Donnerstag, 15. September 2016

PIRANHAS (Piranha 1978 Joe Dante)


Eine speziell vom Militär entwickelte aggressive und besonders überlebensfähige Gen-manipulierte Piranha-Gattung gerät versehentlich in einen Fluss an dem ein Sommercamp und ein neu eröffnetes Erlebnisbad angrenzt...


Project Razorteeth...

Piranhas waren gern gesehene Randerscheinungen der Bedrohung in Abenteuerfilmen. Zum Star ihres eigenen Filmes sollten sie jedoch erst nach dem bahnbrechenden Erfolg von „Der weiße Hai“ werden, der in den 70er Jahren eine Tier-Horror-Welle entfachte, bei der auch Roger Corman sein Stückchen vom Kuchen abhaben wollte. Also engagierte er den späteren „Gremlins“-Regisseur Joe Dante „Piranhas“ zu drehen. Der machte aus dem Projekt eine Satire mit Seitenhieben auf das Militär und dem großen cineastischen Vorbild Steven Spielbergs, nebenbei aber auch auf geldgeile Unternehmer und autoritäre Erzieher.

Nach einer stimmigen Einführung der Bedrohung folgt zunächst das Kennenlernen der Figuren und deren Nachforschungen nach vermissten Personen, die sie recht schnell auf das verlassene Militärgelände der ersten Sequenz stoßen lässt. Von nun an lässt der Film den Helden kaum Atempausen, werden sie doch ganz im Gegensatz zu „Der weiße Hai“ fast zu Statisten im eigenen Film, die von einem Ort zum nächsten hetzen und in der Regel dort zu spät erscheinen. Dante beschert den zwei zentralen Figuren genügend Grundcharakter, damit einem die beiden Hauptfiguren nicht völlig egal sind. Und der abwechslungsreiche Rest sorgt dafür, dass dies „Piranhas“ in seinem Ergebnis nicht schadet.

Zwar wissen kleine Fische optisch nicht so toll zu wirken wie ein großer Haifisch, Dante gibt sich jedoch größte Mühe aus den Attacken mehr zu machen als ein sich rot färbendes Wassergeblubber, wie man es aus manch anderem Tier-Horrorfilm, der im Wasser spielt, kennt. Immer wieder unterbricht der Regisseure das hektisch gefilmte Kameragewackel bei Piranha-Attacken, um uns für kurze Momente deutliche Bilder von Wunden oder gefräßigen Zähnen zu zeigen. Das weiß zu wirken. Der herrliche Sound, wenn die hungrigen Biester ihrer liebsten Tätigkeit, dem Fressen, nachgehen, sorgt für den Rest.

Sicherlich ist „Piranhas“ nicht so stimmig ausgefallen wie sein großes Vorbild, aber zumindest versuchte Dante mehr als diesen lediglich zu kopieren. Der Satire-Touch verleiht dem Streifen einen anderen Anstrich, der Humor bleibt so subtil, dass der Film nie zur Horror-Komödie verkommt, und ansonsten lebt „Piranhas“ viel von dem Effekt dass man immer vorher weiß wo die Viecher das nächste Mal zuschlagen werden, so dass das fröhliche Treiben der Ahnungslosen im Wasser um so fieser wirkt.

Dante macht durch seinen Zwischenstop im Sommercamp zwar auch nicht vor Kindern Halt (ein Ort der sich zudem toll als Ort der finalen Geschehnisse geeignet hätte), belässt es aber bei angefressenen Opfern, wohingegen Erwachsene auch des öfteren ihr Leben lassen müssen. Dante lässt uns des reißerischen Effekts wegen hin und wieder kurze Blicke auf angekaute Menschen erhaschen, gerade gegen Ende wenn Sanitäter zur Rettung eilen, im Vergleich zu heute ist das Treiben jedoch nicht all zu blutig ausgefallen, allerdings schon mehr als die eher spießigen Mitläufer von Spielbergs Hai-Film wie „Panik in der Sierra Nova“ oder „Taranteln - Sie kommen um zu töten“.

Interessant ist, dass „Piranhas“ trotz seiner augenzwinkernden Erzählweise wesentlich pessimistischer daher kommt als Spielbergs Werk. Nicht nur dass das Teiben des Militärs düster gezeichnet wird, was noch geradezu typisch für die Erscheinungszeit des Streifens ist, gerade gegen Ende bemerkt man wie wenig es Dante darum geht seine Hauptfiguren als Helden zu feiern. Ob es für die wichtigste Person des Streifens positiv ausgeht, lässt Dante offen, ist er doch schwer angeschlagen von der finalen Piranha-Attacke und scheint noch unter Schock zu stehen.

So blauäugig zu glauben dass eine derart raffinierte Züchtung mit den finalen Erlebnissen tatsächlich ausgerottet ist, ist Dante freilich nicht und lässt seinen Film auch diesbezüglich pessimistisch enden, während er zu dem Fressgeräusch der Piranhas das Meer zeigt, dass symbolisch wenig subtil mittels eines Farbfilters in ein blutiges Rot getaucht wird, bevor der Abspann ins Bild tritt. Dass die Nachuntersuchungen jemandem in die Hände fallen, der den ganzen Film über das Militärprojekt vertuschen wollte, zeigt ebenso den Hang der Autoren zum Pessimismus. Naiv ist „Piranha“ (Originaltitel) somit wahrlich nicht ausgefallen, womit ihm die Haupteigenschaft der meisten anderen Mitläufer der Tier-Horror-Welle fehlt.


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