Donnerstag, 26. Mai 2016

DAS GESICHT IM DUNKELN (A doppia faccia 1969 Riccardo Freda)


Ihre Ehe war unglücklich, beide hatten ihre Liebhaberinnen, aber als John seine Frau Helen bei einem Autounfall verliert zerbricht für ihn eine Welt. Die Polizei schließt ein Verbrechen nicht aus, und als Alleinerbe einer großen Firma ist John Hauptverdächtiger. Mysteriös wird die Sache jedoch erst als John über dubiose Umstände an einen erotischen Film gerät auf dem eine Frau zu sehen ist, deren Gesicht man zwar nicht erkennen kann, die aber Merkmale der Verstorbenen aufweist. Der Film soll nach Helens Unfall entstanden sein. John versucht die Hintergründe zu beleuchten...


Reiche trinken Tag und Nacht Whisky...

Bekanntlich geriet die legendäre Rialto-Wallace-Reihe in den 70er Jahren in italienische Hände, so dass die letzten Werke der Serie eher Giallo als klassischer Kriminalfilm waren. Der bereits 1969 unter italienischer Co-Produktion entstandene, hier besprochene Film kann sich diesem Sub-Genre Italiens nicht dazuzählen, eine jener klassischen Formen Kriminalfilm, wie die Wallace-Reihe sie zuvor bot, ist „Das Gesicht im Dunkeln“ jedoch auch nicht geworden. In seinem letzten Wallace-Film übernimmt erstmals Klaus Kinski die Hauptrolle. Es ist etwas ungewöhnlich ihn mit der Synchronstimme von Louis de Funès zu erleben, aber das beschert dem ungewöhnlichen Film, den man als Mystery-Thriller bezeichnen könnte, keinen Abbruch.

Mit dem Storyelement, dass eine Verstorbene scheinbar doch noch lebt, streift man zumindest den Gruselgehalt eines „Die Bande des Schreckens“ und Co, in seiner vollkommenen italienischen Art ist stilistisch jedoch sonst keine Parallele solcher Vorgänger auszumachen. Scheinbar erlebt man hier den klassischen Thriller a la Hitchcocks „Frenzy“, in welchem man einem Unschuldigen dabei zusehen muss wie ihm böse mitgespielt wird. Oder doch nicht? Zwar erleben wir jegliche Szene zusammen mit John, so dass wir immer erfahren was John erfährt, Regisseur Riccardo Freda, der auch am Drehbuch beteiligt war, lässt jedoch immer das Hintertürchen offen, dass wir nicht alles über die Hauptfigur wissen. Kann er trotz seiner unsterblichen Liebe für seine verstorbene Frau ihr Mörder sein?

Die Antwort erhalten wir erst am Schluss, und auch wenn die Geschichte etwas überkonstruiert und damit nicht flüssig in der Realität spielend wirkt, so weiß „Double Face“ (Alternativtitel) doch trotzdem zu gefallen, u.a. auch weil Freda, der u.a. auch für die Filme „Der Vampir von Notre Dame“ und die 64er Version von „Romeo und Julia“ verantwortlich war, seinen Film in eine sleazy Atmosphäre taucht. Das gerne bei schlechtem Wetter spielende Werk lümmelt sich in der Schmuddelszene herum, in welcher leichte Damen in Erwachsenenfilmen mitspielen, was dank des italienischen Mitmischens am Streifen auch nicht nur theoretisch thematisiert wird. Und auch die Methoden mit welchen John scheinbar immer mehr in den Wahnsinn herabrutscht sind mit ihren reißerischen Mitteln eher im Bahnhofskino zu Hause als im fast schon familientauglichen harten Trivialfilm, für welchen die Wallace-Reihe einst stand.

Vom Gewaltpegel her mag „Mit doppeltem Gesicht“ (Alternativtitel) harmlos ausgefallen sein, aber zumindest möchte Freda dem Zuschauer visuell nichts vorenthalten, so dass alles inklusive des auslösenden Autounfalls, so wie eine finale Tragik, in vollem Umfang gezeigt werden muss - leider mehr schlecht als recht mit Miniaturfahrzeugen getrickst, deren wahre Größe man ihnen sofort ansieht.

Doch trotz (und wegen) Fredas Dranges mit möglichst vielen quantitativen Mitteln seinen Stoff aufzupuschen, ist ein recht netter, schmuddeliger Thriller entstanden, dessen Auflösung einem trotz tatsächlich rätselhafter Geschichte zwar ziemlich egal ist, und der nie atmosphärisch so düster ausgefallen ist wie seine Bilder in denen er spielt. Aber einen gewissen Charme kann man „Puzzle of Horrors“ (Alternativtitel), dem völlig für sich stehenden Sonderling der Wallace-Reihe, nicht absprechen. „A doppia faccia“ (Originaltitel) mag kein Höhepunkt der Wallace-Reihe sein, aber er ist ein sympathischer Abschied Kinskis aus der Serie, in welchem er diesmal ungewohnt seriös spielen durfte.


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