Sonntag, 7. August 2016

APPLESEED ALPHA (2014 Shinji Aramaki)


Da er sie nach dem Krieg gerettet hat, müssen der Cyborg Briareos und seine Partnerin Deunan, beides ehemalige Soldaten, ihre Schuld bei Two Horns mit riskanten Aufträgen abarbeiten. Als sie eines Tages intelligente Drohnen unschädlich machen sollen, begegnen sie einem fremden Cyborg und dessen Begleitung, eine jungen Frau, die in einem Geheimauftrag für die legendäre Stadt Olympus tätig sind, in der Deunan sich eine neue Heimat erhofft. Die beiden verbünden sich mit den Fremden und müssen feststellen dass mächtige Gegner die Erfüllung der Geheimmission verhindern wollen. Und auch Two Horns ist nicht begeistert von der Idee, dass sich seine beiden Söldner aus dem Staub machen, ohne ihre Schuld beglichen zu haben...


Vor Olympus...

Ob man „Appleseed Alpha“ nach den drei Ablegern um „Appleseed XIII“ aus dem Jahre 2011 nun als dritten Teil der erfolgreichen Anime-Reihe, deren erster Teil ein Remake des 1988er Animes „Appleseed - Kampf um die Freiheit“ war, bezeichnen kann oder nicht, ist nicht leicht zu beantworten. Da er zeitlich jedoch vor den beiden Vorgängern spielt, spielt das nicht wirklich eine Rolle, so dass er auch dann zu funktionieren weiß, wenn man noch nie eine der Manga-Verfilmungen gesehen hat. Das Problem mit Vorgeschichten bei Kenntnis der Vorgänger ist das sichere Terrain in dem sie sich bewegen. Man weiß wer überleben wird, man weiß worin das Ganze münden soll, und über die Legende von Olympus und ihrem Wahrheitsgehalt wissen wir auch längst bescheid.

Das könnte „Appleseed Alpha“ jedoch nur von Nachteil gereichen wenn er es mit den beiden durchdachten, recht intelligent erzählten und philosophisch angehauchten Action-Animes aus den Jahren 2004 und 2007 auch wirklich aufnehmen könnte. Mag es nun am Mitproduktions-Land USA liegen oder nicht, aber diese Japan/USA-Co-Produktion ist im direkten Vergleich wesentlich plumper ausgefallen als die mit frischen Ideen und durchdachter Story umgesetzten „Appleseed“ und „Appleseed 2 - Ex Machina“. Inhaltliches Leergeschwätz, plumpere, da im Klischee badende, Charaktergestaltungen und arg störende Oneliner, wie wir sie aus amerikanischen Actionfilmen kennen, nagen am Gesamtbild des Prequels.

Rein optisch gibt es nichts zu meckern. Die Animationen sind auf dem neuesten Stand und wissen wahrlich zu beeindrucken. Hier wurden keine Kosten und Mühen gescheut. „Applessed Alpha“ ist ein Fest für die Augen. Und auch die Action ist nicht von schlechten Eltern. Interessante Kampfszenen, charmantes Roboterdesign und sehenswerte Karachomomente sind keine Mangelware, und obwohl sich Actionszene an Actionszene reiht verliert der Streifen von Shinji Aramaki nicht an Reiz. Obwohl die Vorgeschichte nicht halb so viel zu erzählen weiß als seine Vorgänger, hat man nie das Gefühl von Leerlauf, so sehr schaut sich der Film wie aus einem Guss.

Das liegt aber auch an den beiden vorgefertigten Hauptcharakteren, die keinesfalls so eindimensional ausgefallen sind wie sie zunächst wirken. Allerdings hatten sie es selten so schwer wie hier sich entwickeln zu können, denn wo die beiden Vorgänger noch Platz für echte Emotionen hatten, herrscht hier das Gesetz des plumpen Actionfilms, und da werden wahre Gefühle und Gedanken bloß gegen hohle Phrasen ersetzt, was das Gesamtwerk ein wenig infantiler wirken lässt als das gehaltvollere Gewand der beiden Teile aus den 00er Jahren.

Ein großes Event ist „Appleseed Alpha“ somit außerhalb seiner optischen Schauwerte nicht geworden. Aber diese fangen in ihrer Brillanz einiges wieder auf, so dass der Streifen zwar nie das Niveau seiner beiden Vorgänger erreicht (und die konnte rein intellektuell schon nicht mit den wahren Größen des Anime-Genres mithalten), aber durchaus zu unterhalten weiß, wenn man auch mit Hirnlos-Action etwas anzufangen weiß. Rein mental nähert sich das Prequel fast schon mehr den „Power Rangers“ als jener Reihe an, zu der er eigentlich gehört, aber das sind glücklicher Weise nur Tendenzen, so dass „Appleseed Alpha“ zum Glück noch erwachsen genug erzählt ist um nicht als komplette Peinlichkeit zu enden.


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