Sonntag, 17. Juli 2016

EUROPA REPORT (2013 Sebastián Cordero)


Eine Weltraum-Crew startete eine Reise zum Jupitermond Europa, da in dem unter der Eisschicht vorhandenem Wasser Wärmequellen vermutet werden und somit die Möglichkeit auf einfaches außerirdisches Leben. Doch der Kontakt zur Erde brach nach einiger Zeit ab. Keiner wusste was aus der Mission wurde. Doch nun wurden Videoaufnahmen veröffentlicht, welche die Crew schaffte zur Erde zu senden und die zeigen was ihnen auf ihrer Reise passiert ist...


Hinein ins Licht...

Zwei Jahre nachdem bereits in „Apollo 18“ das umstrittene Found Footage-Verfahren für eine Science Fiction-Geschichte im Weltraum verwendet wurde, damals für eine Story die in der Vergangenheit spielte, drehte Sebastán Cordero einen weiteren Weltraum-Beitrag dieses Aufnahmeverfahrens, diesmal einen der in der nahen Zukunft spielen soll. Wie typisch für das Genre wird Filmmaterial einer verloren gegangenen Crew entdeckt, passend zum Thema diesmal kaum mit der Handkamera gefilmt, sondern aufgenommen von den Kameras die sich an Bord und in den Helmen befanden. Damit bekommt „Europa Report“ einen technisch sterileren Touch, zumal ständig irgendwelche Computerdaten mit ins Bild eingefügt sind, und das passt ganz gut zum Konzept des Films.

Denn im Gegensatz zu der angeblich heimlich stattgefundenen Mondmission des Vergleichfilms von Gonzalo López-Gallego ist „Europa Report“ nicht als Horrorfilm ausgelegt, ganz im Gegenteil. Durch seinen wissenschaftlichen Schwerpunkt könnte man ihn als den „Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All“ des Found Footage-Bereichs bezeichnen, wird der Spannungsbogen doch hauptsächlich durch die Erkenntnisse der Forschung gewonnen. Mag es auch oft bummern und es der Crew auch manches Mal ans Leder gehen, trotz solcher Momente und einigen wenigen Suspense-Szenen steht doch eher die nüchterne Art Unterhaltung im Zentrum, und da muss man sich als Zuschauer entweder für einen unaufgeregten Erzählstil interessieren, oder man kann sich das Ansehen gleich sparen.

Es hat mich zwar verwundert, dass ein auf Forschung setzender, sich zurückhaltender Film, der auf Pseudo-Doku getrimmt ist, den gern gemachten Fehler dieses Filmverfahrens begeht künstlich Hintergrundmusik einzubauen, ein Stilmittel welches aufgrund der angeblich realistischen Bilder keinen Sinn macht und zudem meist atmosphärisch kontraproduktiv auf das Gesamtwerk wirkt, in diesem speziellen Fall funktioniert diese Methode jedoch überraschend gut. Vielleicht liegt es daran, dass die nüchtern vorgetragene, eigentlich dramatische, Geschichte damit wenigstens ein bisschen Herz zeigt und man dies als mitfühlender Zuschauer benötgt, ich habe keine Ahnung, aber es funktioniert überraschender Weise und macht „Europa“ (Alternativtitel) nicht kaputt.

Nennenswert aufregend ist „Europa Report“ nicht ausgefallen, weder im absichtlich unaufgeregt abgefilmtem stilistischen Sinne, noch vom abgelieferten Ergebnis her, habe ich doch auch im Bereich vergleichbarer Forschungsfilme schon fesselndere Beiträge erlebt. Es ist nicht so, dass einen das Treiben der Crew an Bord und ihre Entdeckungen nicht interessieren würde, und aus technischer Sicht ist auch alles glaubwürdig und erzähltechnisch absichtlich schwerfällig umgesetzt, da kann man Cordero keinen Vorwurf machen. Dennoch hat mich der Streifen nicht so gepackt, wie ich es mir erhofft hatte.

Sicherlich erwartet man in einem Found Footage-Film keine inhaltlichen Innovationen, aber etwas mehr als das übliche unausweichliche Ende mit dem zu erwartenden Schluss-Phänomen hätte es diesmal schon sein können, sonst dreht sich das Filmverfahren, mit dem so viel mehr möglich ist als es seine Kritiker wahr haben wollen, zu sehr im Kreis und wird austauschbar. So sehr ich nüchterne Wissenschaftsfilme dieses Genres mag und somit auch damit leben kann normale Menschen anstatt Actionhelden vor die Nase gesetzt zu bekommen, sowohl die Geschichte als auch die Charaktere bleiben zu oberflächlich um wahrhaft begeistern zu können.

Es reicht um dem Zuschauer einen befriedigenden Filmabend zu bescheren. „Europa Report“ ist trotz seiner trockenen Art nicht langweilig ausgefallen. Aber er hat nicht das Kaliber zu einer Filmempfehlung zu werden, die man am liebsten gleich nochmal gucken würde, um sie Freunden und Bekannten zu zeigen. Und auch wenn selbiges für den etwas reißerischer ausgefallenen „Apollo 18“ gilt, so war selbst dieser im Vergleich das interessantere Filmerlebnis. Eigentlich will ich gar nicht zu viel meckern, schließlich weiß Cordero was er erzählen will und wie er dies tun muss, und viel anders hätte ein Found Footage zu dieser Thematik auch nicht ausfallen dürfen. Außerdem hat mich dieser Science Fiction-Beitrag für einen Abend lang gut genug unterhalten, um ihn zu der Kategorie der angenehmen Filmerlebnisse dazuzuzählen. Aber einen Hauch mehr Unvorhersehbares hätte ich mir dann doch gewünscht, um wahrlich zufrieden mit diesem Werk zu sein.


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