Donnerstag, 9. Juni 2016

WHEN ANIMALS DREAM (Når dyrene drømmer 2014 Jonas Alexander Arnby)


Nachdem Marie übermäßig haarige Stellen an ihrem Körper entdeckt, weiht ihr Vater sie in ein Geheimnis ein. Ein Familienfluch lastet auf dem jungen Ding, und nur Medikamente können verhindern dass sie sich in nächster Zeit in eine wütende, reißende Bestie verwandelt. Aber Marie rebelliert und möchte die Medikamente nicht nehmen. Dies ruft die Dorfbewohner auf den Plan, die mit Maries Vater einen Deal eingegangen sind, den er mit dem Widerstand seiner Tochter nicht einhalten kann...


Marie Snaps...

Dass der Körper eines Teenagers sich im bestialischen Wandel befindet, mussten schon viele jugendliche Protagonisten erfahren. Egal ob humoristisch angehaucht wie in „Teen Wolf“, „Ginger Snaps“ und Co oder ernsthaft herausgearbeitet wie in „Mirror Mirror“, „Return of the Living Dead 3“ und Co, der Sprung in die Erwachsenenwelt oder das Hineinwachsen in die Gefahr davor („Zeit der Wölfe“, „Valerie - Eine Woche voller Wunder“, ...) wird immer wieder gerne über Horrorsymbolik thematisiert und kann durchaus tiefgründig, wenn psychologisch durchdacht durchleuchtet, gekonnt aufgegriffen und damit auch in der x-ten Wiederholung zu einem wertvollen Filmbeitrag werden.

Ähnliches schwebte Jonas Alexander Arnby wohl vor, als er seinen als Kunstfilm ausgearbeiteten „When Animals Dream“ gedreht hat. Wenn man aber ohne eigene Gedankenansätze nur grob wiederkäuert was andere schon vor einem abgeliefert haben und man gleichzeitig durch den Drang etwas wahrlich künstlerisch Wertvolles abzuliefern die Dramaturgie vernachlässigt, dann bleibt am Ende ein gewolltes Werk, welches sich emotionale Distanz wünscht, dem Zuschauer damit die Empathie zu Marie verweigert und später, wenn er aus seinem nüchternen Schatten heraustritt um doch noch Dramatik zu entfachen, bemüht theatralisch anstatt menschlich bewegend wirkt.

„When Animals Dream“ gibt sich nach außen sehr bedeutungsschwanger, klappert aber unreflektiert das ab was andere Werke bereits besser herausgearbeitet haben. Einen Film in einen künstlerisch gewollten Farbton zu setzen und in einen melancholischen Grundton zu tauchen macht noch keinen tiefsinnigen Film. In seiner zu langsamen, bedeutungslosen, da psychologisch nicht durchdachten, Art wird der bemühte Streifen zum Langeweiler. Wenn sich am Ende zwei Verbündete gefunden haben, bekommt dies nie die emotionale und intellektuelle Gewichtung eines „Let Me In“, das Außenseitertum Maries im Gesamtfilm nie die dramatische Tiefe eines „Carrie - Des Satans jüngste Tochter“ und die Symbolik nie einen solch cleveren Touch wie in „Ginger Snaps“.

„When Animals Dream“ würde gern viel sein, bleibt dafür aber viel oberflächlicher als er glaubt zu sein. Und wenn man erst einmal ernüchtert aus dem gedankeneinschläfernden melancholischen Sog, in den der Streifen den Zuschauer zu Beginn durchaus hineinziehen kann, erwacht, bemerkt man schließlich auch die Unsinnigkeiten der Geschichte, die u.a. auf eine Abmachung der Dorfbewohner mit dem Vater beruhren. Warum wurde solch ein gefährlicher Pakt geschlossen? Warum wurde Marie nicht unaufgeklärt mit Medikamenten vollgepumpt?

Dies sind nur zwei Fragen von vielen, die deutlich machen wie undurchdacht die Geschichte erzählt ist, so dass es nicht wundern braucht, dass die Psychologie, sprich der versteckt analytische Teil von Arnbys Werk, ebenfalls nicht durchdacht ist. Sinn ergibt da wenig, und nur wer nicht mitdenkt und sich einzig auf die hypnotische Wirkung einlässt, kann eventuell Interesse an diesem sich zu tiefsinnig sehenden Film haben. Mir war der Streifen zu distanziert erzählt, als dass mich solch ein Sog hätte für sich einnehmen können, leider. Denn so mancher Film konnte mit solch einem Einfluss auf das Publikum ähnliche Schwachpunkte überspielen. Wer einen psychologisch durchdachten Mix aus Kunstfilm und Horror sehen will, sollte zu „Ich seh, ich seh“ greifen, anstatt sich Tiefsinn mit „When Animals Dream“ nur vortäuschen zu lassen.


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