Montag, 10. Oktober 2016

DIE SKLAVINNEN (1976 Jess Franco)


Die ehemalige Bordellbesitzerin Arminda wird von dem Millionär Radeck aus dem Gefängnis befreit, damit diese ihm mitteilen kann wo sich seine Tochter befindet, hat diese doch unter Drogeneinfluß für die skrupellose Arminda anschaffen müssen...


Nonsens Marke Franco...

In letzter Zeit habe ich kein Glück mit Jess Franco-Filmen. Da habe ich mich nach Jahren schlechter Filmsichtungen der Werke besagtem Herrn endlich mit dessen schrulligen, ungewöhnlichen Stil anfreunden können, solch schöne Werke wie „Vampyros Lesbos“, „Der Todesrächer von Soho“, „Die Säge des Todes“ und „Dr. M schlägt zu“ gesichtet, und dann erwische ich in letzter Zeit immer wieder den Bodensatz des Vielfilmers, sicherlich auch weil meine letzten Gehversuche innerhalb seiner Werke im Erotikbereich stattfanden anstatt im Krimi- oder Horrorbereich.

Wo mich ein „La comtesse perverse“, „Das Frauenhaus“ und sein „Frauen ohne Unschuld“ zumindest noch halbwegs interessieren konnten, da gingen mir „Die nackten Augen der Nacht“ und „Robinson und seine wilden Sklavinnen“ nur noch auf den Senkel, kaum etwas von dem preisgebend, was die Welt des Improvisationfilmers eigentlich so spannend macht. In „Die Sklavinnen“ versucht er wieder einmal gar nicht mehr wirklich eine Geschichte zu erzählen. Der Beginn schaut sich wie aus Filmresten zusammengezimmert, ein Wust nicht zusammenhängender Aufnahmen, die sich halbwegs mit den nötigen Erklärungen als Einleitung verkaufen lassen, auf deren Grundlagen man nun mit neuem Material einen Film zaubern kann.

So bekommen wir von der Zeit im Gefängnis nichts mit, nehmen teil an einem hektischen Gefängnisausbruch und befinden uns sehr schnell in der Geiselnahme des Millionärs, der sich nun für uns in Rückblicken präsentiert die erotische Vergangenheit der ehemaligen Bordellbesitzerin anhören muss, obwohl er eigentlich nur wissen möchte wo sich seine vermisste Tochter aufhält. Geliebt habe sie die Tochter, was sie als skrupellose Menschenhändlerin nicht davon abhielt das arme Ding noch frisch verliebt unter Drogen zu setzen und anschaffen gehen zu lassen. Zu dumm nur dass die damals noch recht süße Lina Romay, die Stammschauspielerin und Lebensgefährtin Francos, so gar nicht bösartig wirken will mit ihrer sanften, sinnlichen Mimik.

Franco ist das egal. Er nutzt die scheinheilige Visage nicht zur Täuschung. Was gesagt wird und was man sieht muss nicht zusammen passen. Diese Dreistigkeit kann seine Filme bereichern. Wenn aber so gar nichts ineinander greifen will, so wie im hier besprochenen Werk, verärgert diese Gleichgültigkeit leider viel eher, als dass sie den Unsinn stärkt. Wie auch immer, der Millionär darf sich jegliches Fummeldetail anhören, denn welcher Vater hört nicht gern von den sexuellen Abenteuern seiner Tochter? Wirkliche Informationen erhält er duch das Erotikgesabbel Armindas jedoch nicht. Also muss Jess Franco höchst persönlich in seinem obligatorischen Auftritt innerhalb des eigenen Werkes zur Zigarette greifen, was zur härtesten Foltermethode der Welt erklärt wird. Es lebe die Naivität Francos Filmwelt.

Dies entlockt Arminda einige Informationen mehr, die freilich wieder mit allerhand Nackedeimomenten aufgewertet werden. Man liest es bereits heraus. Genau wie in manch anderem Softsex-Film Francos, so wird auch hier eine hauchdünne Fast-Geschichte mit langweiligsten und desinteressiert gespielten Erotik- und Sexszenen langgestreckt, zwar gerne durch Heranzoomen körperliche Details zeigend, aber mit dem ewigen Draufhalten ebenso auch die gelangweilten Fressen der sich gerade selbst streichelnden Akteure oder ihren a-sexuell vorgetäuschten Beischlaf einfangend. Ich weiß nicht wie es Franco immer wieder schafft Erotikszenen völlig frei von prickelnden Elementen abzufilmen und solch unmotivierte Mimen zu finden. Selbst die für ihren Exhibitionismus bekannte Lina Romay lässt nicht erkennen, dass sie Spaß daran hat sich vor der Kamera nackig zu machen.

So bekommen wir eine uninteressante Geschichte mit noch uninteressanterem Streckmaterial präsentiert, in welchem desinteressierte Mimen lustlos Lust vorheucheln, und dies so unglaublich langweilig erzählt, dass einem die eigentlich recht kurze Laufzeit wie zwei Stunden vorkommt. Die schundigen Kunstelemente, für die Jess Franco so berühmt ist, kommen in „Die Sexhändler“ (Alternativtitel) kaum zur Geltung. Ganz zu Anfang darf man zumindest einer Befragung im skurrilsten Polizeipräsidium der Welt beiwohnen, darf die Verhörte doch in einer Hängematte liegen, innerhalb eines Raumes der auch gut für eine Räuberhöhle oder eine Schmuddelkneipe herhalten könnte.

Gäbe es mehr von diesen Elementen, könnte dies den dünnen Plot zumindest ein wenig auflockern. Aber da gibt es zu wenig gewagte bis schräge Nebensächlichkeiten und zu viel langweiliges Gefummel, als dass „Die Verschleppten“ (Alternativtitel) irgendetwas reißen könnte. „Die Sklavinnen“ gehört für mich mit zu den schlechtesten Filmen, die ich bislang vom Kult-Regisseur Jess Franco gesichtet habe, und das mag man nach solch üblen Werken wie „Mansion of the Living Dead“, „Oase der Zombies“ und „Lust für Frankenstein“ kaum glauben.


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