Samstag, 24. Dezember 2016

DIE FOLTERKAMMER DES DOKTOR ORLOFF (El enigma del ataúd 1967 Santos Alcocer)


Der vermögende Dan Orloff lässt seine Verwandtschaft in sein Schloss rufen bevor er sterben muss. Als er sich nach einer gehässigen Ansprache an die Familie allein in seinem Zimmer umbringt, wollen die Hinterbliebenen den Tatbestand vertuschen, damit die Versicherung trotzdem Geld auszahlt. Den Arzt bekommt man ausgetrickst, aber ein Unbekannter beginnt nun diverse Menschen zu töten, was schließlich auch die Polizei auf den Plan ruft...


Gegen kleine Eidechsen wurde nicht gesprüht...

Fleißig drehte irgendwer, heute ist es strittig ob es Leute aus Frankreich oder welche aus Deutschland waren, pseudo-erotische Folterkeller-Szenen nach, um diese in den eigentlich frei von Sex inszenierten Film hineinzuschneiden, damit das Produkt unter solch reißerischen Titeln wie „Die Folterkammer des Doktor Orloff“, „Erotik in der Folterkammer“ und „Les orgies du docteur Orloff“ besser vermarktet werden konnte. Nicht nur dass diese Nachdrehs unmotiviert umgesetzt sind und den Film um nichts bereichern, sie fühlen sich zudem wie Fremdkörper im eigentlichen Hauptfilm an, wollen also so gar nicht mit ihm eins werden, gerade in der ersten halben Stunde, die durchaus eine recht dichte Atmosphäre versprüht, die jedoch mit jeder eingesetzen Folterfummelszene zunichte gemacht wird.

Die Jahre haben es allerdings ohnehin nicht gut gemeint mit „Solo un ataud“ (Alternativtitel), ist ihm doch einiges an Filmmaterial abhanden gekommen. An mancher Stelle reiht sich Riss an Riss und damit fehlende Information an fehlende Information. Was inmitten des Streifens noch recht gut zu verkraften ist, sorgt am Ende des Filmes, wenn es um die Auflösung und ihre Erklärung geht, jedoch dafür, dass man mit einem Fragezeichen vor dem Fernseher sitzen bleibt, wenn der Thriller plötzlich sein Ende gefunden hat. Dennoch werden Cineasten sich sicherlich nicht wie bei „Metropolis" euphorisch freuen, wenn eines Tages fehlende Filmschnippsel auftauchen sollten, ist der erst drei Jahre nach seiner Uraufführung in Deutschland erschienende Film doch leider kein gelungener Beitrag seines Genres.

Holprig und widersprüchlich geht die Handlung vonstatten, darum bemüht ein rätselhaftes Szenario zu bieten und eine unheimliche Atmosphäre zu schaffen. Nichts davon gelingt, trotz der gelungenen Räumlichkeiten, in denen man den Hauptteil der Geschichte stattfinden lässt. Nebensächlichkeiten mutieren zu Geschwätzigkeiten, ewig pausiert der düstere Thrilleranteil für Dialoge, welche die längst bestätigte Zwielichtigkeit aller Beteiligter an den Tag bringen soll, nur will mit diesem Mangel an Orientierung auf das Hauptgeschehen weder ein alternatives Produkt zum italienischen Giallo entstehen, noch eine passable Konkurrenz zu den gängigen Agatha Christie-Krimis gleichem Strickmusters.

Wenn im letzten Drittel nun noch die Polizei ins Geschehen bricht, ist es endgültig aus mit dem zuvor wackeligen „El enigma del ataúd“ (Originaltitel), wird der zuvor geschlossene kleine Kosmos einer fragwürdigen Familie doch nun per Fremdkörper aufgebrochen, womit das letzte Flair Düsternis verschwindet und der von Santos Alcocer inszenierte Streifen endgültig zum seichten Kriminalstück verkommt. Dank der völlig blödsinnigen Ermittlungsmethoden und der urplötzlich aus dem Nichts aufkommenden Eingebungen des Kommissars, wird die Geschichte dabei noch blödsinniger und widersprüchlicher als zuvor, so dass dies dem Streifen des Regisseurs von „Kochendes Blut“ nun endgültig den Todesstoß versetzt.

Ein bisschen schade ist es schon, dass „Only a Coffin“ (Alternativtitel) solch ein erbärmliches Produkt ist, versprüht er einige Zeit doch nostalgische Sympathie, wenn er liebevoll mit Klischees und Stereotypen arbeitet und dabei tapfer versucht in die Fußstapfen diverser Gothic-Horrors zu treten, freilich in seiner unbeholfenen Art schnell scheiternd. Man belächelt ihn in dieser frühen Phase dafür, macht sich aber nicht wirklich drüber lustig, ist dieser scheiternde Versuch doch trotzdem ein zunächst nett anzuschauendes Stück Retro-Krimi mit leichtem Grusel-Touch. Aber leider bleibt dies nicht so.

„Die Folterkammer des Dr. Orloff“ wird durch seine Orientierungslosigkeit lahm und zäh, bis er schließlich zur Geduldsprobe für den genervten Zuschauer wird. Trotzdem bin ich den Verantwortlichen der deutschen DVD dankbar, dass es ein so unbekanntes Stück Genre-Kino geschafft hat eine Veröffentlichung auf diesem Medium zu erhalten. Ich freue mich auf jedes mutige Projekt dieser Art, egal ob der Film schließlich gut oder schlecht ausgefallen ist. Von daher: vielen Dank, liebe Verantwortliche, dass Ihr mit solchen Projekten dafür sorgt spannende Lücken im DVD-Kosmos zu schließen. Euch gebührt mein Respekt.


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