Samstag, 12. März 2016

ZOMBIE 2 - DAS LETZTE KAPITEL (Day of the Dead 1985 George A. Romero)


In einem unterirdischen Lager haben sich letzte Überlebende zusammen gefunden. Während Wissenschaftler verzweifelt nach einem Mittel gegen die Seuche forschen, sorgen Soldaten für die Sicherheit und den Nachschub an Forschungsmaterial. Als der Anführer der Truppe stirbt übernimmt ein Soldat dessen Platz, der für die Forschung nicht viel übrig hat. Die Auseinandersetzungen zwischen beiden Parteien schaukeln sich immer weiter hoch...


Zombies beherrschen die Welt...

Gegenüber seiner beiden Vorgänger „Die Nacht der lebenden Toten" und „Zombie" mag "Day of the Dead" (Originaltitel) ein wenig abfallen. Trotz treffsicherer Aussagen wird die Gesellschaftskritik bemühter und aufgesetzter eingebaut und wirkt damit nicht mehr gekonnt unterschwellig wie zuvor. Und auch die wichtigsten Figuren sind deutlich näher an Stereotypen angelegt als in den Teilen 1 und 2, die auch nicht völlig frei von diesem Problem erzählt waren. „Zombie 2" ist jedoch ebenfalls ein guter Film und damit ein würdiger Abschluss der Trilogie geworden, was u.a. daran liegt, dass Romero sein Rezept der bisherigen Teile konsequent weiter denkt.

Konnte in Teil 1 bei einer handvoll Zombies noch so ziemlich jeder überleben, so lebten in der Welt eines „Dawn of the Dead", in welcher die menschliche Population in etwa mit jener der Zombies gleichzusetzen war, bereits nur noch hartgesottene Menschen, die zumindest aber noch über ein Solidaritätsgefühl verfügten und auch sonst soziale Tendenzen aufwiesen. In „Zombie 2", in welchem in einer von Zombies dominierten Welt nur noch wenige Menschen leben, geht es nur noch um das reine Überleben und Funktionieren. Arschlöcher haben überlebt. Wer Sympathiefiguren sucht wird als Zuschauer hoffnungslos von Romero sitzen gelassen. Den Menschen in "Zombie 2" fehlt jeder empathische Impuls, jegliche Humanität, sowohl auf Seiten der Wissenschaftler, als auch auf jener der Soldaten. Jeder hat Schrecklichstes erlebt, nur die Gnadenlosesten konnten sich in einer solchen Welt über Wasser halten.

Wer es schafft ohne Sympathiefigur dem Treiben auf dem Bildschirm zu folgen, wird mit einem tollen Film belohnt der meist gekonnte Dialoge enthält, die großartige Geschichte der beiden Vorgänger konsequent weiter erzählt, insbesondere im Bereich der Intelligenz der Kreaturen, und dank eines passablen Budgets gibt es auch genug Futter für das Auge des Fans harter Horrorkost. Die Zombies sind ein Augenschmauß und an Goreeffekten wird wahrlich nicht gespart.

Mit Blick auf dieses Werk scheint die aufgeworfene Frage aus Teil 2, ob der Mensch oder die Zombies die wahren Monster sind, beantwortet zu sein. Interessiert darf man mit ansehen wie beide Fronten Mensch sich mit Arroganz und Verachtung gegenüber stehen und einander reizen und sticheln. Augenzwinkernd arbeitet Romero mit der Provokation, dass der scheinbar intelligenteste Mensch der kleinen Gruppe gleichzeitig auch der fragwürdigste ist. Seine Experimente mit den Toten werden mit ethisch völlig indiskutablen Mitteln durchgeführt und mit wirren Worten vor den Augen der Entsetzten verteidigt.

Ohne Romeros drei legendäre Filme hätte es das Zombie-Sub-Genre, so wie wir es heute kennen, nie gegeben. Zwar konnte er das hohe Niveau dieser Werke in der neuen Zombiewelle nicht wieder erreichen, sein „Land of the Dead" war ganz im Gegenteil eine herbe, undurchdachte Enttäuschung, aber die Teile der Ur-Trilogie werden immer die Vorlage dessen sein welche drei Möglichkeiten bestehen einen Zombiefilm zu erzählen. Der gern unterschätzte „Zombie 2“ ist der hoffnungsloseste Teil der Reihe, auch wenn „Dawn of the Dead“ in seiner Dramaturgie wirksamer umgesetzt war als der hier besprochene Film. Der hatte es mit Sympathiefiguren im Gepäck aber auch leichter einen Zugang zum Publikum zu finden. Das Fehlen dieser im Abschluss der Trilogie hilft uns dabei die Zombiewelt so zu sehen wie sie ist, so dass der Mensch sich mehr vor seiner eigenen Spezies ekelt als vor all den vielen Gewalttaten, die Teil 3 enthält. Hoffentlich war sich Romero darüber bewusst wie psychologisch genial seine konsequente Weiterführung der fortlaufenden Idee auf das Publikum zu wirken wusste.


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