Samstag, 9. April 2016

DON'T ANSWER THE PHONE! (1980 Robert Hammer)


Eine Psychiaterin hilft der Polizei bei der Suche nach einem Serienkiller, da dieser sie in ihrer therapeutischen Radiosendung des öfteren anruft...


Wer dem Telefon antwortet sollte vorher den Hörer abnehmen, um nicht als geisteskrank zu gelten...

Ein schwer atmender Mörder im Dunkeln a la „Halloween - Die Nacht des Grauens“, ein unbekannter Anrufer a la „Das Grauen kommt um Zehn“, ein fotografierender Wahnsinniger a la „Augen der Angst“, Robert Hammer nimmt vielerlei Einflüsse erfolgreicher US-Produktionen in seine einzige Regiearbeit auf, taucht sie inszenatorisch in einen Mix aus routinierter 70er Jahre Krimiserie und dem dreckigen Touch eines „New York Ripper“, der erst kurze Zeit später die Lichtspielhäuser heimsuchen sollte. Dieses Sammelsurium wird zudem angereichert um den typisch US-amerikanisch-bieder ausgefallenen Hauch Erotik, und heraus kommt der für alternativen Geschmack interessant klingende „Todesschrei am Telefon“ (Alternativtitel).

Leider will dieser nicht nach Mainstream lechzende Thriller aber so gar nicht funktionieren. Hoffte ich insgeheim auf einen Giallo-Einfluss, wie man ihn z.B. bei „Fröhliche Weihnacht“ und „Terror Eyes“ erleben durfte, so bekam ich nicht einmal alternativ das naheliegendere Stück Routine Serienkillerfilm vorgesetzt, wie er typisch für amerikanische Kleinproduktionen wäre. Hammer kann sich nicht entscheiden was er wirklich mit dem absichtlich voyeuristisch ausgefallenen „Don‘t Answer the Phone“ erzählen will. Ständig wechselt er die Perspektiven zwischen Killer, Ermittler und Psychologin, vergeigt es gleichzeitig aber dass man bei einem von ihnen am Seelenleben teilhaben kann.

Ähnlich desinteressiert plätschert die eigentliche Geschichte vor sich hin, die nicht nur anhand unnötigem Füllmaterials, wie diversen Therapiesitzungen oder dem öden Techtelmechtel zwischen Cop und Psychiaterin, nie ein Weiterkommen aufzeigt, sondern auch durch den Mangel einer Steigerung an Ereignissen, Erkenntnissen oder einer erkennbaren Zuspitzung der Situation. Hammer reiht Szene an Szene, bis einem inmitten unsympathisch wirkender Charaktere trotz einer herrlich dreckig eingefangenen Großstadt die Lust am Zuschauen abhanden kommt, eben weil das alles zu uninspiriert und ziellos erzählt ist.

Meiner Meinung nach reißt auch der Killer nicht vom Hocker. Der hätte entweder anonym eingesetzt werden müssen zum Täterraten, oder seine Auftritte hätten mystischer ausfallen müssen, dann hätte er aber nicht all zu menschlich dargestellt werden dürfen. Stattdessen schwafelt er immer wieder, kichert bemüht aber zu angestrengt psychopatisch und hebt fleißig Gewichte, was sein ohnehin schon Proleten-artiges Auftreten unterstützt - ein Bild eines Killers das mit der Realität sicher mehr zu tun hat als mit der Art Mörder die ich in Filmen mag, aber auf der Leinwand eben auch nichts hermacht.

Sicherlich hätte „Das Telefon - Bei Anruf Horror“ (Alternativtitel) schlechter ausfallen können, immerhin wird die Chose nie all zu peinlich in Szene gesetzt, ein gewisses Grundniveau hält Hammer durchaus ein. Aber das Ganze schaut sich so unglaublich langweilig, gewollt sleazy und doch zu uninspiriert und ereignislos, als dass einen der hier vorgelebte Sadismus oder die lässige Art der Ermittlungen ernsthaft berühren oder interessieren könnten. „The Hollywood Strangler“ (Alternativtitel) lässt das Publikum kalt, dabei möchte er auf Krimi-Art so unglaublich gerne schocken. Pech gehabt! Ziel verfehlt!


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