Montag, 25. Juli 2016

5 ZIMMER, KÜCHE, SARG (What We Do in the Shadows 2014 Jemaine Clement u.a.)


Ein Dokumentarfilm-Team begleitet vier Vampire, die zusammen in einer WG leben, durch ihren Alltag...


Die Prozession der Schande...

Vampir-Komödien gibt es zu genüge, und gerade jene in denen der Horror fast auf Null zurückgeschraubt wird und das Komödien-Genre stark dominiert, gehen meist als uninteressante Werke in der Masse unter. Nur selten geschieht dies zu Unrecht, wie bei der sympathischen Teenie-Komödie „Liebe mit Biss“ oder Jim Carreys frühem Film „Einmal beißen, bitte“. Noch seltener werden Werke dieser Gattung zu Berühmtheiten so wie es „Tanz der Vampire“ schaffte. Meist sind es zu brav ausgefallene Werke wie „Mein Großvater ist ein Vampir“ oder zu blödsinnig und bemüht ausgefallene Beiträge wie „Beverly Hills Vamp“.

Die richtige Gewichtung Herumgeblödel findet sich in der Regiearbeit „5 Zimmer, Küche, Sarg" von Jemaine Clement und Taika Waiti, der auf ihrem Kurzfilm „What We Do in the Shadows“ basiert, dessen Titel auch der Originaltitel der Langfilmversion ist. Gedreht im Found Footage-Verfahren als eine Pseudo-Doku nutzt er diese oft ungern gesehene Methode in einer Vielfältigkeit, so dass dem mit allerhand Ideen versehenem Streifen nie die Luft ausgeht. Parodiert wird keine Vorlage speziell, auch wenn das Aussehen von Vampir Petyr speziell Max Schrecks Rolle aus „Nosferatu“ nachempfunden wurde.

Generell parodiert man lediglich die üblichen Vampir-Klischees, vernachlässigt es aber nicht bei der Charakterisierung jedes Einzelnen auf deren Alter und somit auf deren Herkunftszeit zu achten, so dass das Zusammentreffen verschiedener Kulturen auf die unterschiedlichste Art angegangen werden kann. Wenn später noch Werwölfe, Zombies und Hexen hinzustoßen überspannt das keinesfalls den Bogen. Der Einfluss dieser Zusatzgestalten wird klein gehalten, so dass er zwar den Bereich des Kulturzusammentreffens bereichert, aber nicht überschwemmt oder den Schwerpunkt der Komödie aus den Augen verliert.

Mit zu der besten Idee gehört der Informatiker Stu, der ein Kumpel eines erst kürzlich zum Vampir gewordenen Blutsaugers ist, und der von der Vampir-Clique toleriert wird, nach kurzer Zeit sogar richtig gemocht. Die Komik entsteht über seine zurückhaltende, fast schon langweilige Art. Dass er von Vampiren umgeben ist juckt Stu nicht, es sind halt die Kumpels seines Kumpels, und mit denen hängt man halt ab.

Dass der neu dazugestoßene Vampir hingegen ein Großmaul ist, der allen Leuten erzählen muss dass er ein Vampir ist und der seine Fähigkeiten nicht nur gut getarnt im stillen Kämmerlein nutzt, sorgt für zusätzliches Humorpotential, aber auch für eine der ärgerlichsten Fehlentscheidungen des Drehbuchs, ist besagter Neuling doch Schuld am Tod eines der WG-Bewohner, dessen Charakter bis zu seinem frühen Dahinscheiden nicht genügend ausgekostet wurde, bei all dem Potential was in der Figur leider verborgen blieb.

An sich gibt es aber nichts zu meckern an dieser unglaublich witzig, wenn auch manchmal hemmungslos albern, ausgefallenen Komödie, in der jeder Beteiligte gut aufgelegt zu sein scheint. Zumindest glaubt man zu meinen, dass die Spielfreude eines jeden Einzelnen einen geradezu anspringt, und diese Laune steckt freilich auch den Zuschauer an, der nach einer Phase des kritischen Hinsehens erleichtert feststellen darf, dass die Idee, die nach begrenztem Haltbarkeitsdatum roch, sich doch als gute Unterhaltung auf Spielfilmlänge herausstellt.

Sicherlich wirkt manches zu Episoden-haft, und einige Zeitsprünge beweisen, dass es nicht ganz einfach war fast die 90 Minuten-Grenze zu erreichen. Dem Sehspaß selbst tut dies jedoch keinen Abbruch. „5 Zimmer, Küche, Sarg“ schaut sich nie brüchig und besitzt auch keinen Leerlauf. Selten wurde Multi-Kulti so unverkrampft humorvoll und ohne erhobenen Zeigefinger zelebriert wie in der hier umgesetzten äußerst sympathischen Komödie.


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