Sonntag, 26. Februar 2017

DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT (The Satanic Rites of Dracula 1973 Alan Gibson)


Eine Gruppe mächtiger Herren nimmt an okkulten Riten einer Geheimorganisation teil. Van Helsing hilft den Ermittlern und findet heraus, dass Dracula hinter allem steckt und diesmal größere Ziele verfolgt als üblicherweise...


Der Konzern des Grafen Dracula...

Als man mit dem Vorgänger „Dracula jagt Mini-Mädchen“ der totgelaufenen klassischen Reihe um „Dracula“ neuen Pepp verlieh, sorgte dies für genügend Kasse, dass sich eine schnell nachgereichte weitere Fortsetzung lohnte. Erneut engagierte man Regisseur Alan Gibson, erneut ließ man Van Helsing gegen Dracula im England der 70er Jahre gegeneinander antreten, und da laut Film gerade einmal drei Jahre zwischen den Ereignissen liegen, konnte man auch sonst manche aus dem direkten Vorgänger bekannte Figur wieder mit einbauen. Aus der Rezeptur von Teil 7 hatte man jedoch nicht gelernt.

Es braucht nicht verwundern, dass Christopher Lee hier ein letztes Mal den Dracula mimt und auch für einen Kurzauftritt in der letzten Fortsetzung „Die 7 goldenen Vampire“ nicht mehr zu haben war. Ebenso braucht es nicht verwundern, dass man mit dem letzten Teil der Reihe erneut neue Wege suchte die Reihe fortzusetzen, fehlt „Dracula braucht frisches Blut“ doch der Charme und die Klasse des Vorgängers und macht trotz des Erfolges der Mini-Mädchen alles anders als dieser. So klassisch der deutsche Titel klingen mag, so wenig hat die Art der Inszenierung mit der Rest-Reihe gemein. Der Vorgänger gab sich modern, im Kern klassisch und kam so verspielt daher wie noch jeder Teil der Reihe. „The Satanic Rites of Dracula“ (Originaltitel) lässt jedoch jeglichen verspielten Charme und jegliches Augenzwinkern vermissen, dabei hätte ihm dies bei seiner hochgradig unsinnig ausgefallen Geschichte sehr gut getan.

Zwar erhöht man den Blut- und nackte Haut-Pegel im Vergleich zum Vorgänger nur minimal, aber „Rites of Dracula“ (Alternativtitel) ist sehr reißerisch erzählt, nimmt sich viel zu ernst und erscheint einem eher wie eine Agentengeschichte, in welcher ein okkulter Orden die Weltherrschaft an sich reißen möchte, als wie eine Vampirgeschichte. Die Vampirrezeptur wirkt so krampfhaft ins Restgeschehen eingebracht, dass die Vermutung nahe liegt, dass hier ein Drehbuch zu einem ursprünglich anders gedachten Thema auf die Schnelle in einen „Dracula"-Film umfunktioniert wurde.

Dieser Verdacht verdichtet sich, wenn man sich die Rolle des kaum auftauchenden Grafen Dracula einmal näher ansieht. Der hat nun völlig blödsinniger Weise einen Konzern errichtet, von dessen Chefetage aus er unentdeckt vom Rest der Welt das Ende eben dieser einleitet. Ohne die Vampirthematik hätten wir hier den klassischen James Bond-Bösewicht. Und dass Lee, bis auf seine Vampirzähnchen und seinen Umhang, gerade in der sehr langen Büroszene, so gar nicht wie der Graf wirken mag, lässt darauf schließen dass sein einziger Auftritt außerhalb des Finales, das klassische vampirische Verführen eines weiblichen Opfers, nachgedreht wurde, um „Count Dracula and his Vampire Bride“ (Alternativtitel) wenigstens einen Hauch klassisches Dracula-Feeling zu verleihen, zum Zweck die Figur mit dieser eingefügten, nicht zum Restgeschehen passenden, Szene auch wie Dracula wirken zu lassen.

Was auch immer die Hintergründe waren, die Geschichte ist reiner Nonsens, geht es doch um einen okkulten Club, der mittels eines neu gezüchteten, aggressiveren Pest-Virus die Menschheit ausrotten möchte. Van Helsing vermutet darin eine Todessehnsucht des Vampirs, der vor seinem Untergang noch die komplette Menschheit, vielleicht sogar das komplette Universum in den Untergang reißen möchte. Als pulpiger 70er Jahre-Streifen weiß „Dracula Is Alive and Well and Living in London“ (Alternativtitel) auch tatsächlich zu funktionieren, eben weil er all diesen Unsinn bierernst erzählt. Da sich das alles aber so gar nicht wie ein Teil der „Dracula“-Reihe anfühlt, werden Stammzuschauer der Hammer-Reihe verprellt, sofern sie nicht auch moderneren Horrorstoffen gegenüber aufgeschlossen sind.

Man kann also behaupten, dass Christopher Lee seinen letzten Auftritt als Dracula in „Dracula jagt Mini-Mädchen“ absolviert hat. Nicht nur dass er trotz Erstnennung in Vor- und Abspann nur ein Gast in seinem eigenen Film ist, er wirkt auch nicht wie Dracula, so wie der komplette Film mit seiner reißerischen Agentengeschichte nicht wie ein „Dracula"-Film wirkt. „Dracula braucht frisches Blut“ wäre ohne die Vampirthematik noch eine Spur sympathischer ausgefallen. Dann hätte man ihn vielleicht sogar einen Hauch ernster nehmen können.

Man hätte die Figur des Van Helsing lediglich als Berater okkulter Ermittlungen einbauen können, „Akte X“-like, anstatt ständig auf der Dracula-Masche herumzureiten. Dann hätte daraus eine eigene Reihe innerhalb der klassischen Reihe werden können. Aber mit der nicht wirklich kompatiblen Vampirthematik vermengt, und mit der unsinnigen Ergänzung Draculas als Großunternehmer (und einem noch viel dämlicheren, viel zu früh genannten Verdacht Van Hellsings, Dracula könne hinter all diesen Ereignissen stecken), wird aus Gibsons zweiten Ausflug der Hammer-Reihe lediglich ein unfreiwillig komischer, wahnwitziger, reißerischer und pulpig sympathischer Streifen für Freunde ungewöhnlicher, schundiger 70er Jahre-Produktionen. Aber das ist immerhin noch um einiges besser als ein mittelmäßiges oder schlechtes Ergebnis.


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