Samstag, 12. März 2016

BURIED ALIVE - LEBENDIG BEGRABEN 2 (Buried Alive 2 1997 Tim Matheson)


Laura soll erben. Deshalb bringt ihr untreuer Gatte sie mittels Kugelfischgift um. Doch Laura ist nicht wirklich tot. Sie kann sich aus ihrem Grab befreien und nimmt Rache...


Hilfe von wem Erfahrenes...

Der sieben Jahre vor dieser Fortsetzung entstandene „Buried Alive - Lebendig begraben“ war von seiner herrlich kranken Idee im letzten Drittel einmal abgesehen eher ein routiniertes Videoprodukt, welches man sich durchaus mal geben konnte, wenn man nicht zu viel erwartet hat. Teil 2 erzählt eigentlich recht wenig, aber man ist zunächst positiv überrascht, dass es tatsächlich eine inhaltliche Verbindung zum ersten Teil gibt. Eher hatte ich mit einer Alternativstory wie es „Butterfly Effect 2“ für „The Butterfly Effect“ war gerechnet, oder mit einer Neuverfilmung unter dem Deckmantel eines Sequels, wie man es so häufig vorgesetzt bekommt, z.B. bei „Phenomenon 2“. Aber nein, es besteht tatsächlich eine Verbindung zum Vorgänger. Allerdings ist diese in etwa ebenso dünn ausgefallen wie seinerzeit jene in "Carrie 2" zu Brian De Palmas Original.

Im ersten Drittel herrscht storytechnisch einiges an Leerlauf. Man lernt die Darsteller kennen, erfährt vom Fremdgehen und schließlich vom Entstehen des Mordplanes. Interessanter Weise sind diese ersten 30 Minuten trotz ihrer Inhaltsleere kurzweilig zu gucken. Die Atmosphäre ist für einen TV-Film recht stimmig ausgefallen, und die Darsteller sind okay zu nennen. Man wundert sich zwar wohin das nun alles führen soll, u.a. wegen der unerwarteten Einführung der Hauptfigur aus Teil 1, aber zumindest wurde damit Neugierde geweckt.

Im Mittelteil beginnt „Buried Alive - Lebendig begraben 2" nun langsam zu bröckeln. Die Hauptfigur wird umgebracht (und wie es der Zufall will gibt es dabei jede Menge Parallelen zum Erstling) und ist, wie es der Titel bereits verkündet, doch nicht tot. Was in Teil 1 nun als unglaubwürdige, aber nett anzuschauende Sequenz gezeigt wurde, durch das Befreien aus dem Sarg und dem Buddeln durch den Erdboden bishin zur Erdoberfläche, bleibt uns in der Fortsetzung erspart. Der Mörder geht mit seinen Vorbereitungen auf Nummer sicher. Seine Frau wäre niemals aus dem Sarg heraus gekommen. Aber da unser Held aus dem ersten Teil Verdacht schöpft, übernimmt er den Part der Befreiung, woraufhin er urplötzlich stirbt, ohne dass wir erfahren warum. Darüber kann der Zuschauer aufgrund vorher gezeigter Szenen zwar spekulieren, aber warum der Befreier gerade dort und zu diesem Zeitpunkt tot zusammenbricht will sich nicht erschließen.

Psychologisch gesehen überzeugt „Lebendig begraben 2" (Alternativtitel) nicht so sehr, wie es der Vorgänger für einen psychologisch groben Holzhammer-Film schaffte. Der Held aus Teil 1 drehte aufgrund der beklemmenden, Menschen unwürdigen Situation durch und ging in diesem Zustand auf Rachefeldzug, was nachvollziehbar war. Bei der Rolle Ally Sheedys wundert man sich warum sie den selben Weg beschreitet. Sie bekam mit wie ihr Mann sie vergiftete, leidete diesbezüglich selbstverständlich auch, und sicherlich ist es nicht schön in einem Sarg zu erwachen und aus einer schlammigen Grube herauszuklettern, aber den Wahn des Eingesperrtseins und den Todeskampf beim Versuch die Erdoberfläche zu erreichen musste sie nicht erleben. Das was sie durchmachte ist zu verarbeiten. Warum sie also nicht einfach ins nächste Polizeirevier rennt, um ihren Mann verhaften zu lassen, was die logischste Alternative wäre, ist rätselhaft, erst recht aufgrund der Charakterisierung der Laura.

