Samstag, 23. April 2016

DIE PEANUTS - DER FILM (The Peanuts Movie 2015 Steve Martino)


Der Junge Charlie Brown verliebt sich in ein Mädchen das im Haus gegenüber eingezogen ist. Da ihm der Ruf des Verlierers voraus eilt, versucht Charlie dem rothaarigen Mädchen das Gegenteil zu beweisen, solange es noch nichts von seiner Vorgeschichte weiß...


Roter Baron, rote Tomaten, rothaariges Mädchen...

Als ich damals laß, dass Charles M. Schulz verfügte, dass nach seinem Tod keine Comics und Filme mehr über die Peanuts neu angefertigt werden dürften, hielt ich dies für eine beispielhafte Entscheidung, um ein Lebenswerk zu schützen. Ich habe keine Ahnung wie diese Verfügung umgangen wurde, aber nur wenige Jahre nach seinem Tod begann ein neuer Zeichner Comics um die Kindergruppe rund um Charlie Brown und Snoopy zu zeichnen. Ich habe sie nie gelesen, war ohnehin kritisch ob das eine gute Idee ist, und als es dann auch noch hieß dass ein Peanutsfilm im Computeranimationsverfahren angefertigt werden sollte, hielt ich dies erst recht für keine gute Idee.

Erste Bilder zum Film stimmten mich um. Mir gefiel es wie der alte zweidimensionale Zeichenstil liebevoll für die Computeranimation in kraftvollen Farben beibehalten wurde und Optimismus machte sich breit. Wissendlich dass es nur einen wirklich geglückten Langfilm zu den berühmten Comics von Schulz gibt, „Snoopy, Come Home“, und nur einen recht nett ausgefallenen, „Charlie Brown und seine Freunde“, wohingegen andere Werke wie „Gute Reise, Charlie Brown“ und „Lauf um dein Leben, Charlie Brown“ viel zu langatmig ausgefallen sind, wuchs meine Erwartungshaltung dennoch das neue Projekt betreffend, könnte ein leicht flotterer, moderner Stil den so sympathischen Comics im Langfilmbereich doch ähnlich gut tun wie es die Modernisierung „Muppets Tonight“ der etwas veraltet geratenen Muppetstruppe tat.

„Die Peanuts - Der Film“ ist wahrlich liebevoll und mit Respekt vor der Arbeit Charles M. Schulz‘ ausgefallen. Die Optik bereitet Freude und ermöglicht gerade in den Fliegerszenen Snoopys neue Möglichkeiten. Und auch so ziemlich jeder Running Gag der Comics findet seinen Platz, anfangs vielleicht ein wenig zu bemüht vollgeknallt mit diesen. Trotzdem will der neue Peanutsfilm nicht so recht funktionieren. Mag sein dass es daran liegt dass jeglicher Mut inhaltlicher Veränderung fehlte und man das hier Gesehene längst in vergangenen Peanuts-Werken miterleben durfte. Viel eher schadet dem Film jedoch seine fehlende wirkliche Geschichte, dient der Plot um das Verlieben in das rothaarige Mädchen doch lediglich der Grundlage zu einer Aneinanderreihung diverser Episoden, die eine durchgehende Geschichte vorgaukeln sollen.

Somit kommen schnell Ermüdungserscheinungen beim Sichten all dieses Altbekannten im neuen Gewand auf, optisch zwar frisch und liebevoll gestaltet, inhaltlich aber auf Dauer uninteressant, da zu wiederkäuernd, wenn auch nicht anbiedernd wirkend. Zwar versucht man mit einigen überraschend kompatiblen Slapstickmomenten der ganzen Sache mehr Zunder zu bescheren, aber solche Aktionskomik täuscht auch nur schwer über fehlenden Inhalt hinweg. Sicherlich ist es schön die vielen liebenswerten Figuren aus seiner Kindheit wiederzusehen, und wer will nicht Snoopy an der Schreibmaschine sitzen sehen, Lucy als Browns Psychiaterin erleben oder sie über Hundebazillen losschreien hören, wenn Snoopy ihr Gesicht abgeleckt hat?

Aber all diese charmanten Running Gags füllen noch kein Werk auf Spielfilmlänge. Letzten Endes sind weder die Comicstrips noch die wundervollen Kurzfilme der Peanuts dafür geeignet Vorlagenstoff für eine längere Geschichte zu sein. Den Peanuts gehört die Kürze. In dieser leben sie auf und wissen bestens zu unterhalten. Werke wie „Wer hat das Nest geklaut, Charlie Brown“ und „Snoopys Alptraum“ sind Highlights auf 20 Minuten-Basis. Aber auch sie würden zu Mittelmaß degradiert werden, wenn man ihnen Spielfilmlänge bescheren würde.

Man kann „Die Peanuts - Der Film“ wirklich nicht vorwerfen ein seelenloses Produkt für den schnellen Dollar zu sein. Die Synchronisation ist von der Stimmauswahl her etwas besser ausgefallen als manch vergangene Deutschvertonung. Und seltene Tabubrecher, wie der fast schon geniale Gag Pig Pen aufgrund äußerer Umstände einmal ohne Staubwolke zu zeigen, sorgen bei aufgeschlossenen Fans der Comics sicherlich auch nicht für Missstimmung.

Theoretisch ist der Film, abgesehen von seinem etwas zu süßlich geratenen Ende, positiv kalkuliert angegangen. Aber das bleibt leider Theorie. „Die Peanuts - Der Film“ besitzt zu viele Längen um wirklich gefallen zu können. Und ich kann mir nicht helfen, aber während des Sichtens habe ich mir trotz der tollen Optik doch wieder den alten Zeichenstil zurückgewünscht. Wahrscheinlich kann man es mir einfach nicht recht machen.


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