Dienstag, 4. Juli 2017

THE SHALLOWS - GEFAHR AUS DER TIEFE (The Shallows 2016 Jaume Collet-Serra)


Die Studentin Nancy surft an einem abgeschiedenen Strand, wird von einem Hai attackiert und kann sich auf eine winzige Insel flüchten, die etwa 200 Meter vom Ufer entfernt ist. Der Hai lauert weiter im Wasser, und recht bald wird Nancy klar, dass sie völlig auf sich allein gestellt ist...


Auf kleinem Raum mit einer Möwe...

Wie sehr sich ein Hai-Horror, von denen es nun wahrlich genügend gibt, von Spielbergs Vorbild für dieses Sub-Genre, „Der weiße Hai“, entfernen kann, das zeigt der recht anders geartete kleine Überraschungserfolg aus den USA namens „The Shallows“, der gerade in Zeiten, in denen besagte Filme eher durch Pseudo-Trasher a la „Sharknado“ der Firma The Asylum von sich reden machen, als eine Art Ehr-Errettung zu bezeichnen ist. Schließlich beweist er, dass nicht alles Schund ist, was zu diesem Thema gedreht wird. Ebenso beweist er, dass der Reiz dieses Themas noch lange nicht abgeklungen ist, sofern man nach anderen Möglichkeiten sucht von ihm zu erzählen.

Sicherlich ist das Konzept des Streifens nicht neu zu nennen. In „Black Water“ befand man sich bei ebenfalls minimalistischer, ähnlicher Handlung recht realitätsorientiert im Visier eines Krokodils, und mit „Open Water“ versuchte man sich auf ähnliche Art bereits einige Jahre zuvor diesbezüglich am Thema Hai-Angriff. Verlor dieser seinen Realitätsansatz doch bereits in den aufgesetzten Dialogen, womit ihm auch einiges an Spannungspotential verloren ging, konzentriert man sich bei „The Shallows - Gefahr aus der Tiefe“ tatsächlich auf das Wesentliche, verwässert es nicht mit unnötigem Geschwätz oder zusätzlicher Nebenstränge in der Handlung, so dass bei dieser Konsequenz ein spannungsgeladener Horrorfilm herausgekommen ist, der fast ohne filmtypische Übertreibungen daher kommt.

Selbst in seinen reißerischeren Szenen, in denen der Hai nicht mehr ganz so glaubwürdig wie zuvor agiert, bleibt das Werk Jaume Collet-Serra, der uns auch den umstrittenen „House of Wax“ bescherte und den nicht minder zwiespältig aufgenommenen „Orphan - Das Waisenkind“, packend erzählt und auf einem guten Spannungshoch, so dass man dem Streifen nicht wirklich böse ist den Pfad der Realität gelegentlich leicht zu verlassen. Zumindest dürfte Collet-Serra diesmal ein Genre-Beitrag gelungen sein, der die Filmgemeinde nicht ganz so spaltet wie die beiden genannten Beispiele, wobei ich das als Freund beider Filme für diesen hier nur vermuten kann, kommt das „weniger ist mehr“-Prinzip doch sicherlich nicht bei jedem gut an.

Schöne Fotografien, eine gut agierende Hauptdarstellerin mit dem Mut ungeschminkt realistischer zu wirken und der Hang sich in keiner Phase des Films einer Modewelle anzubiedern (nicht einmal in den kurzen Found Footage-Momenten), sowie ein stilsicherer Umgang im Spannungsaufbau und in der Inszenierungsform allgemein machen aus „The Shallows“ einen sehenswerten Beitrag, der zwar nicht zwingend einen Innovationspreis verdient hätte, auf seine Art trotz ähnlich vorhandener Produkte jedoch trotzdem recht eigenständig wirkt. Da der Hai zudem immer im für das Funktionieren der Geschichte richtigem Maße eingesetzt wird und wahrlich zum Fürchten aussieht, steht einem wohligen Unbehagen für 80 Minuten nichts im Weg.


Weitere Besprechungen zu The Shallows: 


Kommentare:

  1. Naja, das Agieren das Hais war allerdings ein wenig unnatürlich. Sah stellenweise wie eine Rachegeschichte aus, statt eines normalen Verhaltens. Aber immerhin ein paar gelungene Bilder bietet der Film.

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    1. Ich habe das weniger als Rache verstanden, ich sah in dem Verhalten ein gereiztes Tier, das auf die Gegenwehr, quasi die Provokation, wie er es empfinden dürfte, reagiert hat. Dass "The Shallows" auf 'nen Laien wie mir eher realistisch wirkt, anstatt es wirklich zu sein,liegt jedoch auf der Hand. ;)

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