Akzeptiert man es einfach, dass die Frau als geheimnisvolle Fremde und Totgeglaubte, Rache fordert, gibt es dennoch einiges an der Geschichte zu kritisieren. So laufen einige halbwegs gute Ideen ins Leere, so z.B. jene, dass Laura das Haus sauber macht, um ihren Mann zu verängstigen. Auch den Ehering hinterlässt sie ihm, um ihn zu verwirren. Aber was man nun als eine Art "Phantom der Oper" im eigenen Haus hätte vertiefen können, wird einfach als Idee wieder fallen gelassen. Stattdessen wird nun eine Parallele zum ersten Teil erzählt, die aufgrund dessen dass sie schon erzählt wurde weniger Potential besitzt anstatt die Phantom-Nummer weiter durchzuziehen, was im direktem Bezug zur Hauptperson auch mehr Sinn gemacht hätte.

Akzeptiert man nun auch noch, was kaum möglich ist, dass Laura die selbe Art Rache betreibt wie der Held aus Teil 1, nur auf einem Boot anstatt in einem Haus, enttäuscht es etwas, dass sich für diesen Rachefeldzug nicht genügend Zeit genommen wurde. Die Opfer werden wach, da ist die Rächerin auch schon mit dem Hämmern fertig. Wo im Vorgänger das eigene Haus zum tödlichen Labyrinth wurde, was den eigentlichen Reiz am Gesamtwerk ausgemacht hat, wird das Schiff in der Fortsetzung lediglich zur sinkenden Todesfalle deren Ausgänge zugenagelt wurden.

Das geht alles zu schnell vonstatten, und aufgrund des langen Hinhaltens der gar nicht mal langweiligen ersten Stunde, ist man enttäuscht den kompletten Finalvorgang derart schnell und lustlos, vor allen Dingen aber völlig befreit von Spannungsmomenten, zu erleben. Zu allem Überfluss verlässt die Rächerin nach vollendeter Tat die Stadt. Jeder weiß dass sie nicht tot ist, den Mord hätte ihr niemand nachweisen können, und trotzdem entscheidet sie sich für das selbe Schicksal wie ihr Vorgänger. Im Gegensatz zu ihr hatte der auch allen Grund dazu diesen Weg einzuschlagen. Auch hier bleiben wieder jede Menge Fragezeichen über den Kopf schweben, weil die Verantwortlichen für die Fortsetzungen Zusammenhänge zum Original aufbauen, ohne zunächst nachvollziehbare Grundlagen zu schaffen.

Da „Buried Alive 2" (Originaltitel) annehmbar erzählt ist und nicht langweilig ausgefallen, ist er trotz seiner Ereignislosigkeit und seiner sinnlosen Zusammenhänge durchaus guckbar, dies aber freilich nur auf die simpelste Art für ein besonders genügsames Publikum. Dem Durchschnittszuschauer sei also von diesem Werk abzuraten. Hartgesottene Freunde von Rachefilmen erleben zumindest routinierte Zwischendurchkost, vorausgesetzt sie erwarten keine Härte und keinen Spannungsgrad im Stile eines „Ich spuck auf dein Grab“. Regisseur Tim Mathesons, der die Hauptfigur in Teil 1 spielte, hat mit seinem Werk die brave Lightversion solcher Art Filme umgesetzt, so dass eher gelangweilte Hausfrauen zugreifen sollten anstatt Fans harter Stoffe.


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