Sonntag, 19. Juni 2016

GELEGENHEIT MACHT LIEBE (A Guy Thing 2003 Chris Koch)


Auf seinem Junggesellenabend landet Paul mit Becky im Bett, die sich kurz darauf als die Cousine seiner Verlobten Karen entpuppt. Nachdem Becky sein Leben unbeabsichtigt ordentlich durcheinander wirbelt, entdeckt Paul dass eigentlich sie die Richtige für ihn wäre...


Das gute Gefühl von Angst...

„Gelegenheit macht Liebe“ ist das Paradebeispiel dafür, dass eine hinreißende Besetzung noch keine Garantie für eine gelungene romantische Komödie ist. Julia Stiles ist süß wie eh und je, und ihre Konkurrentin Selma Blair, die damals so wunderbar tolpatschig in „Eiskalte Engel“ agierte, steht ihr in diesem Punkt in nichts nach. Zugegeben, Jason Lee, der eigentliche Star des Streifens, bleibt blass, aber selbst seine Sympathie steigert sich im Laufe des Filmes, ein Zustand mit dem ich nach einigen peinlichen und unangenehmen Momenten nicht mehr gerechnet hätte, charakterisiert das Drehbuch ihn doch nicht gerade charmant und fragt man sich doch die ganze Zeit, ob man solch einem Typen ein Happy End wünscht.

Zugegeben, genau diesen Kniff bekommt besagtes Buch gut hin, ansonsten jedoch ist es alles andere als gelungen ausgefallen, zeigt es uns doch eine Welt aus einer mir nicht zugänglichen Spießersicht, in welcher Haschisch sich als eine LSD-artige Droge entpuppt, Menschen alternativer Kulturen den Durchschnittstyp mit Verachtung anschauen wenn der es wagt den Plattenladen ihres Vertrauens zu betreten und in welcher es für jeden im Leben den einen idealen Partner gibt, nicht nur das im Zentrum stehende Paar betreffend.

Mal ist die Geschichte höchst blauäugig und arg zufällig ausgefallen, dann wieder aus einer unangenehmen Perspektive heraus erzählt. Am meisten ärgert jedoch ihr anbiedernder Grundton, der sich innovationslos an alles klammert was theoretisch zu einer RomCom gehören muss, inklusive des peinlichen Rituals am Schluss eine Reuerede an die Gemeinschaft halten zu müssen oder seiner Geliebten, die im Taxi sitzt, zu Fuß hinterher laufen zu müssen.

Würde das Buch sich auch nur ansatzweise auch darin so viel Mühe geben den Figuren Persönlichkeit einzuhauchen, damit man mit den sich Verliebenden mitfiebern kann, könnte man noch über jegliches Klischee hinwegsehen, immerhin lebt ein solcher Stoff von dem romantischen Element, während der Humorpart nur still vor sich hinplätschern muss, im besten Falle gut pointiert. Aber „Gelegenheit macht Liebe“ ist so sehr damit beschäftigt es jedem Recht machen zu wollen, dass er diesen wichtigsten Punkt ignoriert und es somit leider nie zwischen dem finalen Liebespaar knistern lässt.

Die typischen schrägen Randfiguren sorgen eher für Fremdschämen anstatt für lustige Momente, und die finale Lösung des Problems zeigt sich bereits nach etwa 5 - 10 Minuten Laufzeit, da macht der Film kein Geheimnis draus. Dementsprechend sorgen nicht einmal die zwischenmenschlichen Verzwickungen dafür, dass man als Zuschauer wissen möchte wie der Problemknoten sich am Ende löst. „Gelegenheit macht Liebe“ ist so penetrant auf vorhersehbar und einfallslos getrimmt, dass man sich am Ende fragt warum man es mit viel Wohlwollen doch noch bis zum Ende geschafft hat, und dies auch noch ohne von dem Gesehenen angewidert zu sein.

Klar, diese Einfallslosigkeit hat mich enttäuscht, und weder Romantik noch Witz haben mich mitgerissen, aber Chris Kochs Werk schaute sich trotz allem okay. Keine Ahnung wie es Koch geschafft hat, höchst wahrscheinlich haben die talentierten Mimen einen guten Einfluss auf den Streifen gehabt. So ganz genau will ich es aber auch gar nicht wissen warum man sich den Film angucken konnte ohne sich zu langeweilen oder loskotzen zu müssen. Wahrscheinlich muss ich mir einfach selbst eingestehen, dass ich grundsätzlich zu leicht in diesem Genre zufriedenzustellen bin. Ich gucke einfach gerne Romantikkomödien.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen