Montag, 11. April 2016

BYLETH - DER DÄMON MIT DEN BLUTIGEN FINGERN (Byleth 1972 Leopoldo Savona)


Barbara kehrt heim aufs Schloss ihrer verstorbenen Eltern. Ihr Bruder Linello kann sein Glück kaum fassen seine heißgeliebte Schwester endlich wiederzusehen. Um so bitterer ist für ihn die Information, dass Barbara geheiratet hat. Während der sensible, seine Schwester liebende, Linello daran zerbricht und wie schon damals als Kind beginnt unter Blackouts zu leiden, kommt es gleichzeitig vor Ort zu einigen mysteriösen Morden an jungen Frauen, die Parallelen aufweisen zu den Methoden des Dämons Byleth...


Böser Zorro...

Ob Linello übel mitgespielt wird, ob er wahnsinnig ist, oder ob er von einem Dämon besessen ist, ist ein mögliches Verwirrspiel für das sich Regisseur Leopoldo Savona nicht wirklich interessiert. Überraschender Weise erzählt er seine Geschichte ziemlich gerade heraus, spart mit nennenswerten Überraschungen und führt die Ereignisse so zu Ende, wie man es als Zuschauer erwartet und wie es scheinbar für die Figuren vorherbestimmt ist. Manch einer mag das wenig aufregend finden, zumal die komplette Geschichte ziemlich unaufgeregt erzählt ist. Es fehlt an Spannungsmomenten, und wer glaubt mit „Byleth - Der Dämon mit den blutigen Fingern“ einen harten Vertreter der Gattung Horrorfilm vorliegen zu haben, der wird sich wundern wie zahm die Morde inszeniert wurden und wie sanft der Film erzählt ist.

Nun ist „Byleth - Horrorsex im Geisterschloss“ (Alternativtitel) auch nicht einfach ein Horrorfilm. Im Prinzip ist er ein recht merkwürdiger Mix aus Erotik, Drama, Horror und Maskenfilm, spielend zu einer Zeit in welcher die Eisenbahn gerade erst erfunden wurde, und ein übernatürliches Element in die Geschichte erst sehr spät einbringend, weit über die erste Filmhälfte hinaus. „Byleth“ (Originaltitel), der Savonas letzte Regiearbeit sein sollte und der in Deutschland seinerzeit unsinniger Weise als „Trio der Lust“ veröffentlicht wurde, schaut sich ungewohnt, nicht unsympathisch und uninteressant, aber doch nie interessant genug um von einer wahrlich aufregenden Dramaturgie oder Inszenierung zu sprechen.

Zwar gewinnt der Streifen durchaus Sympathie durch seine wunderschöne Fotografie, den gelungenen Kostümen und dem großzügigen Set-Design, und auch seine pure italienische Art ist definitiv ein Pluspunkt, gerade was die Freizügigkeit der weiblichen Darsteller betrifft. Aber wer mit Genre-üblichen Erwartungen heran geht oder womöglich einen waschechten Giallo erwartet, der wird sicherlich enttäuscht sein, wenn er sich während des Sichtens nicht auf etwas anderes als erwartet einstellen kann.

Kann man dies jedoch, erlebt man ein Werk bei dem man nicht wirklich einschätzen kann ob das sensibel aufgegriffene Drama den Hauptcharakter betreffend provozierender Natur sein soll oder einfach nur Empathie für ein Tabu-Thema erzeugen soll. Denn das Drama steht als Genre im Mittelpunkt, und in deren Zentrum steht ein seine eigene Schwester begehrender Bruder. Die düstere, rätselhafte Vergangenheit der beiden bildet ein Mysterium, die Morde umweht ein Geheimnis und die Aussetzer des sensiblen Helden schüren Verdacht.

Ein Psychologe und ein Kriminologe kommen ebenso zu Wort wie ein Geistlicher, und doch ist egal wer Recht behält, ändert dies doch nichts am vorgeschriebenen Schicksal Linellos, welches am Ende nicht nur überraschungsfrei konsequent eingehalten wird, sondern uns mit der Erfüllung dieses Schicksals auch einen viel zu plötzlich einsetzenden Schluss beschert, der einen ziemlich unsensibel aus dem Film herauskatapultiert. Das dürfte die einzig unsensible Stelle innerhalb eines Dramas sein, das gar nicht so intensiv gefühlsbetont ausgefallen ist, wie es sich vielleicht zunächst lesen mag.

Sicherlich lernen wir die Figuren gut kennen und nehmen intensiv Teil am Leiden der Hauptfigur, und doch ist „Byleth“ stets distanziert erzählt, so dass man unaufgeregte, nüchterne Kost mögen muss, um etwas mit diesem theoretisch fabelhaft inszenierten, aber doch arg ereignislosen Film anfangen zu können. Ich für meinen Teil fand ihn nicht nur theoretisch interessant, mir hat Savonas Film auch unterhaltungstechnisch schlicht gefallen, eben weil ich aufgrund der starken Gewichtung des inzestiösen Anteils der Geschichte finde, dass der Stoff eben doch nicht so seicht ausgefallen ist wie er sich vordergründig schaut. Genau in dem Zusammenspiel sanfter Gelassenheit und seinem empathisch aufgefangenen Tabuthema liegt meiner Meinung nach der Reiz eines Streifens von dem viele etwas anderes erwartet haben werden als Savona zu bieten bereit ist.


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