Samstag, 18. Juni 2016

THE LAST DAYS ON MARS (2013 Ruairi Robinson)


In 19 Stunden soll die Crew einer Marsmission nach 6 Monaten Forschung zurück zur Erde reisen. Genau an diesem Tag entdeckt einer der Wissenschaftler ein Bakterium und steckt sich mit diesem an. Er stirbt, doch die Krankheit hält ihn am Leben. Ohne Bewusstsein und höchst aggressiv attackiert der tote Körper seine Kollegen. Kurz darauf sind bereits mehrere Mitglieder der Mission angesteckt. Die letzten Überlebenden versuchen sich zu retten und dafür zu sorgen, dass das Bakterium die Erde nie erreichen wird...


Zombies auf dem Mars...

Man darf zurecht kritisch darüber sein, ob ein Zombiefilm auf dem Mars eine gute Idee ist oder nicht. Zwar erhöht die lebensfeindliche Umgebung die Problematik der Protagonisten um einen interessanten Aspekt, andererseits fragt man sich ob Untote zu wirken wissen, wenn sie hauptsächlich in der Kleidung eines Astronauten, und zwingend damit einhergehend mit einem Helm über dem Kopf, feststecken. Ohnehin sind Zombies in Großproduktionen nicht gern gesehen, zumindest bei den eingefleischten Hardcore-Horror-Fans, die selbst für den geglückten „World War Z“ mit Brad Pitt keine positiven Worte übrig hatten. Und aus irgendeinem Grund floppen Marsfilme der großen Studios grundsätzlich an den Kinokassen. Lohnt es sich also ein Projekt wie „The Last Days on Mars“ zu schauen?

Meiner Meinung nach schon, vorausgesetzt man erwartet kein großes Kino-Event und erst recht kein großes Action-Feuerwerk. Regisseur Ruairi Robinson und sein Autor Clive Dawson, der für die Drehbuchumsetzung der Kurzgeschichte von Sydney J. Bounds verantwortlich war, gehen die Problematik der Zombies in Weltraumanzügen mit der richtigen Methode an: sie machen die Zombies zur Bedrohung des Streifens, aber nicht zum Mittelpunkt. Der Film bietet ihnen verhältnismäßig wenige Auftritte und konzentriert sich stattdessen auf den Überlebenskampf der letzten Menschen auf dem Mars.

Zwischenmenschliche Probleme werden ebenso zurückgeschraubt wie die Zombieszenen. Und was theoretisch nun unglaublich langweilig klingt, erweist sich dank zwei wichtiger Faktoren als der richtige Weg eine solche Geschichte erfolgreich erzählen zu können: „The Animator“ (Alternativtitel) ist atmosphärisch stimmig, da sehr langsam und trocken erzählt, und er lässt seine Protagonisten denken.

Mag sich das Drehbuch die Charaktere betreffend auch nicht immer als sinnvoll erweisen, wenn bestimmte Charaktertypen die Geschichte beeinflussen sollen, jedoch gar nicht zum Status jener Menschen passen, die überhaupt für eine Marsmission in Frage kämen, so lässt es doch zumindest die Protagonisten denken und Lösungen für ihre Probleme finden. Dabei wird „The Last Days on Mars“ niemals zu einem intellektuellen Stück Kopfkino, Robinson fühlt sich dem Unterhaltungsbereich verpflichtet. Aber diese Herangehensweise sorgt dafür, dass eine an sich vorhersehbare und überraschungsfreie Geschichte durch die Identifikation mit den Figuren funktioniert.

Überraschender Weise erweist sich Hauptdarsteller Liev Schreiber, den die meisten wohl aus „Scream 2“ und dessen Fortsetzung kennen werden, als gut besetzt für diese Voraussetzungen. Schnell sympathisiert man mit dem Mimen, der eigentlich gar nicht so ein besonders talentierter Schauspieler ist, zumindest bezogen auf die wenigen Filme die ich mit ihm kenne, dessen Rollen es nie zuließen zu erkennen ob der Mann mehr kann als es aussieht. Für den hier besprochenen Science Fiction-Horror reicht es dass seine Rolle sympathisch charakterisiert ist, und dass sein ernster Gesichtsausdruck ihn emotional glaubwürdig und denkend wirken lässt.

Wer eine besonders ausgeklügelte oder mit Überraschungen versehene Geschichte erwartet wird ebenso enttäuscht werden wie mancher Horror-Fan, der sich ein actionreiches Zombiegemetzel erhofft hat. Wer aber ein atmosphärisch gut erzähltes Stück Routine als Alternative zu einem großen Kinoerlebnis akzeptieren kann, der wird dank eines sich auf seine Stärken konzentrierenden Werkes, einem stimmigen und zurückhaltendem Soundtrack und dank der nüchternen, langsamen Art, die es in Großproduktionen kaum noch zu erleben gibt, dennoch angenehm unterhalten werden, auch wenn es inhaltlich an Innovationen nichts zu entdecken gibt. Zumindest sorgt die „Weniger ist mehr“-Herangehensweise dafür, dass „The Last Days on Mars“ auf seine nüchterne und theoretische Art recht spannend und packend ausgefallen ist.


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Kommentare:

  1. Habe ich ja auch erst gestern gesehen und bin wohl etwas kritischer mit ihm umgegangen, wenngleich wir im Grunde auch ähnlich argumentieren. Unterhaltsam trifft es wohl ganz gut.

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    1. Es war auch Deine Kritik, die mich trotz ihrer harten Worte dazu animierten mal reinzuschauen. Dank der durch Deinen Text heruntergeschraubten Erwartungen war ich dementsprechend positiv überrascht. :)

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