Sonntag, 24. Januar 2016

DER PHANTASTISCHE PLANET (La planète sauvage 1973 René Laloux)


Der Mensch Terr wird von klein auf von der dominierenden und viel größeren Spezies der Traags als Haustier gehalten. Eines Tages kann er sich befreien und schließt sich wild lebenden Menschen an, die von den Traags als Ungeziefer empfunden und immer wieder ausgerottet werden. Aber dank Terrs Wissen und einer von den Traags gestohlenen Technologie, welche Wissen vermittelt, können sich die Menschen weiter entwickeln, um ihre Überlebenschance auf dem Planeten zu vergrößern...


Ameise Mensch...

„Der phantastische Planet“ sprudelt nur so voll bizarrer Ideen, wie die Welt auf einem anderen Planeten aussehen könnte. Der Mensch dient als Identifikation, während alles um ihm herum fremdartig erscheint. Ominöse Pflanzen, Technologien und Tiere bereichern die ohnehin schon interessante Geschichte derart, dass ihre etwas trocken vorgetragene Art durch sie aufgelockert wird, so dass der ideenreiche Film nie zu träge daher kommt, obwohl er für das unterhaltungsverwöhnte Publikum von heute relativ kopflastig ausgefallen ist.

Dass der Mensch mit Ameisen gleichgesetzt wird, ist nicht zu übersehen und ist damit die deutlichste Parallele zu Begebenheiten auf der Erde, was der uns gezeigten bizarren Welt jedoch nicht schadet, sondern die humane Botschaft nur um so leichter für den Zuschauer begreifbar macht. Zwar sind auch weitere Parallelen zu Vorkommnissen auf der Erde vorzufinden, so z.B. die menschenfressende Variante eines Ameisenbärs, dennoch wimmelt es in „Der wilde Planet“ (Alternativtitel) zusätzlich nur so vor individuellen, eigenständigen phantastischen Ideen, die eine völlig eigene Kultur und Umwelt erschaffen und uns zeigen wieviel phantasiereicher man sich eine fremde Zivilisation und einen fremdartigen Lebensraum zusammenreimen kann, als es uns in den meisten Science Fiction-Filmen vorgelebt wird.

„Fantastic Planet“ (Alternativtitel) lebt von dieser Fremdartigkeit, besitzt aber innerhalb seiner Geschichte auch genügend Potential im Spannungsbogen und in der Dramaturgie, als dass auch sie zu funktionieren weiß. Dank einer kurzen Laufzeit von unter 70 Minuten wird der Streifen zu keiner Zeit langweilig. Etwas länger hätte er jedoch ausfallen müssen, kommt der Schluss doch sehr plötzlich innerhalb eines Filmes, der ansonsten zu keiner Zeit gehetzt erzählt wirkt. Gerade aufgrund der Schluss-Pointe, die man durchaus erahnen kann, wäre es schön gewesen, wenn man im gleichen Umfang wie die Rest-Story im Detail erfahren hätte wie es zu dieser gekommen ist. Aufgrund dieser Schwachstelle wäre eine Fortsetzung wünschenswert gewesen, mit der man nun 43 Jahre später wohl kaum noch zu rechnen braucht.

Die Animation ist etwas steif gehalten und damit gewöhnungsbedürftig, passt meiner Meinung nach aber hervorragend zum Erzählstil und zum intellektuellen Gehalt der Geschichte, so dass dies nicht wirklich als Minuspunkt betrachtet werden kann, zumal es den Sehwert am Streifen nicht mindert. Die Figurengestaltung, gerade was die fremdartigen Wesen und Pflanzen betrifft, sind trotz schlichtem Zeichenstils einfallsreich ausgefallen, und allein ihretwegen ist es gut, dass zum Erzählen der Geschichte das Medium des Zeichentrickfilmes gewählt wurde. Durch ihn ist es möglich die Ernsthaftigkeit des Stoffes beizubehalten, wohingegen ein trickreicher Realfilm zu verspielt gewirkt hätte.

Wer sich für außergewöhnliche Filme abseits des Mainstreams interessiert, der wird „La planète sauvage“ (Originaltitel) lieben, ein Zeichentrickfilm von René Laloux, der auch für den bekannteren „Herrscher der Zeit“ verantwortlich war, der dem hier besprochenen Film neun Jahre später folgen sollte. „Der phantastische Planet“ ist intelligentes und humanes Science Fiction-Kino, einfallsreich erzählt und Galaxien weit entfernt vom geistfreien Kitschniveau finanziell erfolgreicher Großproduktionen im Zeichentrickbereich.


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