Samstag, 11. Juni 2016

DER HUND VON BLACKWOOD CASTLE (1968 Alfred Vohrer)


Zwielichtige Gestalten tummeln sich rund um Blackwood Castle, seit der Besitzer Kapitän Wilson verstorben ist. Die junge Alleinerbin Jane weigert sich das Schloss zu verkaufen, was dem Nachlassverwalter so gar nicht gefällt, der nach eigenen Interessen zu handeln scheint. Als auch noch die Leiche eines vermissten Gastes des benachbarten Hotels auftaucht, ruft dies Scotland Yard auf den Plan, vertreten durch Sir John höchstpersönlich...


Von Baskerville nach Blackwood...

Schrieb ich in meiner Besprechung zu „Der Gorilla von Soho“ bei meiner aktuellen Rückwärtssichtung der Rialto-Wallace-Reihe (bei welcher „Im Banne des Unheimlichen“ ausgelassen werden musste, da er mir noch nicht vorlag), dass Vohrer gar nicht mehr versucht den dunklen Grusel-Krimi-Touch der beliebten Schwarz/Weiß-Vertreter der Reihe, der er angehört, zu erreichen, so lebt „Der Hund von Blackwood Castle“, der im selben Jahr erschien, ganz im Gegenteil, gerade von dem Versuch die stimmige Gruselatmosphäre der alten Beiträge mit den Pluspunkten der peppigeren späten Welle zu vereinen.

Die Sumpflandschaft und das Schloss sind dafür wunderbare Spielorte, darf die Nebelmaschine draußen doch Höchstleistungen erzielen, während die Stimmung drinnen von der kargen, da heruntergekommenen Ausstattung profitiert, was als kostengünstige Angelegenheit Produzent Wendlandt sicherlich nicht traurig gestimmt hat. Auch die Geschichte selbst könnte mit all ihren zwielichtigen Personen, unheimlichen Vorkommnissen und der unüberschaubaren Situation aus der frühen Phase der Serie stammen, zumindest wenn da nicht das farbenprächtige Abdrehen und der albernere Grundton wären, die wiederum geradezu typisch für die Buntphase steht.

Auch „Der Hund von Blackwood Castle“ ist noch weit von dem völlig überzogenen Stil des leider unterschätzten „Der Mann mit dem Glasauge“ entfernt, er bietet dem Zuschauer aber zumindest mehr fürs Auge als der im Vergleich recht zahm ausgefallene Gorilla-Film, der ein wenig zu Original-verliebt die erste Rialto-Verfilmung des Stoffes, „Die toten Augen von London“, nacherzählte. „Der Hund von Blackwood Castle“ mag alle typischen Eigenschaften eines Rialto-Wallace beinhalten und sich auch sehr bewusst an die Sherlock Holmes-Geschichte „Der Hund von Baskerville“ anlehnen, seine Eigenständigkeit kann man ihm dennoch nicht abstreiten, steckt er doch voller eigenständiger skurriler Ideen wie dem ominösen Schachspiel, dem Geheimnis um die Leiche des Kapitäns und dem höchst ominösen Mordwerkzeug mit welchem der titelgebende Hund seine Opfer ins Jenseits befördert.

Auch der menschliche Part steht dem in nichts nach, wenn ein Haufen Zwielichtiger auf eine Gruppe harmlos scheinender Rentner stößt, und mitten drin der zu Zoten neigende Sir John ermittelt, der gleich seine Sekretärin mitgebracht hat, die für so mancherlei frivolen Spaß sorgt. Mit die interessanteste Rolle hat der hier zum letzten mal in einem Wallace-Film mitwirkende Heinz Drache erwischt, der so spielfreudig seiner einfallsreich charakterisierten und undurchschaubaren Figur Leben einhaucht, dass man sich zu Recht fragen darf warum er danach nie mehr auftauchte.

Wovon sich „Der Hund von Blackwood Castle“ ganz entscheidend von seinen Vorgängern unterscheidet, ist der Aufbau der Geschichte, der sich für seine Vorgeschichte sehr viel Zeit nimmt, bevor mit Sir John erst nach fast einer halben Stunde Scotland Yard ins Geschehen tritt. Selbstverständlich gibt es bereits zuvor so manche Tode mitzuerleben, eine Leiche wird jedoch erst aufgefunden, wenn sich wer Drittes in eine bereits routiniert durchgeführte Mördermasche einmischt und dafür sorgt, dass der Körper des zuletzt Ermordeten nicht unentdeckt entsorgt werden kann.

Allein dieser Ausgangspunkt sorgt für genügend Rätsel die gelöst werden müssen. Und es bereitet viel Freude dabei zuzusehen, wie aus einer völlig verspielten, den Kriminalfall zu keiner Zeit ernst nehmenden Geschichte, eine halbwegs logische Auflösung wird, freilich betrachtet innerhalb des völlig irrsinnigen mit Zwielichtigkeiten überfrachteten Wallace-Universums. Mag die Motivation der zentralen Figur sich auch im Finale noch zum x-ten Mal überraschend wandeln und der eigentliche Auslöser der ganzen Chose ein recht umständlicher Plan sein, der nur aus der Feder von Pulp-Autoren stammen kann, innerhalb dieses Comic-Flairs herrscht jedoch so etwas wie ein nachvollziehbares Ende, das sich nicht in billige Ausflüchte rettet, sondern konsequent und lückenlos das beendet, was zuvor aufgekocht wurde.

Als großen Wurf der Spätphase würde ich „Der Hund von Blackwood Castle“ nicht bezeichnen, aber er gehört zu den charmanten Vertretern dieser Zeit, dem man zumindest zugestehen kann, dass er versucht hat ein Rest-Flair der ersten Dekade wieder aufzugreifen. Engstirnige Befürworter der Schwarz/Weiß-Phase, die mit ihren Vorurteilen der Buntphase nie eine wirkliche Chance gegeben haben, werden dies als gescheitert betrachten. Ich hingegen finde den ungewöhnlichen Mix beider sehr unterschiedlicher Stilmittel reizvoll, und die Geschichte, mit welcher dieses Experiment gewagt wurde, interessant und kurzweilig.


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