Sonntag, 17. April 2016

FLEISCH (1979 Rainer Erler)


Sie sind frisch verheiratet, kommen in einem Honeymoon-Motel unter und haben frisch Liebe gemacht, da kommt urplötzlich ein Krankenwagen angefahren und schnappt sich den Gatten Mike. Die Braut Monica kann entkommen, sonst hätte man auch sie mitgenommen. Zusammen mit dem LKW-Fahrer Bill versucht Monica herauszufinden warum Mike entführt wurde...


Fleisch für Dr. Jackson...

Nach dem in jeglicher Hinsicht gelungenem 9 Jahre zuvor entstandenen TV-Film „Die Delegation“ habe ich von Rainer Erlers „Fleisch“ wesentlich mehr erwartet als einen schlichten Thriller, der das für seine Zeit für Aufregung sorgende Thema Organhandel lediglich für eine schockierende Wende einer rätselhaften Geschichte nutzt, also einzig zu Unterhaltungszwecken und weit davon entfernt erneut einen intelligenten Stoff abzuliefern.

Stattdessen suhlt der Film pausenlos in Klischees, angefangen bei der zwielichtigen Motelbesitzerin, weitergeführt mit dem solidarischen Netzwerk der Truckfahrer und mündend in einer Auflösung um Reue, Verrat und diversen weiteren lauwarmen Zutaten für Stangenware aus Kriminal- und Mafiafilmen.

Dass die weibliche Hauptrolle mit ihrem höchst unsinnigen Handeln nervt, hätte man noch als Charaktereigenschaft auslegen können. Aber spätestens im letzten Drittel häufen sich auch die Patzer des Drehbuchs in Sachen Glaubwürdigkeit und Unlogiken, z.B. dann wenn man die Art und Weise der Polizei verfolgt, mit welcher sie die Maulwürfe bei ihrer Arbeit (nicht) begleitet.

Zwar inszeniert Erler nicht sonderlich reißerisch, sondern lässt auf überraschende Weise einfach passieren was passiert, letztendlich lebt seine Auflösung jedoch von viel zu vielen günstigen Zufällen und weiteren unangenehmen Klischees, als dass ich dieses, einen recht guten Ruf besitzende, Werk als ernsthafte Basis um über Organhandel zu diskutieren ernst nehmen könnte. Meiner Meinung nach weiß „Fleisch“ nicht einmal als Unterhaltungsfilm zu funktionieren, auch wenn er manch gelungene Momente besitzt.


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