Sonntag, 19. Juni 2016

DER MÖNCH MIT DER PEITSCHE (1967 Alfred Vohrer)


Mittels einer neuentwickelten, kaum nachweisbaren Chemikalie wird auf einer Mädchenschule eine Teenagerin vergiftet. Einige weitere tote Schülerinnen folgen. Da es keine erkennbaren Motive für die Morde gibt vermutet Inspektor Higgins ein Ablenkungsmanöver...


Ein Mönch kommt selten allein...

So wie später auch „Die toten Augen von London“ in der Buntphase als „Der Gorilla von Soho“ neu verfilmt wurde, so geschah selbiges mit „Der unheimliche Mönch“, der im Original von Regisseur Harald Reinl umgesetzt wurde. Wie in allen späten Beiträgen der klassischen Wallace-Filme übernahm diesmal Alfred Vohrer die Regie und besetzte von Siegfried Schürenberg als Sir John und Rudolf Schündler in einer Nebenrolle einmal abgesehen andere Schauspieler für die Geschichte, die gerade erst zwei Jahre zuvor schon einmal erzählt wurde. Zwar verweist Sir John nebenbei darauf, dass es einmal einen ähnlichen Fall gab und verrät auch gleich dazu den Filmtitel, ansonsten versteht sich „Der Mönch mit der Peitsche“ jedoch tatsächlich als Remake.

Lediglich die Farbsetzung im Vergleich zum vorher typischen Schwarz/Weiß legitimiert halbwegs eine solch frühe Neuverfilmung. Denn von der Farbe einmal abgesehen besitzt „Der Mönch mit der Peitsche“ nur recht wenige Eigenschaften die später geradezu typisch für die Buntphase wurden. Im Gegensatz zu seinen Nachfolgern ist die Geschichte um vergiftete Mädchen auf einer Mädchenschule noch nicht sonderlich schrill ausgefallen und mit abgefahrenen Bonbons verzuckert. Da fällt lediglich das in knalligem Rot gehaltene Kostüm des Mönchs als besonders greller Sehwert auf und der Drahtzieher der Untaten, der anonym wie ein Dr.Mabuse zu seinen Hilfstätern spricht, lebt in einem Haus in dem u.a. auch Krokodile gehalten werden.

Der Humor kommt noch ziemlich subtil daher, so grob herumalbern wie in seinem letzten Fall in „Im Banne des Unheimlichen“ darf Inspektor Higgins noch nicht. Und auch Sir John hält sich als der witzige Sidekick noch zurück wenn es um amouröse Anspielungen seiner Sekretärin gegenüber geht. Er darf hier noch harmlos herumalbern, wenn er sich nach einem mehr oder weniger erfolgreich absolviertem Studium als Hobby-Psychologe versucht, freilich nach ganz eigenen Vorstellungen und für die Ermittlungen so gar nicht nützlich.

Der Rest des Streifens tut jedoch so, als wäre all das was passiert völlig normal, so als ob jeglicher Kriminalfall in etwa so gestrickt wäre wie die wirre Story die uns hier vor die Nase gesetzt wird. Auf die Wallace-Welt bezogen stimmt dies prinzipiell sogar, und dem Film tut seine unnötige Ernsthaftigkeit sogar gut, aber ebenso sinnvoll war es später nach dem hier besprochenen Werk die Reihe ironischer aufzubrechen als auf dem bislang eher subtil gehaltenen Weg.

Bizarre Figuren treffen auf zwielichtige Gestalten, junge Mädchen hausen in einer Schule umgeben von einer Nebellandschaft, und mittendrin stampft ein Mönch mit Peitsche umher. Das sind die Zutaten die „The College Girl Murders“ (Alternativtitel) zum Funktionieren bringen. Für den eigentlichen Mordfall interessiert man sich nicht wirklich, der Zuschauer ebenso wie die Verantwortlichen der Geschichte. Joachim Fuchsberger agiert souverän wie immer, Schürenbergs Auftritte bereiten Freude, auch wenn der gute Mann schon die ein oder andere bessere Vorstellung abgegeben hat, lediglich Uschi Glas ist mal wieder ein Dorn im Auge. Zwar wird ihre Rolle relativ klein gehalten, aber so ziemlich jede Szene mit ihr will nicht funktionieren. Dass sie von Sir John als besonders hübsch bezeichnet wird, kann man zumindest noch seiner geistigen Verwirrtheit zuschreiben, denn bezaubern will das Hohlbrot in Wirklichkeit so gar nicht.

„The Monk with the Whip“ (Alternativtitel) erzählt seine Geschichte noch so ernst wie zu den guten alten Schwarz/Weiß-Zeiten der Reihe, und als Film für sich funktioniert er auch recht gut. Das mag anders sein wenn man erst kurz vorher die Rialto-Erstverfilmung des Stoffes gesichtet hat. Da ich aber die Buntphase der Wallace-Serie zur Zeit rückwärts sichte, kann ich davon unvoreingenommen über die Qualität des Streifens berichten, und der ist angenehm routiniert inszeniert und sehr unterhaltsam ausgefallen, wenn auch nicht sonderlich innovativ umgesetzt. Im Vergleich zum „Gorilla von Soho“ hat „The Prussic Factor“ (Alternativtitel) in Sachen Farb-Remakes für mich aber definitiv die Nase vorn.


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