brechen das bewusst künstlich gespielte Treiben auf der Bühne auf, ein Stilmittel mit dem man sich anfreunden muss, um Gefallen an Helmut Käutners Satire zu haben.

„Tagebuch eines Frauenmörders“ fühlt sich nie echt an. Grundlage wie Storywendungen kommen höchst brachial daher, bauen auf der Naivität der Figuren auf, die nie zu echten Menschen werden, eingebettet in humoristische Übertreibungen. Das sind keine versehentlichen Fehler. Käutners Lustspiel ist so gedacht und erntet aus dieser Entfremdung seine Wirkung. Die Schauspieler sind gut aufgelegt, an keinem von ihnen gibt es etwas zu meckern, zumal jeder für seine Rolle gut besetzt ist. Und doch will „Tagebuch eines Frauenmörders“ nicht vollends überzeugen, ist er in seiner Aussage doch zu aufdringlich. Eine subtilere Annäherung an das Thema wäre dem Werk besser bekommen als seine Holzhammer-Methode, mit der er die Protagonisten ins Feuer laufen lässt.

Sie ist etwas zu extrem ausgefallen, die Bereitschaft für eine Story ohne jegliches Mitleid für zukünftige Opfer das Gesetz zu brechen. Ebenso häufen sich die Zufälle gegen Ende zu sehr, um eine Pointe zu bieten, die von einem Unterschied lebt, der keiner ist. Auch die Bereitschaft Böhms morden zu wollen, allein aus dem Grund Aufmerksamkeit zu erhaschen, wirkt zu sehr aus dem Nichts gegriffen, auch wenn gerade dieser Punkt noch von der lockeren Grundstimmung aufgefangen werden kann.

Erwartet man weder Richtung Spannungsaufbau noch von der Wirksamkeit der Medienkritik all zu viel weiß „Tagebuch eines Frauenmörders“ als Trivialverzehr für zwischendurch zu gefallen. Siegfried Lowitz trägt mit seinem Mix aus professionellem und absichtlich die Fernsehwand durchbrechendem kalauerndem Spiel das etwas wackelig ausgefallene Werk, während Helmut Qualtiner mit seiner passiven, starren Art genau das an Böhm herauszukitzeln vermag, was diesen Typ Täter ausmacht, ein Pluspunkt der zu einem der wenigen Zutaten zählt, in welchen das Stück psychologisch richtig angegangen wurde.

Für TV-Nostalgiker ist das Sichten dieses Fernsehspiels sicherlich kein Fehler, schaut es sich doch mit Blick von heute so fremd, eben weil solch etwas Unverkrampftes in der heutigen TV-Landschaft gar nicht mehr denkbar wäre. Zu bemüht ist heutzutage alles auf ernst und professionell getrimmt und wenn nicht dann gleich auf komplett trivial und dilettantisch. „Tagebuch eines Frauenmörders“ guckt sich heute so fremd wie er für sein Medium inszeniert ist und ist damit ein interessantes Stück Vergangenes, das zwar nicht einzig von seinem Nostalgie-Faktor lebt, aber zumindest ein gutes Stück davon. 

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