Dienstag, 2. August 2016

SHADOW OF THE VAMPIRE (2000 E. Elias Merhige)


Für seinen Film Nosferatu engagiert F.W. Murnau einen echten Vampir für die Rolle des Graf Orlok. Außer den beiden ist jedoch niemand in das Geheimnis eingeweiht...


Eine Symphonie des Authentischen...

Vielleicht spricht es nicht unbedingt für die Qualität von „Shadow of the Vampire“, dass er immer dann am beeindruckendsten ausgefallen ist, wenn er in Schwarz/Weiß gehalten sehr exakt den Original „Nosferatu“ zitiert. Aber genau das macht sehr deutlich welchen Meilenstein Murnau in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts geschaffen hat, zählt das stumme Frühwerk doch noch immer zu Recht zu den besten Filmarbeiten die es je zum Thema Vampirismus gegeben hat. Dementsprechend ist der hier besprochene Film von E. Elias Merhige als Verehrung und Verbeugung vor dem Klassiker gedacht, und auch wenn der Regisseur vielleicht manches Mal etwas zu anbetend aus dem Original ein optisches Zitat nach dem nächsten setzt und dabei fast sein eigenes Werk aus den Augen verliert, so weiß seine augenzwinkernde Hommage doch trotzdem zu gefallen.

Interessante Weise wurde das Thema trotz der dazu einladenden Grundlage nicht als Komödie umgesetzt. Verschmitzt ist „Burned to Light“ (Originaltitel) durchaus erzählt, ein unterschwelliger Humor schleicht sich immer wieder fast unsichtbar ein, aber an sich verfolgt der Autor Steven Katz die Idee ernsthaft. Er stellt Murnau als fanatistischen Künstler dar, der bereit ist wirklich alles für eine authentische Umsetzung zu tun, was gerade im Finale deutlich wird, wenn er unbeeindruckt von der Tragödie um ihn herum weiterdreht, auch wenn ein Plan sich vor Schreck abzusichern scheitert, was ihm bei Gelingen eine Art ethische Rückversicherung beim Publikum beschert hätte. Aber hier wird nun endgültig klar dass tatsächlich kein Gewissen und kein Mitgefühl vorhanden ist, eine Gefühlskälte die auch inszenatorisch auffällt, so dass sich das theoretisch vorhandene Genre Drama keineswegs beim Sichten so anfühlt.

Es mag sein dass dies ein eben solcher Inszenierungsfehler ist wie der Eingangs erwähnte, er bringt „Shadow of the Vampire“ jedoch nicht zum scheitern. Vielleicht liegt es daran, dass der von Nicolas Cage produzierte Film von der Spielfreude seiner Darsteller lebt, die es sichtbar mögen übertreiben zu dürfen, an der Dramaturgie des Stoffes liegt es jedenfalls nicht, darf sich doch so ziemlich jede Figur der Geschichte überhaupt nicht weiterentwickeln. Der Film schließt wenn Nosferatu zu Ende gedreht ist. Dafür ob da nun jemand auf das Geheimnis von Schreck stößt oder nicht interessiert sich die Geschichte kein bischen. Und über diese Gleichgültigkeit wird man automatisch an das Spiel Malkovichs und Dafoes gefesselt, die zwei Egomanen spielen, von Trieb, Gier, Visionen und Selbstverliebtheit getrieben, die sich ständig duellieren, so als dürfte man Klaus Kinski und Werner Herzog bei einer ihrer ständigen Kabbeleien zusehen, bis es schließlich zu einem Moment kommen muss, in welchem der eine über den anderen dominiert.

Daraus ergibt sich eine eigene Dynamik, die jeden theoretischen Schwachpunkt des Streifens irrelevant werden lässt, da dieser Motor, gestützt von der Detailtreue zum Originalwerk, dem authentischen Wiedererwecken einer vergangenen Zeit und der charmanten Idee Max Schreck wäre tatsächlich ein Vampir gewesen, „Shadow of the Vampire“ das besondere Etwas beschert. Von einem Meilenstein würde sicherlich niemand sprechen, aber Merhige ist, ob nun durch Zufall oder mit voller Absicht, ein interessanter Film geglückt, der auf ganz andere Art funktioniert als man es erwarten würde. Selbiges gilt für den Handlungsablauf und das tatsächlich vorgelegte Genre.

Denn wie bereits erwähnt hätte man eigentlich eine Komödie erwartet, zumal es die Verantwortlichen des Streifens lieben diverse Szenen des Originals dem Umstand zuzuschreiben, dass ein Vampir beim Dreh unkontrollierbar ist und die besten Momente aus „Nosferatu“ improvisiert abgefilmt wurden, da sich der Blutsauger nicht an Vereinbarungen hielt. Humorlose Menschen würden dies sicherlich nicht als Verbeugung vor Murnaus Talent betrachten, gerade in Anbetracht dessen dass er zudem charakterlich völlig negativ gezeichnet wird. Aber „Shadow of the Vampire“ will lediglich ein schelmisches Gedankenspiel sein, und da schließt das eine das andere nicht aus.


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