Dienstag, 7. Juni 2016

...UND NOCH NICHT SECHZEHN (1967 Peter Baumgartner)


Die auf sich allein gestellte 15jährige Rosy gerät über ihr großes Idol, die Sängerin Helen Sheira, in eine Spaß-orientierte Gesellschaft, in welcher es nur der Student Rolf ernst mit ihr meint...


Körperbemalung, Miniaturautorennen, Degenkampf gegen sich selbst...

Es ist ein wenig verwirrend. Peter Baumgartner lockt mit einer frivol klingenden Geschichte relativ zu Beginn der cineastischen Nackedeiwelle und bietet stattdessen eher einen distanzierten Einblick in das alternative Spaß-orientierte Nachtleben Deutschlands, die positiven wie die negativen Seiten ohne erhobenen Zeigefinger aufzeigend. Und doch ist der gar nicht mal frei von künstlerisch interessanten Ideen gestaltete Film zumindest heutzutage doch eher dem lüsternen als dem wahrlich cine-historisch interessierten Zuschauer zu empfehlen, so reißerisch wie er trotz aller Zurückhaltung seine amourösen Szenen präsentiert, und so notgeil wie sich hier jeder selbst dann verhält, wenn es nicht um das Eine geht.

Trotz eines gewissen Charmes macht der Film, u.a. auch durch seine überholten Retroreiz-befreiten Lieder, lediglich den Eindruck eines Altherren-Filmes, anstatt den Zeitgeist der Entstehungszeit wiederzugeben, was gerade die von einem tatsächlich roten Faden befreite Geschichte hätte erreichen können. Interessanter Weise hatte dies der wesentlich naiver ausgefallene und schlichter abgefilmte Ingrid Steeger-Erfolg „Ich - Ein Groupie“ geschafft. Baumgartners einzige Regiearbeit, die auch mal direkter angesprochenen als „Sex und noch nicht sechzehn“ vermarktet wurde und damit zur Verwechslungsgefahr mit dem gleichnamigen Erotikfilm aus dem Jahr 1972 wurde, erreicht dieses Ziel meiner Meinung nach nicht, wirkt sein Werk doch orientierungslos anstatt facettenreich und irgendwie auch lustlos und bemüht abgefilmt.

Das hat mich überrascht, besitzt „... und noch nicht 16“ doch nicht nur einen recht guten Ruf unter spezieller interessierten Cineasten um deren Meinung ich viel gebe, sondern weist die Inszenierung doch auch einige interessante Umsetzungsmethoden auf. Ob es die psychedellische Musikuntermalung und die dazu gehörenden Schnitte in der Szene der Körperbemalung sind, oder die sympathisch unsinnige Sequenz in welcher Rolf mit einem Stock gegen sich selbst einen Degenkampf ausführt, „...und noch nicht sechzehn“ hat ein paar Hingucker durchaus zu bieten.

Im Gegenzug zu diesen paar äußerst gelungenen Aufnahmen wirkt der Rest hingegen ziemlich lieblos abgefilmt, was im Zusammenhang mit dem weiter oben erwähnten Makel am Ende doch das falsch gelockte Publikum zu befriedigen, zu einer ernüchternden Bewährungsprobe der Geduld und des Intellekts wird. Ich für meinen Teil wundere mich zumindest darüber, dass manch einer in dem Film mehr zu sehen scheint als ein auf niedere Instinkte angelegtes Stück Langeweile, welches weder den Lüstling noch den Szene- oder Zeiteninteressierten Cineasten voll und ganz zu befriedigen weiß. Mag sein dass mir in diesem Falle der intellektuelle Zugang fehlt, andererseits bin ich eigentlich gerne bereit mich auf inhaltslos scheinende Werke diverser Filmepochen einzulassen. Es ist also beides möglich, sowohl dass mir der Zugang zu Baumgartners Debut verwehrt wurde, als auch dass es da gar nichts Besonderes wiederzuentdecken gab. Zuschauern, die mit der pseudo-frechen Musik etwas anzufangen wissen, bekommen aber sicherlich eher Zugang zu dem Werk als ich.


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