Dienstag, 7. Juni 2016

HERE COMES THE DEVIL (Ahí va el diablo 2012 Adrián Garcia Bogliano)


Die Kleinen wollten nur den Berg entdecken gehen, da gehen die zwei Kinder von Felix und Sol bei einem Familienausflug verloren. Die Polizei findet sie zwar wieder, aber die Schwester und ihr Bruder haben sich verändert. Zunächst vermuten Felix und Sol ein Sexualverbrechen und denken die Kinder verhalten sich deshalb verstört, aber Sol stößt auf einen noch düsteren Hintergrund...


Ein Film über das Eindringen...

Es ist schön dass es noch Horrorfilme gibt, die wirklich etwas erzählen wollen und nicht einzig der aktuellsten Mode ohne Innovationen zu setzen hinterherrennen. Zwar kann man auch von „Here Comes the Devil“ behaupten, dass es seine Geschichte in der ein oder anderen Variante schon des öfteren gegeben hat, aber die Methode mit welcher Bogliano durch den Film führt fühlt sich eigenständig an. Und da sein Genrebeitrag ein Werk für Erwachsene ist, nimmt man gerne seine Hand und lässt sich von ihm durch eine unheimliche Geschichte führen, die erst so nach und nach ihre Wahrheiten ans Tageslicht bringt.

Nicht nur dass Bogliano den Zuschauer für in der Lage hält mitzudenken, gleiches traut er auch jeglicher Figur der Geschichte zu, was zu verschiedenen Blickwinkeln und Schlussfolgerungen führt. „Here Comes the Devil“ handelt in vielerlei Hinsicht vom mangelnden Dialog, egal ob es jener ist der partout nicht möglich ist, wie die fehlenden Aussagen der traumatisierten Kinder, ob es die nicht mitzuteilenden Geheimnisse sind, wie das Schweigen der Mutter in ihrer Küche bei einem Besuch jenes Polizisten, der einst ihre Kinder fand, oder jenes aus der Angst oder Unsicherheiten entsprungenen Schweigens, von welchem man im Nachhinein hofft es wäre zu irgendeinem Zeitpunkt durchbrochen worden.

Auch der in meiner für die Review im Titel entschiedene Begriff des Eindringens wird in einer Vielfältigkeit ungenannt aufgegriffen. Die Kinder dringen in eine Höhle ein, der Verdacht dass wer in die gerade in die Menstruation gekommene Tochter eingedrungen ist wird thematisiert, das darauf folgende Eindringen in die Privatsphäre eines Dritten zu Rachezwecken folgt dem auf dem Fuß, und die Äußerung des Tankstellenbesitzers auf dem Berg würden Wesen hausen, die in die Körper von Menschen eindringen ist ein weiterer Bereich der dieses Wort thematisiert.

Esoterisches Gelaber, Wichtigtuerei oder der wahre Hintergrund aller Ereignisse? Was auch immer, aber der Unheil prophezeiende Tankwart ist eines der wenigen Klischees dessen sich Bogliano bedient, und selten wirkte es so gar nicht lächerlich wie in diesem seine Geschichte ernst nehmenden Streifen.

Dass „Here Comes the Devil“ auf seine sehr ruhig erzählte Art so intensiv funktioniert, liegt daran dass der Regisseur nicht nur eine mit Sex und Gewalt angereicherte erwachsene Geschichte erzählt, er geht auch mündig und erwachsen mit dem Zuschauer um. Emotional muss man als Zuschauer einiges erdulden, Bogliano packt uns nicht in Watte, stellt uns ganz klare Wahrheiten vor die Nase, ob wir sie wahr haben wollen oder nicht, und zerrt damit wesentlich mehr an den Nerven des Zuschauers als es der Schock über blutige Perversitäten je könnte. Kommt es im hier besprochenen Film mal zu solchen Szenen, wirken sie auch gleich viel drastischer und intensiver als in einem Film, der solche Bilder inflationär und im psychologisch undurchdachten Rahmen verwendet.

„Here Comes the Devil“ präsentiert alles in der richtigen Mixtur, erzählt seine Geschichte in einem düsteren und dramatischen, geradezu unheilvollen Grundton und lässt den Zuschauer immer nur in kleinen Schritten die Lösung des Geheimnisses von dem er erzählt entdecken. Sicherlich gibt es auch vorhersehbare Momente, dazu zählt meiner Meinung auch das Schluss-Szenario. Aber durch seine psychologisch durchdachte Art und dem erwachsenen Hintergrund wissen selbst solche Momente dennoch zu wirken. „Here Comes the Devil“ mag sich in seiner letzten viertel Stunde nicht mehr so intensiv anfühlen wie zuvor, etwas besser hätte das Finale umgesetzt werden können, aber es ist durchdacht und konsequent umgesetzt. Und das macht es bereits wieder wett. Es ist schön, dass es noch solch reife Genrebeiträge mit einer erzählenswerten Geschichte gibt wie diesen hier.


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