Schlombies Filmbesprechungen auf Facebook:

Sonntag, 14. Mai 2017

THE FRANKENSTEIN THEORY (2013 Andrew Weiner)


Venkenhein ist der festen Überzeugung, dass einer seiner Vorfahren Frankensteins Monster geschaffen hat und der Roman Mary Shelleys zur Ablenkung der wahren Ereignisse diente. Zusammen mit einem Kamerateam macht er sich auf nach Kanada in den nördlichen Polarkreis, wo er die real existierende Kreatur vermutet...


Frankensteins Yeti...

„The Frankenstein Theory“ ist nach dem klassischen Found Footage-Muster a la „The Blair Witch Project“, „Trollhunter“ und Co aufgemacht, wo ein Film-Team einer Theorie nachgeht, sich Spuren dieser erhofft und von der Wahrheit derart bitter eingeholt wird, dass man nie wieder etwas von ihnen gesehen hat - bis das aufgenommene Material gefunden wird. Sich an dieses Muster zu halten muss nicht zwingend verkehrt sein, bietet es doch eine recht anständige Ausgangslage zu erzählen, was man pseudo-dokumentatorisch erzählen will, es entlarvt untalentierte Filmemacher aber auch ganz schnell als eben solche, da die so einfach klingende Rezeptur wesentlich mehr erfordert, als mit der Handkamera durch irgendwelche interessanten Gebiete zu stampfen und sich genervt voneinander gegenseitig anzubrüllen, bis am Ende alle Kameras zu Boden fallen.

Andrew Weiners Werk ist ein solcher missglückter Versuch, der zwar nicht derart scheitert wie „RAW - Der Fluch der Grete Müller“ oder „Paranormal Investigations 3“, Weiners Beitrag hält sich im mauen Bereich der Mittelmäßigkeit auf, aber auch dies beschert weder ein aufregendes, noch ein annehmbares Ergebnis. Die Motivation des Drehteams ist nicht nachvollziehbar, der ausschlaggebende Venkenhein weder glaubwürdig, noch interessant genug charakterisiert, als dass man sich seine wirren Theorien als reizvolles Gedankenspiel vorzustellen könnte, oder eine funktionierende Mystik dieser Theorie einen Reiz ausstrahlen könnte. Und die Gruppendynamik krankt bereits an der Unglaubwürdigkeit einer jeden Figur, da sich niemand von ihnen wie ein echter Mensch anfühlen möchte.

Das könnte auch ein Manko der deutschen Synchronisation sein, die von mir erstandene DVD enthielt für den Originalton keine deutschen Untertitel, aber bereits die lustlosen Gesichter, die einfallslosen Dialoge und der Mangel aus der schneebedeckten Gegend eine unheilvolle Stimmung herauszuholen, oder zumindest deren Lebensfeindlichkeit für den Menschen herauszukristallisieren, zeigt, dass die Deutschvertonung nicht das einzige Hindernis zu einem guten Ergebnis war. Wenn die begleitende Dokumentarfilmerin den Forschungsleiter immer wieder nur fragt wie es ihm geht, dann will man ihr die Rolle einer engagierten Dokumentarfilmerin bei solch desinteressierter, eintöniger Fragestellung nicht abkaufen.

Dass man die Kreatur selbst, an deren Existenz der Zuschauer deshalb niemals zweifeln würde, weil alles Gezeigte sonst keinen Sinn ergeben würde, erst gegen Ende zu Gesicht bekommt, ist Genre-üblich, darüber braucht man also nicht meckern. Dass man die Kreatur schlicht, als großen Mann, gestaltet hat, wird der Geschichte Shelleys gerecht, wird manch einen aufgrund mangelnder aufregender Erscheinung aber sicherlich trotzdem zum Meckern bringen. Letztendlich wäre „The Frankenstein Theory“ bei anderer Form der Erzählung der ideale Kandidat eines Found Footage-Filmes gewesen, bei dem ein Doku-Team am Ende nicht seiner Legende unterliegt. Es wäre toll gewesen die Auflösung würde beweisen, dass der Team-Leiter sich geirrt hat und alle am Ende bedröppelt und ausgehungert nach Hause fahren. Auf einen solchen Beitrag warte ich noch, Weiner war hierzu nicht bereit.

So präsentiert er uns stattdessen nächtliche Attacken, deren Gruselgeräusche nicht zum Fürchten anstecken, auch dann nicht, wenn Weiner auf die oft unheimlich wirkende Nachtsicht der Kameras zurückgreift. Dass sich selbst in diesen Momenten keine gruselige Stimmung entfalten will, liegt mitunter auch daran, dass die Gefolgschaft viel zu schnell darüber grübelt, ob an der Frankenstein-Theorie doch etwas Wahres dran sein könnte, schließlich klingt das draußen herumwütende Wesen für Laien eigentlich stark nach einem Bär, einer näherliegenden Lösung.

Der ortsansässige Führer durch die Eiswüste referierte zuvor derart intensiv über die Bedrohlichkeit von Bären, dass man sich gewünscht hätte, der Titel diene nur der Ablenkung, um im Found Footage-Verfahren überraschend einen Tier-Horror zu präsentieren. Diese Vorgehensweise hätte zumindest beeindruckt, auch bei mangelnder Wirkung, so aber verlässt man „The Frankenstein Theory“ mit einem müden Achselzucken, leicht gelangweilt aufgrund des immer wieder genutzten Schema Fs, ohne mit ausreichendem Talent ein auch nur ansatzweise gruseliges Ergebnis abzuliefern.


Weitere Besprechungen zu The Frankenstein Theory:


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen