Sonntag, 21. August 2016

UNDER THE SKIN (2013 Jonathan Glazer)


Eine Außerirdische bemächtigt sich dem Aussehen einer Menschenfrau, fährt mit dem Auto durch die Gegend um Männer anzusprechen und nimmt diese mit nach Hause, um sie in einer ominösen Flüssigkeit zu ertränken, in der sich ihre Körper zersetzen. Je mehr Einfluss das Leben auf der Erde auf das Alien hat, um so seltsamer benimmt es sich. Es lässt sich auf die Alltagssituationen des Menschenlebens ein...


Das Leben ist ein Lernprozess...

Wer schon Probleme mit dem sonderbaren aber auch höchst unterschätzten „Birth“ hatte, der wird mit Jonathan Glazers Folgefilm, der 9 Jahre auf sich warten ließ, nichts anfangen können, ist er im Gegensatz zum Vorgänger doch recht sperrig erzählt, da er auf den gängigen Erzählfluss einer Geschichte verzichtet. „Under the Skin“ ist aus einer weiten Distanz erzählt. Unterkühlte Bilder, der meist emotionslose Blick von Scarlett Johansson (der sie für eine Idealbesetzung eines weiblichen Terminators prädestiniert) und die mehr sterrile als hypnotische Musik sperren in einer dialogarmen Umsetzung den Kinofreund, den es einzig nach leichter Unterhaltung dürstet, von Anfang an aus.

Erzählt wird in einem Mix aus „Der Mann, der vom Himmel fiel“, „Big Harry“, „Meine Stiefmutter ist ein Alien“ und „Phase IV“ theoretisch lediglich die Rollenentwicklung einer Frau in unserer Gesellschaft. Kaum die eigenen Reize entdeckt werden mit dieser Männer gelockt, um sie schließlich unbefriedigt zurück zu lassen. Dann wird die eigene Sexualität erkannt und aufgrund der damit verbundenen Gefahren wird die Jägerin zum Gejagten. Und wenn sie aus der ihr zugeordneten devoten Rolle herausbricht, indem sie ihr wahres Ich entdeckt, will der Mann sich ihr entledigen. Das ist ein sehr konservativer soziologischer Blick, aber er passt auf das was uns, freilich in einem Science Fiction-Stoff verfremdet, von Glazer hier gezeigt wird.

Wer andersartige Filmmethoden mag, dürfte eigentlich Gefallen an dem sehr langsam erzählten „Under the Skin“ finden, der je nach dem was Glazer gerade vorschwebt in dokumentatorisch wirkende Bilder ohne Farbfilter getaucht ist, aber auch hin und wieder in völlig verfremdete, geradezu realitätsferne Bilder. Spezialeffekte gibt es wenige, die paar vorhandenen sind dafür aber auch gleich ein Augenschmauß, auch wenn sich Glazer anfangs begnügt eher mit optischen Spielereien zu arbeiten, wie wir sie aus diversen Science Fiction-Beiträgen der intellektuellen 70er Jahre kennen.

Glazer nutzt für seine Erzählung sowohl die Isolation der Gesellschaft, als auch die Hilfbereitschaft unserer Spezies, die selbst in einer Stadt voller Anonymer stattfindet. Über Alltagssituationen lässt er sein Alien den Körper entdecken. Wenn dieser Prozess den sexuellen Punkt erreicht, bleibt der Film und seine Bilder so verkopft und realistisch wie gehabt. Da wird der weibliche Körper dokumentarisch abgelichtet wie zuvor das Alltagsleben auf der Straße oder die Vegetation eines Waldes bei Unwetter. Erotisch ist das nicht, und das ist auch so gewollt. Dies dient ohnehin nur dem Prozess der wachsenden Selbsterkenntnis, also dem Hauptanliegen der Geschichte, und ist von dieser nur ein Teil unter vielen.

Der Zusammenprall aus Realismus und völliger Entfremdung, der sich auch im lediglich vorgegaukelten Körper des Aliens wiederspiegelt, macht den Reiz einer hauchdünnen Geschichte aus, die sich nie darum kümmert uns einen Grund für die tödlichen Aktionen der Außerirdischen zu nennen. Ebensowenig wie nie ausgesprochen wird was es mit der Existenz des Motorradfahrers auf sich hat, der hinter ihr aufräumt. Selber deuten und selbst entdecken ist die Devise dieses für Mainstreamaugen sperrigen Kunstfilmes, dem man seinen Reiz wahrlich nicht abstreiten kann. Vielleicht ist er hin und wieder eine Spur zu sterril ausgefallen, eine hypnotische Grundstimmung wäre intensiver gewesen als dieses kalte, intellektuelle Gefühlsnichts, welches das sensible Geschehen aus weiter Distanz betrachtet. Andererseits ist es genau diese Haltung, die das Interesse für den Streifen, für Menschen die mit diesem Stil etwas anfangen können, überhaupt erst weckt.


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