Dienstag, 19. April 2016

FPS - FIRST PERSON SHOOTER (2014 Andreas Tom)


Ein Mann kämpft sich in einem Schutzanzug durch ein Zombie-verseuchtes Krankenhaus auf der Suche nach seiner schwangeren Frau, die dort heute ihren letzten Tag als Krankenschwester gearbeitet hat und nicht nach Hause kam...


Das erzählte Spiel...

In „Doom - Der Film“ gab es seinerzeit eine Ego-Shooter-Sequenz zu sehen als Anlehnung an das Computerspiel gemeint, auf welchem der Film basierte. „FPS: First Person Shooter“ versucht nun eine solche Optik auf kurzer Spielfilmlänge von etwas über 70 Minuten zu übertragen, was aufgrund der großen Beliebtheit solcher Spiele nach einer reizvollen Idee klingt. Da sie von deutschen Amateurfilmern ausprobiert wird, macht man automatisch Abstriche in der Erwartungshaltung, kann der Film doch unter diesen Vorraussetzungen nicht sehr viel mehr werden als ein Experiment.

Meiner Meinung nach ist es eines was gescheitert ist, denn ein Computerspiel vorgespielt zu bekommen ist nie so aufregend wie es selbst zu spielen. Zwar weiß die liebevoll an veraltete Computerspiele orientierte Optik zunächst zu gefallen, zumal sie nicht programmiert ist sondern großteils mit echten Schauspielern real abgefilmt, aber sie langweilt wenn sie eine (längere) Geschichte erzählen soll. Zwar versucht man das ganze Geschehen visuell interessanter zu gestalten, indem man sich Mühe bei den Zombies und den Goreeffekten gibt, die sind tatsächlich nett ausgefallen, aber das macht einen Handlungsverlauf, der so monoton ist wie der Ablauf der Spiele an denen man sich orientiert, nicht interessanter.

Dass ein Computerspiel auch beim Zuschauen einen gewissen Reiz ausüben kann, liegt nicht am reinen Miterleben, es ist der Dialog mit dem Spieler, eventuell auch das gemeinsame Lösen im Spiel gestellter Rätsel, welches dabei hilft mitzufiebern. In einem Film, in welchem der Spieleablauf ohne unser Zutun nur theoretisch simuliert wird kommt solche Stimmung jedoch nie auf. Das könnte im geringen Maße vielleicht sogar passieren, wenn der Held von „FPS“ nicht so dämliche Texte in peinlicher Stimme vor sich hergrummeln würde, so als müsse man pausenlos Bruce Wayne in seiner harten Batman-Stimme zuhören. Die Hauptfigur versprüht keinerlei Charme, und auch auf primitivere Ebene identifiziert man sich nicht mit ihr, oder ist rein inhaltlich an ihren Erlebnissen, geschweige denn an ihrer Gefühlswelt interessiert.

Wenn ein Film dieser Art funktionieren könnte, und daran zweifel ich sehr, müsste genau dieses seelenlose Identitätsproblem behoben werden. Dafür müsste man einen FPS 2.0 entwickeln, möglichst angegangen von Leuten die ein wenig Leben in einen Film hauchen können. Dafür sind Amateurfilmer in der Regel die falsche Wahl. So theoretisch vielversprechend „FPS“ auch ausgefallen ist, nach einem nostalgisch sympathischen Einstieg im C64-Look ist der Streifen nur noch dröge, monoton und somit total langweilig, so dass die blutigen Schauwerte auch nichts reißen können. Die peinliche Stimme mit gehaltlosem Gebrabbel geben dem Experiment schließlich den Todesstoß. Bei solch einem Ergebnis gebe ich nicht einmal einen großzügigen Amateurfilm-Bonus. Ohne Wachmacherpillen für Lastwagenfahrer ist der Streifen nicht aus- und durchzuhalten. Gute Nacht!


Weitere Reviews zum Film: 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen