Dienstag, 7. Juni 2016

ALL HALLOW'S EVE (2013 Damien Leone)


Sarah passt an Halloween auf die zwei Kinder einer Bekannten auf. Jemand hat dem 10jährigen Timmy eine VHS-Kassette anstatt Süßigkeiten in die Tüte gesteckt, darauf zu sehen sind Kurzgeschichten über sich in Lebensgefahr befindenden Frauen, in welchen stets ein psychopathischer Clown involviert ist...


Episoden-Horror auf die richtige Art...

Stammleser wissen es: ich bin kein Fan von Episoden-Filmen. Ob es nun Klassiker wie „Irrgarten des Schreckens“ sind oder modernere Werke wie „Chillerama“, sie kommen mir stets zu lückenhaft daher, hören auf wenn es am schönsten wird und bieten somit immer nur den Ansatz dessen was eine Langgeschichte bieten könnte. Auch der Versuch in „Amusement“ als Episoden-Horror zu beginnen, um das Ganze letztendlich doch in eine durchgehende Horrorgeschichte zu verwandeln, wollte bei mir nicht fruchten. Gelungene Beiträge dieser Art finde ich maximal ganz nett, verspielte Filme wie „Der Makler“ punkten bei mir mehr als sich zu ernst nehmende Werke.

Fast könnte man auch „All Hallow‘s Eve“ zu letztgenannter Kategorie nennen, würde Regisseur Damien Leone seine oft aufs Torture Porn-Publikum abzielenden Szenarien nicht immer wieder verspielt aufbrechen mit Horrorfilm-Klischees oder klassischen Ängsten des Publikums. Mal kommt sein Streifen bestialisch hart daher, mal wirkt er wie eine naive Fahrt durch eine Geisterbahn auf der Kirmes, oft ist er beides auf einmal. Das zeigt sich auch in der Figur des psychopathischen Clowns, die manchmal fast schon auf kindische Art für Schrecken sorgen soll, dann wieder so dämonisch erschreckend agiert, dass einem beim Zuschauen anders werden kann. Manches Mal weiß sein Terror ins Schwarze zu treffen, in anderen Momenten wirkt er doch wieder zu bemüht darin das Klischee des erschreckenden Clowns oder jenes des Augen aufreißenden Psychopathen zu erfüllen.

Dass sich „All Hallow‘s Eve - Komm raus und spiel“ (Alternativtitel) so erfrischend anders guckt, liegt an Leones Talent den allgemeinen Spannungsbogen meisterhaft zu beherrschen und an seinem Gespür zu erkennen welche Horrorelemente wirksam bei der hier dargebotenen Thematik sind und welche es nicht wären. Da seine Geschichten stets böse enden, ohne eine Finalsequenz zu benötigen, kann der Regisseur von diesem Vorteil zehren. Wie oft sind Horrorfilme in ihrer Aufbau-Phase spannend ausgefallen und bekommen im Finale den Bogen zu einem eben solch qualitativen Schluss nicht hin? In Kurzgeschichten muss man nicht zu viel erklären. Kurzgeschichten können urplötzlich enden. Eigenschaften die ansonsten meist der Hauptgrund dafür sind warum ich Episodenfilme meide, nutzt Leone zum Vorteil. Und das finde ich erstaunlich.

Leider ist die Deutschvertonung sehr mittelmäßig ausgefallen, und da kein deutscher Untertitel auf der von mir erworbenen DVD vorhanden war, konnte ich mit meinen mangelnden Englischkenntnissen auch nicht zum Originalton wechseln. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass „All Hallow‘s Eve“ auf englisch noch eine gute Spur intensiver daher kommt als in der synchronisierten Fassung, und das muss schon was heißen, wird er zartbesaiteten Personen doch sicherlich Alpträume bescheren, so nah wie Leone sich an deren Ängsten orientiert, in Szenarien die Alpträumen selbst nicht unähnlich sind.

Zwar ist zwei Jahre später die Fortsetzung „All Hallow‘s Eve 2“ erschienen, ob diese mit dem Original, welches genau weiß welche Knöpfe es beim Publikum drücken muss um dieses zu ängstigen, aufnehmen kann, bezweifel ich im Vorfeld sehr stark, mischen dort doch gleich mehrere Regisseure mit, und Leone ist gar nicht mehr mit dabei. Dennoch werde ich bei einer deutschen Veröffentlichung definitiv zugreifen. Immerhin war der hier besprochene Film tatsächlich mal eine angenehme Ausnahme in einem Filmkonzept welches ich ansonsten nicht sonderlich mag.


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