Sonntag, 31. Juli 2016

HOWL (2015 Paul Hyett)


Der Zug fuhr gerade mitten durch einen großen Wald, als die Fahrt aufgrund technischer Probleme unterbrochen werden muss. Kurz darauf wird der Lockführer vermisst, und Schaffner Joe versucht die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Die fluchenden, erbosten Passagiere sind jedoch seine geringste Sorge, denn in dem Wald, in dem der Zug hängen geblieben ist, lauern Werwölfe. Und sie sind hungrig...


Nächster Halt: Wolf Town...

Nein, Paul Hyett hat mit „Howl“ das Sub-Genre des Werwolf-Films sicherlich nicht neu erfunden. Der Plot ist relativ überraschungsarm ausgefallen, es wird uns die typische Figurenkonstellation vorgesetzt, und es darf einer nach dem nächsten im 10 kleine Negerlein-Verfahren abgefrühstückt werden. Der liegengebliebene Zug mitten im Nirgendwo mag der Chose einen gewissen individuellen Reiz bescheren, wobei zumindest „Jeepers Creepers 2“ eine ähnliche Ausgangssituation vorweisen kann, aber ob nun Haus, Bus, Schloss, Zug oder was auch immer, der Spielort verändert nicht wirklich viel an dem üblichen Handlungsverfahren.

Da gibt es aufgrund dessen ein paar veränderte Variantionen der üblichen Handlungselemente, aber die sind nicht der Rede wert und verhelfen „Howl“ auch nicht dazu eine eigene Identität zu entfalten. Zeitverschwendung ist der britische Horrorfilm jedoch auch nicht, ist er für seine 08/15-Story doch recht gut inszeniert. Der dunkle Wald weiß zu gefallen, erst recht wenn rote Augen im Düsteren leuchten dürfen. Mit der Hauptfigur kann man sich aufgrund ihrer Alltagsprobleme und der sympathischen Charakterzeichnung identifizieren. Und die Werwölfe sind nett anzuschauen.

Wie es sich für einen gelungenen Beitrag des Monsterfilms gehört, werden die Kreaturen nicht all zu oft gezeigt und erst relativ spät dem Publikum vor die Augen gesetzt. Verstecken braucht sie das Special Effect-Team des Streifens jedoch nicht, wissen sie im Hellen wie im Dunkeln doch zu überzeugen, wobei ich freilich ihre Auftritte im düsteren Wald bevorzuge. Der Mut aus ihnen mehr Mensch als Wolf zu machen und sie trotzdem wie 100 %ige Bestien wüten zu lassen, macht sich bezahlt. Zwar musste ich ein wenig schmunzeln bei dem Gedanken, dass Werwölfe mit dieser enthaarten Entwicklung eine Parallele zu den Damen aus der Pornobranche aufweisen, aber lächerlich sehen die Viecher nie aus, was allein schon deswegen gut ist, da jede Form der Lächerlichkeit nicht von anderweitigem Humor hätte aufgefangen werden können, ist „Howl“, im Gegensatz zu dem was zur Zeit meist aus England an Genre-Beiträgen produziert wird, doch ein ernster Horrorfilm, der ohne komödiantische Momente, ja nicht einmal aus einem augenzwinkernden Blickwinkel, erzählt ist.

Dank einer stimmigen und kurzweiligen Umsetzung gibt es für Filmfreunde, die lediglich einen kleinen Zwischendurchverzehr ohne großen Anspruch sichten wollen, nichts zu meckern. Optisch wie inszenatorisch geht „Howl“ als gelungene 08/15-Kost durch, und das ist gerade im Bereich des Werwolf-Films eine Seltenheit. Zumindest werde ich in diesem Sub-Genre nur sehr selten mit einem unterhaltungsfreundlichen Beitrag beglückt. Um so erfreuter war ich, dass Hyetts zweiter Spielfilm drei Jahre nach seinem Debut „The Seasoning House“ eine solch angenehme Trivialerfahrung war.


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