Mittwoch, 14. Juni 2017

BABY BLUES MASSACRE (Baby Blues 2008 Lars E. Jacobson u.a.)


In den 80er Jahren lebt Jimmy mit seinen drei Geschwistern und seiner Mutter auf einer Farm, während sein Truck fahrender Vater meist unterwegs ist. Eines Tages beobachtet Jimmy, dass sich seine überforderte Mutter merkwürdig verhält. Als er am Abend das Baby der Familie tot auffindet, versucht er sich und seine anderen Geschwister in Sicherheit zu bringen. Das ist auch gut so, denn die Mutter driftet immer weiter von der Realität ab und verfolgt mordlüsternd ihre Kinder...


Der Fuchs im Hühnerstall ist das Opfer...

Die Psychologie mag ein wenig simpel ausgefallen sein, wenn eine überforderte, meist vom Ehemann allein gelassene, Mutter durchdreht und dabei nicht nur eine Handlung aus dem Affekt begeht, den sie kurz darauf bereut, sondern derart abdriftet, dass sie als wild gewordene Psychopathin ihren Kindern nach dem Leben trachtet. Da das Ganze jedoch so konsequent eingefangen und packend erzählt ist, sieht man über dieses kleine Defizit wohlwollend hinweg, wissendlich, dass gelungene Horrorfilme über Psychopathen im Meer der Veröffentlichungen zu diesem Thema wahrlich rar gesät sind.

Bereits die Lauflänge von unter 80 Minuten (70 Minuten ohne Abspann gemessen) weiß Sympathie zu erzeugen, scheitern doch viele Horrorfilme an der unnötigen Verpflichtung auf 90 Minuten aufgeblasen zu sein. „Baby Blues Massacre“ gönnt sich eine relativ kurze Einleitung und konzentriert sich von da an auf die Jagd. Ein weiterer Pluspunkt des Streifens ist die Konsequenz in welcher die Geschichte erzählt wird. Gängige Erzählmuster, an denen der Stammzuschauer des Genres gewöhnt ist, werden oftmals übergangen. Die Mutter mordet sich überraschend erfolgreich durch die Familie, und dass der große Bruder nicht so gut für seine Geschwister sorgen kann, wie er es sich erhofft, liegt an einer glaubwürdigen Figurenzeichnung betreffend der Kinderpsychologie.

Mag Jimmy der Held auch Horrorfilm-typisch mehr wegstecken können als so mancher Actionheld, er ist zumindest kein kleiner Erwachsener, wie man ihn so oft in US-amerikanischen Filmen vorgesetzt bekommt. Er ist ein Kind und muss sich gegen eine ihm körperlich überlegene Macht zur Wehr setzen. Was bereits in den 80er Jahren bei „Deadly Games“ wunderbar funktionierte, weiß auch in diesem kleinen Werk zu gefallen, welches in den 80er Jahren spielt und angeblich auf einer wahren Begebenheit beruht.

Nicht nur dass „Cradle Will Fall - Baby Blues“ (Alternativtitel) für seine FSK 16 unglaublich hart ausgefallen ist, er ist zudem atmosphärisch dicht erzählt, in seiner Wackelkamera-freien Art fast schon altmodisch umgesetzt und bis zum Schluss konsequent erzählt. Gerade die angehangene Schlusssequenz weiß wahrlich zu beunruhgen und bietet nach Abschluss der eigentlichen Hauptgeschichte somit mehr als das was gängige Horrorware üblicher Weise in seinen letzten Szenen zu bieten hat.

„The Mother“ (Alternativtitel) ist meinerseits somit definitiv zu empfehlen, da er sich auf seine traditionelle abgefilmte Old School-Art erfreulich von all den Pseudo-coolen Torture Porns, den bemüht selbstironischen Horror-Komödien und den oft albern ausgefallenen Psychopathen-Horrors abhebt und letztendlich das bietet, was es bestenfalls in einem Horrorfilm zu erleben gibt: eine spannende Geschichte. Von wahrem Nervenkitzel würde ich zwar nicht gerade sprechen, zumindest für Stammzuschauer im Horrorfilm, packend genug um mit dem Jungen mitzubangen ist das Ergebnis aber definitiv ausgefallen. „Baby Blues“ (Originaltitel) ist in meinen Augen ein kleiner Geheim-Tipp.


Weitere Besprechungen zu Baby Blues Massacre: 
F.LM 


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