Sonntag, 26. Februar 2017

DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN (Dracula A.D. 1972 Alan Gibson)


Die Clique von Jessica Van Helsing feiert so zum Spaß auf unheiligem Boden eine schwarze Messe, nichts ahnend dass einer ihrer Freunde ein Diener Draculas ist, der mittels dieser Messe seinen Meister zum Leben erweckt. Graf Dracula sinnt auf Rache, seit Jessicas Urgroßvater ihn einst besiegte...


Van Helsing ist tot, es lebe Van Helsing!...

Erstmals seit dem 1958er „Dracula“ treffen Peter Cushing als Van Helsing und Christopher Lee als Dracula in der Hammer-Reihe um den mächtigsten Vampir wieder aufeinander. Das wurde aber auch Zeit! Diese ist nicht stehen geblieben, was den Hammer-Studios, die eher auf klassischen Horror abonniert waren, nicht gut tat. Das Genre wurde vom Terrorkino beeinflusst immer härter. Wer mit Dracula Menschen ins Kino locken wollte, der musste sich etwas einfallen lassen, und da reichte es nicht zwei Horrorikonen aufeinander treffen zu lassen. Um der ganzen Chose den nötigen Schwung zu verleihen, versetzt man die Handlung nach einem Einstieg im 19. Jahrundert in das Entstehungsjahr des Filmes, was dem Werk einen modernen und entfremdenden Touch beschert.

Die 70er Jahre sprechen für sich. Das beginnt mit der ersten Aufnahme im Jahr 1972, die von einer Musik begleitet wird, wie man sie in einem Kriminalfilm vermuten würde. Doch das passt ganz gut, allein schon weil die Polizei in den von Dracula verursachten Morden ermittelt, auch wenn sie dabei einen weitaus geringeren Part neben Peter Cushing einnimmt, der einen Nachfahren seiner eigenen Rolle aus den Teilen 1 und 2 verkörpert. Die peppige Musik verleiht dem Film einen angenehmen sleazy Touch, der zu der Zeit häufig im Kino neue Akzente setzte und selbst Schmuddelwerke dieser Tage interessant erscheinen lässt.

Mit den Teens im Zentrum hatte man die nötigen Identifikationsfiguren der neuen Generation, und in den Hochzeiten von Drogen und freier Liebe war genügend Platz für Esotherik und damit für Okkultismus, so dass die Geschichte nicht zu konstruiert wirkt, wenn nicht an den Satan glaubende Jugendliche eine schwarze Messe veranstalten. Als Mutprobe angesetzt bleibt sie in der Geschichte nicht nur glaubwürdig, ihre düstere Inszenierung reißt gar richtig mit. Wo „Dracula jagt Mini-Mädchen“ (welch dämlicher Titel) an mancher Stelle schräg und flott inszeniert ist, da ist er es an anderer, richtiger Stelle düster und ernsthaft.

Die Messe gehört wie erwähnt zu diesen Momenten und kann sich wahrlich sehen lassen, was aber auch am überzeugenden Spiel Christopher Neames liegt, der hier den Diener Draculas Johnny Alucard spielt. Seine Szenen gehören ihm, und mit seinem jungen, düsteren, leicht schelmischen Erscheinungsbild ist er eine bereichernde Ergänzung neben Christopher Lee als Dracula, der zwar sehr wenige Auftritte beschert bekommen hat, dafür aber endlich wieder so düster wie unter Terence Fisher spielen darf.

So modern sich das Ganze auch ins 20. Jahrhundert verfrachtet, in der Großstadt spielend unter Jugendlichen mit flotter Musikuntermalung guckt, die eigentliche Geschichte verläuft innerhalb dieser Rahmenbedingungen trotzdem überraschend klassisch. Da wird nichts mit nackter Haut aufgepuscht, da gibt es nur ein, zwei Tröpfchen mehr Blut als bislang zu sehen, und wenn Dracula erst einmal auferstanden ist folgt auch der Handlungsverlauf dem typischen Muster, wie er auch im 19. Jahrhundert hätte erzählt werden können. Würde im Finale nicht zeitgenössische Musik im Stile der Soundtracks der Rialto-Wallace-Reihe im Hintergrund spielen, man würde glatt vergessen in welchem Jahrhundert wir uns befinden, findet der Endkampf doch in einer alten, verfallenen Kische statt.

Ein klassisches Happy End muss es geben, auch hier verweigert sich „Dracula Chases the Mini Girls“ (Alternativtitel) der Moderne. Der Tod Draculas kann sich diesmal glücklicher Weise sehen lassen, so dass es auch in diesem Punkt nichts zu meckern gibt. Trotz des trashigen Titels und der eher gewagt als vielversprechend klingenden Idee Van Helsing und Dracula im 20. Jahrhundert aufeinander treffen zu lassen, ist „Dracula A.D. 1972“ (Originaltitel) eine der gelungensten Fortsetzungen des Originalfilmes mit Christopher Lee, und dies gerade einmal zwei Jahre nach dem missglückten sechsten Teil „Dracula - Nächte des Entsetzens“.


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